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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Boraxkalk - Bordeaux.

B. und Weinstein als weißes, hygroskopisches, leicht lösliches Pulver erhalten, wird als abführendes Mittel benutzt. Der Name B. kommt bei den Alchimisten vor, doch wandten sie denselben lange auf verschiedene Salze und Zubereitungen an, die beim Löten des Goldes benutzt wurden. Basilius Valentinus im 15. Jahrh. erwähnt aber den venezianischen Borras und Libavius 1595 den B. venetianus, der aus Tinkal gewonnen wurde. 1702 entdeckte Homberg die Borsäure, 1747 zeigte Baron, daß B. aus Borsäure und Natron besteht. Zu Anfang des 19. Jahrh. fing man an, B. aus toscanischer Borsäure darzustellen, und in neuerer Zeit kamen nicht nur der amerikanische B., sondern auch die Mineralien Tiza, Boronatrocalcit und Staßfurtit als Rohmaterialien der Boraxindustrie hinzu.

Boraxkalk, s. v. w. Boronatrocalcit.

Boraxsäure, s. v. w. Borsäure.

Boraxsee (von den Indianern Kayla genannt), kleiner See im W. des nordamerikan. Staats Kalifornien, östlich von Clear Lake, 1856 durch Beach entdeckt und von 1863 bis 1866 seines Boraxgehalts wegen ausgebeutet.

Boraxweinstein, s. Borax.

Borbeck, Landgemeinde im preuß. Regierungsbezirk Düsseldorf, Landkreis Essen, an der Eisenbahn Altendorf-Osterfeld, hat ein Amtsgericht, 1 evangelische und 3 kath. Kirchen, 1 Rathaus, eine Kranken- und Waisenanstalt der Elisabetherinnen, 6 große Steinkohlenbergwerke mit 4800 Arbeitern und einer Förderung von 1,200,000 Ton., 3 große Eisenwerke, 1 Zinkhütte, Ziegelei, 4 Dampfmühlen, eine Gas- und Wasserleitung und (1880) 21,592 Einw. (4176 Evangelische). Die Gemeinde B. umfaßt die Ortschaften Bedingrade, Bocholt, B., Dellwig, Frintrop, Gerschede, Schönebeck und Vogelheim.

Borbetomagus, Stadt, s. Worms.

Borborianer (Borboriten, "Schmutzmänner"), Schimpfname, welchen die Orthodoxen mehreren gnostischen Sekten wegen ihrer schmutzigen, unzüchtigen Gebräuche beilegten; die betreffende Hauptsekte repräsentierte einen antinomistischen Ophitismus; im 16. Jahrh. auch Spottname einer Wiedertäuferpartei in Holland.

Borborygmus (griech.), kollerndes Geräusch im Leib, welches durch lebhafte Peristaltik des mit Gas und Flüssigkeit erfüllten Darms erzeugt wird. B. hystericus, Darmkollern mit Austreibung von Darmgasen durch krampfhafte hysterische Darmbewegungen.

Borby, Dorf in der preuß. Provinz Schleswig-Holstein, unmittelbar nördlich bei Eckernförde, mit evang. Kirche, Eisengießerei, besuchtem Seebad und (1880) 1015 Einw.

Borchel (Borchelt), s. Befestigung (prähistor.).

Bord, eigentlich nur der oberste Rand des Schiffskörpers, welcher bei gedeckten Fahrzeugen rings um das Oberwerk läuft (so: über B. fallen, über B. werfen etc.); dann in technisch-sprichwörtlichen Redensarten für das ganze Schiff überhaupt (an B. kommen für: auf das Schiff kommen, an B. gehen für: sich einschiffen etc.). Steht man im Schiff mit dem Gesicht nach dem Bug, nach vorn, so heißt die ganze linke Seite Backbord (engl. port-side, franz. bâbord), die rechte Steuerbord (engl. starboard, franz. tribord). Alle Teile und Geräte des Schiffs, welche symmetrisch doppelt, rechts und links, vorhanden sind, werden hiernach bezeichnet, z. B. Backbordsbrassen und Steuerbordsbrassen; auch die ganze Mannschaft ist hiernach in zwei Hälften eingeteilt, die Steuerbords- und die Backbordswache.

