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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bornhövede; Bornier; Borniert; Bornit; Bornu

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Bornhövede - Bornu.

Bornhövede, Dorf in Holstein, nördlich von Segeberg, an der Swentine, mit 894 Einw. und einer der ältesten Kirchen des Landes (um 1149 gegründet). In der dabeiliegenden Ebene Zuentifeld hielten im Mittelalter (noch 1459) die schleswig-holsteinischen Landstände ihre Versammlungen. Berühmt ist B. durch die Schlacht 22. Juli 1227, in welcher die verbündeten norddeutschen Fürsten (die Grafen von Holstein und Schwerin, der Herzog Albrecht von Sachsen und der Erzbischof von Bremen) über die Dänen unter Waldemar II., der verwundet wurde, siegten. Die Schlacht wurde dadurch gewonnen, daß die Dithmarschen während derselben zu den Deutschen übergingen, und brach das Übergewicht der Dänen an der norddeutschen Küste.

Bornier (spr. bornjeh), Henri, Vicomte de, franz. Dichter, geb. 25. Dez. 1825 zu Lunel (Departement Hérault) aus einer alten und geachteten Familie, studierte in Montpellier und Paris die Rechtswissenschaft und erhielt infolge eines Bändchens Gedichte, das er unter dem Titel: "Les premières feuilles" (1848) veröffentlichte, eine Anstellung an der Bibliothek des Arsenals, wo er mit der Zeit zum Oberbibliothekar emporrückte. B. ist als dramatischer Dichter fruchtbar und zeichnet sich besonders durch Glanz der Diktion aus. Die bekanntesten Stücke von ihm sind die Dramen: "Le mariage de Luther" (1845) und "Dante et Béatrix" (1853); ferner die Lustspiele: "Le monde renversé" (1853), "La Muse de Corneille" (1854), "La cage du lion" (1862), "Agamemnon" (frei nach Seneca, 1868) und als seine neuesten Stücke, durch die er eigentlich erst populär geworden ist, die versifizierten, an Anspielungen auf die Zeitereignisse reichen Schauspiele: "La fille de Roland" (1875; deutsch von Giers, 1880), "Les noces d'Attila" (1879) und "L'Apôtre" (1881) sowie das einaktige Gelegenheitsstück "Les deux villes" (Paris u. Toulouse), aus Anlaß der Überschwemmung von Toulouse geschrieben (1875). Auch der Text zu der Oper "Dimitri" von V. Joncières rührt von B. her. Als lyrischer Dichter erhielt er zweimal (1861 für die Dichtung "L'isthme de Suez" und 1863 für "La France dans l'extrême Orient") von der Akademie den poetischen Preis, ebenso 1864 den rhetorischen für sein "Éloge de Chateaubriand". Außerdem schrieb er die Gedichte: "La guerre d'Orient" (1858), "La soeur de charité au dix-neuvième siècle" (1859), die Romane: "Le fils de la terre" (1864), "Un cousin de passage" (1865) und "La Lizardière" (1882) sowie zahlreiche Novellen und litterarische Aufsätze etc. Gesammelt erschienen "Poésies complètes" (1881).

Borniert (franz.), geistig beschränkt.

Bornit, s. Buntkupfererz.

