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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Borries; Borromeische Inseln; Borromeischer Bund; Borromeo; Borromeus-Vereine; Borromini

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Borries - Borromini.

Borries, Friedrich Wilhelm Otto, Graf von, hannov. Minister, geb. 30. Juli 1802 zu Dorum im Land Wursten, studierte 1820-23 in Göttingen die Rechte, ward Gerichtshalter in Delm, dann Mitglied des Hofgerichts in Stade und 1848 Regierungsrat bei der Landdrostei Stade. In den Bewegungen dieses Jahrs stand er anfangs auf der Seite der Liberalen, schloß sich aber dann den Bestrebungen der Adelspartei zur Wiedererlangung ihrer Prärogativen an und entwickelte dabei eine so hervorragende Thätigkeit, daß er im November 1851 im Ministerium Schele das Departement des Innern erhielt. Indes harmonierte er nicht mit der immer noch gemäßigten Richtung Scheles und trat daher im April 1852 wieder zurück, um erst im Juli 1855 im Kabinett Kielmannsegge das Ministerium des Innern wieder zu übernehmen. Er schlug jetzt eine rücksichtslose Reaktionspolitik ein: die Adelskammer wurde wiederhergestellt, die Beamten, welche sich nicht unbedingt fügten, erfuhren die willkürlichsten Maßregelungen, und B. scheute kein Mittel, um die Wahlen nach dem Sinn der Regierung zu lenken, so daß es gelang, eine gefügige Majorität zu erhalten, welche alle Oktroyierungen und auch die berüchtigte Domanialausscheidung zu gunsten der königlichen Kasse genehmigte. Da B. aber immer deutlicher, anstatt das Übergewicht des Adels zu erhalten, auf eine büreaukratisch geschlossene Regierung hinarbeitete und alle Gewalt in der Hand des Königs, resp. des Ministers zusammenzufassen suchte, so begann die feudale Partei sich von ihm abzuwenden, während gleichzeitig B.' Kampf gegen die liberale Opposition durch die nationale Bewegung von 1859 verschärft wurde. In seinem Eifer gegen die deutschen Einheitsbestrebungen verstieg sich B. zu der öffentlichen Erklärung (in der Sitzung der Zweiten Kammer vom 1. Mai 1860): der Widerstand gegen die Bestrebungen des Nationalvereins müsse zu Bündnissen der deutschen Fürsten untereinander führen, ja könne selbst zu "Bündnissen mit außerdeutschen Staaten" drängen, welche sehr zufrieden sein würden, sich in Deutschlands Angelegenheiten einzumischen. Diese Erklärung rief in ganz Deutschland einen Sturm des Unwillens hervor; König Georg aber erhob wenige Wochen darauf seinen Minister in den erblichen Grafenstand. Indessen fiel B. aus Anlaß des Katechismusstreits, den die orthodoxe Partei ohne sein Wissen angestiftet hatte, und von dem er nichts wissen wollte, beim König in Ungnade und erhielt im August 1862 seine Entlassung. Doch wurde er 1863 in die Erste Kammer gewählt und 1865 zum Präsidenten des Staatsrats ernannt. Nach der Annexion Hannovers wurde B. 1867 als Vertreter des hannöverschen Adels in das preußische Herrenhaus berufen. In diesem und im hannöverschen Provinziallandtag war er bemüht, soviel wie möglich für die Erhaltung der Sonderrechte und Eigentümlichkeiten Hannovers zu wirken, ohne jedoch der preußischen Regierung eine schroffe Opposition zu machen. Er starb 14. Mai 1883 in Celle.