Borda, Jean Charles de, Mathematiker und Seemann, geb. 4. Mai 1733 zu Dax im Departement Landes, erhielt seine Bildung bei den Jesuiten von La Flèche und trat dann in das Geniekorps, später in das Korps der Chevaulegers. Schon 1756 erwarb er sich durch sein "Mémoire sur le mouvement des projectiles" die Mitgliedschaft der Akademie der Wissenschaften und focht als Adjutant des Marschalls Mallebois 1757 bei Hastenbeck. Darauf ward er Ingenieuroffizier, trat 1767 in den Seedienst und machte 1771 als Chef d'Escadre mit Verdun de la Crenne und Pingré eine Reise nach Amerika, um die Seeuhren zu prüfen, wobei er zugleich die Länge und Breite vieler Küsten, Inseln und Klippen berichtigte. Die Resultate veröffentlichten die drei Gefährten in dem Werk "Voyage fait par ordre du roi en 1771 et 1772 en diverses parties de l'Europe et de l'Amérique" (1778, 2 Bde.). In gleicher Absicht reiste er 1774 nach den Inseln des Grünen Vorgebirges und der Westküste Afrikas und lieferte 1776 eine treffliche Karte der Kanarischen Inseln und der Küsten von Afrika. In den Jahren 1777 und 1778 half er als Generalmajor der Seetruppen zu den Erfolgen der französischen Waffen im amerikanischen Krieg wesentlich mit. Auf der Rückfahrt von Martinique 1782 fiel er in englische Gefangenschaft, wurde aber auf sein Ehrenwort nach Frankreich entlassen, wo er im Ministerium der Marine für die Wissenschaften zu wirken fortfuhr. Er starb 20. Febr. 1799. Er ist Stifter der französischen Schiffbauschule; seinen Plänen verdankte die französische Marine zuerst das Streben nach gleichförmigem Bau der Schiffe und Einheit und Kraft in Flottenmanövern. B. erfand den astronomischen Winkelmesser zur Messung der Mittagslinie (mit Méchain und Delambre) und die nach ihm benannten Reflexions- und Repetitionskreise; auch soll er Erfinder des Metallthermometers sein. Von ihm ist ferner das neue französische System der Maße und Gewichte, und durch ihn gewannen Eulers und Tobias Mayers wichtige Entdeckungen zuerst praktische Bedeutung. Seine "Tables trigonométriques, décimales etc." wurden aus seinem Nachlaß herausgegeben von Delambre (1801).

Bordagium (lat.), im normännischen Rechte dasjenige Rechtsverhältnis, nach welchem jemand von einem Grundherrn ein Gut zu beschränktem Eigentum erhielt, dafür aber zur Leistung bäuerlicher Dienste verpflichtet war. Die so Berechtigten, Bordarii, konnten das Gut vererben, aber nicht verkaufen. Wilhelm der Eroberer brachte dieses Feudalinstitut nach England.

Borde, s. Borte.

Börde, in Niederdeutschland ein fruchtbarer ebener Landstrich, z. B. die Soester, die Warburger, die Magdeburger B.

Bordeaux (spr. -doh), eine der größten, schönsten und reichsten Städte Frankreichs, Hauptstadt des Departements der Gironde, liegt 6 m ü. M. in einer weiten Ebene am linken Ufer der Garonne, die hier eine gewaltige nach O. geöffnete Biegung macht, in der Landschaft Bordelais des ehemaligen Guienne oder Aquitanien, am Vereinigungspunkt von vier Eisenbahnen und an dem Punkt, 100 km oberhalb der Flußmündung, bis zu welchem mit der Flut selbst noch transatlantische Dampfer gelangen können. Mit der gegenüberliegenden Vorstadt La Bastide ist B. durch eine steinerne Brücke, die Anfang dieses Jahrhunderts des beweglichen Untergrundes halber mit sehr großen Schwierigkeiten erbaut wurde,