Bornu, großes Reich in Afrika, im mittlern Sudân (s. Karte "Guinea"), welches in seiner größten Ausdehnung mit Einschluß des von ihm abhängigen Kanem (s. d.) u. des von beiden eingeschlossenen Tsadsees einen Umfang von 242,701 qkm (4407,7 QM.) hat, in engerer Umgrenzung zwischen Kanem und dem Tsadsee, Bagirmi, Adamáua, Sokoto und dem Tuareggebiet der Sahara 148,405 qkm (2695 QM.) mißt. Das Land, jetzt eins der bekanntesten Territorien Zentralafrikas, ist im ganzen eine weite Tiefebene; nur im W. und S. treten Bergzüge von 200-300 m über die Grenzen. Der Boden ist zum großen Teil sandig und unfruchtbar, kulturfähig aber in den sehr zahlreichen Oasen sowie in den regelmäßig durch Überschwemmungen bewässerten, dicht bewaldeten Uferlandschaften der Flüsse, wo auch die ziemlich starke Bevölkerung zusammengedrängt ist. Unter den Gewässern gelten der Tsadsee, durch welchen B. von Kanem getrennt wird, der Komadugu oder Waubé und der Schari, welcher die Ostgrenze bildet, als die bedeutendsten. Die Hitze ist außerordentlich groß. Zwischen den Monaten März und Juni, wenn die glühenden Süd- und Südwestwinde wehen, hält sich das Thermometer selbst während der Nächte auf 40° C. Schwere Gewitterwolken verhüllen die Sonne, unter gewaltigen Stürmen stürzen fast beständig dichte Regengüsse nieder, und eine drückende, feuchte Atmosphäre lastet wie ein Alp auf allen lebenden Wesen. Dann herrschen die gefährlichsten Fieber. Die trockne und verhältnismäßig kühle Jahreszeit beginnt im Oktober, und im Januar geht das Thermometer nicht über 25° C. hinaus, sinkt des Morgens aber bis 14° herab. Der rote, eisenhaltige Thonboden, der Afrika überhaupt eigen, ist vorherrschend; in der Nähe der Ströme lagert tiefe, schwarze Dammerde. Die Produkte von B. sind im allgemeinen die Mittelafrikas. Der Baumwuchs besteht fast nur aus Akazien und Tamarinden, Palmen finden sich nur unmittelbar an den Flußufern. Zu den vorzüglichsten Kulturgewächsen gehören Indigo, Baumwolle, Durra, die Erdnuß, Mais. Reich ausgestattet ist die Fauna von B. Herden von Elefanten, Löwen, Giraffen, Büffeln und Antilopen sind häufig anzutreffen. Die Wälder sind belebt von Affen verschiedener Art, Zibetkatzen und Vögeln von den prächtigsten Farben; aber auch Schlangen, Skorpione und die reißenden Tiere der Wüste umlagern die Oasen. Während der trocknen Jahreszeit durchziehen das Land Schwärme von Gazellen und Straußen. Gleich zahlreich sind die zahmen Haustiere. Die streng mohammedanische Bevölkerung, deren Zahl Barth und Nachtigal übereinstimmend auf 5 Mill. schätzen, besteht aus einem Gemisch verschiedener Stämme: Kanuri (1½ Mill.), Kanembu, Kojam und Tibbu (150,000), Makari, Keribina und Musgo (750,000), Manga und Bedde (750,000), Haussa und Fulbe (500,000), Mandara, Gamergu, Marghi (250,000), Araber, Tuareg u. a. (250,000), Bebbe, Ngizzem, Kerrikerri, Babir (250,000). Die Kanuri sind stark gebaut und hoch gewachsen, aber von unschöner Physiognomie, mit hoch aufsteigender Stirn, breitem Gesicht, dicker, flacher Nase und einem großen, mit blendend weißen Zähnen besetzten Mund. Von diesen unterscheiden sich die südlichen Anwohner des Tsadsees durch ihre körperliche Bildung so sehr, daß die Weiber der Landschaft Logone zu den schönsten ihres Geschlechts in Nordafrika gerechnet werden. Dem Charakter nach gelten die Kanuri für gutmütig, furchtsam und indolent. Gleich andern Negern pflegen sie ihre Wangen, Stirn, Arme und Schenkel zu färben. Sie wohnen in vielen kleinen Ortschaften zerstreut und treiben fast ausschließlich Ackerbau, während andre Stämme Kamele, Rinder und vorzügliche Pferde züchten. Ihre Sprache (Grammatik von Kölle, Lond. 1854; sprachvergleichende Skizze von Fr. Müller im "Grundriß der Sprachwissenschaft", Wien 1877) ist nach Fr. Müller eine völlig selbständige Sprache, nur mit dem benachbarten Tibbu verwandt. B. hat eine bewaffnete Macht von 30,000 Köpfen, meist Kavallerie, welch letztere zum Teil mit Kettenpanzern ausgerüstet, aber auch verweichlicht ist. Die Hauptausfuhr des Landes bilden Sklaven; eingeführt werden Kattun, Burnusse, Zucker und Salz. Landübliches Zahlmittel sind die Kauris, von denen etwa 4000 einem Mariatheresienthaler gleich gelten; bei größern Summen bedient man sich der Toben (blauer Hemden). Der Marktverkehr ist durch vollständige Han-^[folgende Seite]