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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Borrow; Borrowdale; Borrowstounneß; Borsa; Borsäure

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Borrow - Borsäure.

an der Peterskirche ward. Er endete in einem Anfall von Hypochondrie aus Neid über den Ruhm Berninis 1667 durch Selbstmord. Phantasievoll von Natur, gelangte er bald zu jenen bizarren Konstruktionen, überhäuften Verzierungen und jener gesuchten Vermeidung aller geraden Linien, die ein charakteristisches Kennzeichen seiner Bauwerke sind. Er verstand sich auch aus Bildhauerei und Malerei und war mit Pozzo der Begründer des Jesuitenstils (s. d.).

Borrow, George, engl. Schriftsteller, geboren im Februar 1803 zu East Dereham in der Grafschaft Norfolk, Sohn eines Offiziers, führte in der Jugend, seinem Vater folgend, ein abenteuerndes Wanderleben ohne allen Unterricht und lebte sogar eine Zeitlang unter Zigeunern, wodurch er sich Kenntnis der Sprache, Sitten und Gebräuche dieses Volkes erwarb. Später trieb er zu Edinburg theologische Studien und durchreiste als Agent der englischen Bibelgesellschaft (seit 1835) fast alle Länder Europas sowie einen Teil von Afrika, wodurch er mit den meisten neuern Sprachen und Dialekten vertraut ward. Er gab unter dem Titel: "Targum" Übersetzungen aus 30 Sprachen und Mundarten heraus und übersetzte das Evangelium des Lukas ins Baskische. Seiner jugendlichen Vorliebe treu, machte er die Zigeuner zu einem Hauptgegenstand seines Studiums. Sein erstes Werk: "The Zincali, or an account of the gipsies of Spain" (1841, 2 Bde.; 3. Aufl. 1873), sprach durch lebhaften Stil und die Fremdartigkeit der geschilderten Gegenstände an. Es enthält ein Vokabularium der Zigeunersprache, deren Zusammenhang mit dem Sanskrit er nachwies. Später folgte "The Bible in Spain" (1843, 2 Bde.; neue Ausg. 1873; deutsch: "Fünf Jahre in Spanien", Bresl. 1844, 3 Bde.), welchem Buch B. hauptsächlich seine Berühmtheit verdankt. Es besteht aus einer Reihe von mannigfaltigen persönlichen Erlebnissen, mit Charakterskizzen und romantischen Schilderungen untermischt, die durch Kraft und Lebendigkeit der Zeichnung für die etwas planlose Anordnung des Ganzen entschädigen. Nach langem Schweigen gab B. ein längst von ihm angekündigtes Werk: "Lavengro, the scholar, the gipsy and the priest" (1851, 3 Bde.; 3. Aufl. 1873), heraus, welches angeblich seine Autobiographie enthält, aber Dichtung mit Wahrheit vermischt. Als Fortsetzung desselben erschien "Romany Rye" (1857, 3. Aufl. 1873) und später als Frucht seiner Wanderungen durch die wallisischen Gebirge "Wild Wales, its people, language and scenery" (1862, 3 Bde.; neue Ausg. 1873). Seine letzte Publikation ist ein Wörterbuch der Zigeunersprache: "Romano Lavo-Lil" (1874). Er starb 29. Juli 1881 in Qulton bei Lowestoft.

Borrowdale (spr. bórrodebl), eins der malerischten Thaler der engl. Grafschaft Cumberland. Es mündet in den See Derwent Water. Die meisten berühmten Graphitgruben sind jetzt erschöpft.

Borrowstounneß (spr. borrostohneß, vulgär bohneß), Hafenstadt in Linlithgowshire (Schottland), am Firth of Forth, hat (1881) 5284 Einw., Schiffbau und Töpfereien. Zum Hafen gehören 15 Schiffe von 2045 Ton.

Borsa, Dorf im ungar. Komitat Marmaros, an der Borsa, einem Nebenfluß des Visó, mit (1881) 5528 Einw., Kupfer-, Blei- und Silberbergwerken, Mineralquellen ("Alexandersquelle" mit starkem Gehalt an kohlensaurem Eisenoxydul). Der nahe Paß, das Tatarenthal, wo 1217 die eindringenden Tataren geschlagen wurden, führt in die Bukowina.