Borromeische Inseln, eine nach der Familie Borromeo benannte und zum Besitztum derselben (seit dem 13. Jahrh.) gehörende Inselgruppe im Lago Maggiore, welche die westliche, durch den Toce in Ausfüllung begriffene Seitenbucht zwischen Pallanza und Chignolo schließt. Ihre nackten Felsen, zunächst Isola Madre und Isola Bella, wurden 1671 von Renato und Vitaliano Borromeo terrassiert, mit vom Festland herbeigeschaffter Erde bedeckt und mit in Italien einheimischen und exotischen Pflanzen besetzt. Auch die andern Felseninseln, San Giovanni und die Isola de' Pescatori (Wohnsitz von etwa 200 Fischern), verwandelten sich bald in grünende Eilande. Die beiden Hauptinseln sind die Isola Madre und die ½ Stunde südlicher liegende Isola Bella, wo die Dampfschiffe regelmäßig anlegen. Der Terrassengarten von Isola Bella enthält den üppigsten Blumenflor und immergrüne Bäume und Sträucher in der reichsten Mannigfaltigkeit, den verschiedensten Ländern und Klimaten entnommen. Das Ganze ist im französischen Rokokostil gehalten. Die oberste der zehn pyramidenförmig ansteigenden Terrassen, 12 m breit, gewährt eine herrliche Aussicht; an der dem Simplon zugewandten Seite steht ein weitläufiger Palast mit Kapelle und Nebengebäuden im Stil des 17. Jahrh., im Innern eine wertvolle Gemäldesammlung und andre Kunstwerke enthaltend. Die an üppiger Naturfülle die eben genannte Insel noch übertreffende Isola Madre enthält einen Lorbeerhain, einen englischen Park und trägt auf der obersten Terrasse einen (jetzt verödeten) Palast, zu dem eine Felsentreppe führt, und fünf gesonderte Gärten.

Borromeischer Bund, s. Borromeo.

Borromeo, Carlo, Graf, der Heilige, geb. 2. Okt. 1538 auf dem Schloß Arona am Lago Maggiore, Sohn des Grafen Gilberto B. und der Mediceerin Margarete, der Schwester Papst Pius' IV., studierte zu Pavia die Rechtswissenschaft und ward 1560 in rascher Folge apostolischer Protonotar, Referendar, Kardinal und Erzbischof von Mailand. Er forderte die glückliche Beendigung des Tridentiner Konzils. Mit hingebendster Liebe widmete er sich der Verwaltung seiner Diözese, die er aus großer Verwilderung zu einer Musterkirche, zu einem "neuen Jerusalem" umschuf. Vornehmlich sorgte er für Bildung der Jugend, des Klerus und strenge Kirchenzucht. Sein Leben ist reich an Zügen der Liebe, des Muts und des Gottvertrauens, die besonders in seiner aufopfernden Thätigkeit während der Pest 1576 hervorleuchteten. Anderseits warf man ihm vor, daß er seine Amtsbefugnisse überschreite und den Ordensfreiheiten entgegentrete. Besonders den Jesuiten konnte er nichts recht machen, und ein Fanatiker aus dem Orden der Humiliaten schoß auf ihn, während er in der Kirche betete (1569). Einflußreich waren seine von andern fortgesetzten Bestrebungen, in der Schweiz den Katholizismus nicht bloß zu befestigen, sondern auch wieder auszubreiten. Er stiftete das Collegium Helveticum zur Bildung angehender Geistlichen und den Goldenen Borromeischen Bund, eine Verbindung der sieben katholischen Kantone zur Verteidigung ihres Glaubens. Er starb 3. Nov. 1584 in Mailand und ward 1610 von Papst Paul V. heilig gesprochen. Sein Tag: 4. November. Seine Verwandten und die Bewohner der Umgegend ließen ihm auf einem Hügel am Lago Maggiore unweit Arona eine kolossale Statue von Bronze errichten. Sein Leben beschrieben Sailer (Augsb. 1824), Dieringer (Köln 1846), Sala (Mail. 1857-59, 4 Bde., ital.) und Abbé Sylvain (das. 1884, 3 Bde.).

Borromeus-Vereine (Barmherzige Schwestern des heil. Borromeus), ein Zweig der Barmherzigen Schwestern (s. d.), gestiftet 1652 von Epiphan Louys, Abt von Estival, für Unterricht und Hospitaldienst. Unter demselben Namen ist 1844 in Koblenz ein Verein zur Verbreitung katholischer Bücher und Zeitschriften, resp. zur Anlegung von Volksbibliotheken gegründet worden.

Borromini, Francesco, ital. Architekt, geb. 1599 zu Bissone, Schüler Carlo Madernas, nach dessen Tod er anfangs unter Berninis Leitung Baumeister