Borsäure (Sedativsalz, Boraxsäure) H3BO3 ^[H_{3}BO_{3}] findet sich in der Natur als Sassolin, hauptsächlich aber in Dämpfen (Soffioni), welche in Italien und Kalifornien dem Boden entströmen, außerdem, an Basen gebunden, in vielen Mineralien (s. Bor), von denen Boracit (borsaure Magnesia mit Chlormagnesium) 62,5, Boronatrocalcit (borsaurer Kalk mit borsaurem Natron) 30-44, Tinkal (borsaures Natron) 36,5 Proz. B. enthalten. Zwischen Volterra und Massa marittima in Toscana liegt ein Landstrich von etwa 20 qkm, in welchem an vielen Punkten Wasserdämpfe aus Spalten und Klüften des Bodens hervorströmen und, wo sie aus Vertiefungen hervortreten, in denen Wasser angesammelt ist, dasselbe mit Schlamm vermischt hoch emporschleudern. Solche von Dämpfen durchströmte natürliche oder künstliche Wasseransammlungen heißen Lagonen. Man findet die Soffionen in großer Anzahl sowohl an Bergabhängen, wo sie aus Spalten fester Kalksteinbänke hervordringen, als auch in Thalgründen, in denen sie sich durch einen blaugrauen Thon oder Mergel Wege gebahnt haben. Sie verändern ihren Ort, indem sie neue Ausgänge finden, während sich die alten verstopfen. Große Flächenräume werden dadurch verwüstet; auch entstehen häufig Einsenkungen des Bodens, indem hohle, durch Einwirkung der Dämpfe gebildete Räume von zusammenbrechendem Gebirge verschüttet werden. Die Soffionen bestehen aus Wasserdämpfen, viel Kohlensäure und Stickstoff, wenig Sauerstoff und Schwefelwasserstoff, und wenn man sie verdichtet, gewinnt man eine Flüssigkeit, welche 0, 1 Proz. B. nebst Schwefelverbindungen, erheblichen Mengen von Ammoniak und Kohlensäure und mechanisch von den Dämpfen fortgerissene Gesteinsteilchen enthält. Die Soffionen zerfressen das Erdreich und setzen in heißen Spalten Schwefelkristalle, kristallisierte B. (Sassolin), borsauren Kalk (Hydroborocalcit oder Hayesin), borsaures Ammoniak (Larderellit) und borsaures Eisenoxyd (Lagonit) ab. Im Thal bei Monterotondo liegt ein kleiner See von 500 m Durchmesser, aus dessen Grund mehrere Quellen und starke Soffionen hervordringen, und dessen Wasser 0,2 B. enthält. Ein ähnliches Vorkommen der B. findet sich auch in Kalifornien und Nevada; auch feste B. findet sich daselbst häufig, besonders in Klüften. Freie B., deren Verflüchtigung durch Wasserdämpfe vermittelt wird, dringt aus einigen Vulkanen hervor und setzt sich am umgebenden Gestein ab; erhebliche Mengen finden sich davon im Krater der Insel Vulcano in Begleitung von Salmiak und Schwefel; auch im Auswurf der kalten Salse von Sassuolo in Modena ist B. nachgewiesen worden, und viele Mineralwässer, wie die von Aix in Savoyen, Wiesbaden, Aachen, Vichy, Bagnères de Luchon u. a., die Mutterlauge der Saline Bex und das Meerwasser an der Küste Kaliforniens zeigen einen geringen Gehalt an B. Man leitet die Bildung der freien B. aus der Zersetzung eines Lagers von Stickstoffbor (welches aber bis jetzt nirgends in der Natur aufgefunden werden konnte) durch Wasserdämpfe, natürlicher aber wohl aus der Einwirkung von Wasserdämpfen auf borsaure Salze ab. Letztere finden sich häufig im Steinsalzgebirge, welches in der Nähe der Soffionen sehr ausgedehnt und mächtig auftritt. Der vulkanische Boden berechtigt zu der Annahme, daß dort in nicht bedeutender Tiefe hohe Temperatur herrsche, und wenn nun das Meerwasser zu dem heißen Gestein vordringt, so wird es in Dampf verwandelt, welcher nach direkten Ermittelungen die Borsäuresalze zersetzt. Das Ammoniak kann leicht aus organischen Substanzen des Meerwassers, der Schwefelwasserstoff aus Schwefelsäuresalzen oder durch Einwirkung von Dämpfen aus Schwefeleisen entstehen.