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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Botenjäger; Botenlauben; Botenstab; Botero; Both; Bothkamp; Bothnia; Bothriocephalus; Bothwell

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Botenjäger - Bothwell.

zwei bestimmten Orten die gegenseitigen Aufträge bestellend (ordinärer B.). Das Botenwesen war im Mittelalter von ganz besonderer Bedeutung. Denn vielfach traten die Städte und besonders die Handelsstädte und deren Magistrate in nähere Verbindung miteinander und bedienten sich, solange noch keine regelmäßigen Posten vorhanden waren, der Boten. Diese, als reitende Boten auch Rittmeister genannt, mußten bei dem damaligen schlechten Zustand und der Unsicherheit der Straßen tüchtige und zuverlässige Männer sein, um für die richtige Besorgung von Geldsendungen und wertvollen Nachrichten einstehen zu können. Dieser notwendigen Garantie wegen machte sich nach und nach die Errichtung eines städtischen Botenwesens zum Bedürfnis. Ein solches Botenamt, eine reiche Erwerbsquelle der Magistrate, stand unter einem Botenmeister, wurde regelmäßig geleitet, wirkte aber nicht beschränkend auf das Botengehen als freies Gewerbe ein. Erst die Post als Reichsanstalt nahm das ausschließliche Recht des Botenwesens für sich in Anspruch und veranlaßte dadurch eine lange Reihe von Rechtskämpfen mit den Landesherrn, Städten und besonders mit den Reichsstädten, die sich dem Reichspostregal nicht unterwerfen wollten; am hartnäckigsten führte Nürnberg den Streit. Beide Institute, die Reichspost und das landesherrliche und reichsstädtische Botenwesen, blieben nebeneinander in Thätigkeit, nur daß die kaiserlichen Wahlkapitulationen letzteres hart beschränkten und das sogen. Nebenpostieren verboten. Erst allmählich wich das Botenwesen als freies Gewerbe der Reichspost, und in manchen Ländern war das heimliche Briefsammeln und Umtragen bei Karrenstrafe untersagt. Nach dem für Deutschland zur Zeit maßgebenden deutschen Reichsgesetz vom 28. Okt. 1871 über das Postwesen des Deutschen Reichs besteht ein derartiger Postzwang nur in Bezug auf versiegelte, zugenähte oder sonst verschlossene Briefe und alle politischen Zeitungen, die mehr als einmal wöchentlich erscheinen; doch ist auch hier die Beförderung gegen Bezahlung durch expresse Boten gestattet.

Botenjäger hießen früher in der österreichischen Armee die den höhern Stäben zum Ordonnanzdienst beigegebenen ausgesuchten Reiter, deren Dienst jetzt von den Feldgendarmen versehen wird.

Botenlauben, Burgruine bei Kissingen, an der Fränkischen Saale, einst Sitz des Grafen Otto II. von Henneberg, der sich als Minnesänger Otto von B. (s. d.) nannte (gest. 1244).

Botenstab (engl. message stick), Holzstab, welcher den Bewohnern des Australkontinents zur Vermittelung von Nachrichten dient. Die auf demselben eingeschnittenen Zeichen bilden eine nicht allen Mitgliedern der betreffenden Stämme bekannte Geheimschrift.

Botero, Giuseppe, ital. Schriftsteller, geb. 1815 zu Novara, machte seine Studien in Turin, beteiligte sich 1848 am Feldzug gegen Österreich, erhielt 1849 die Professur der italienischen Litteratur am Collegio zu Cortemilia, war dann nacheinander Direktor der Lyceen von Lecce, Faenza und Pistoja und wirkt gegenwärtig in gleicher Eigenschaft zu Campobasso. Er hat eine große Anzahl von Romanen veröffentlicht, wie: "Ricciarda" (Cagliari 1854), "Raffaele" (das. 1858), "Il Galeotto" (Turin 1859), "Didimo Frate" (das. 1861), "Eloisa Basili" (Piacenza 1869) u. a., außerdem vorzügliche Parabeln, von denen wir anführen: "La mia donna" (Faenza 1869), "Speranza" (das. 1870), "Viver bene e far il bene" (das. 1872), "Amore e natura" (das. 1873) etc., sowie Gespräche ("Lo studente"), litterarische Monographien u. a.

Both, 1) Andreas und Jan, Gebrüder, holländ. Maler, geb. 1609 und 1610 zu Utrecht, genossen den Unterricht A. Bloemaerts, begaben sich aber frühzeitig nach Rom, wo Jan sich nach Claude Lorrains Landschaften und Andreas nach den Figuren und Tieren des Pieter de Laer bildete. Andreas ertrank in einem Kanal zu Venedig, wo die Brüder vor 1644 sich einige Zeit aufgehalten hatten. Jan begab sich nach Utrecht zurück, wo sich sein Ruf ausbreitete und er eine Anzahl talentvoller Nachahmer fand. Er starb daselbst nach Sandrart 1651; auf dem Stiche jedoch, welcher de Bies "Gulden kabinet" (1661-62) beigegeben ist, wird er noch als lebend bezeichnet. Beide Brüder arbeiteten gemeinschaftlich; Jan malte die Landschaft, Andreas die Figuren darin. Die Motive sind Italien entnommen und wenn auch ohne die Zartheit der Claudeschen Abtönung, doch naturwahrer durchgebildet. Der Ton ist meist sonnig golden und klar, jedoch manchmal fuchsig geworden. Die Komposition ist großartig und reich, die Behandlung fein, jedoch bisweilen, namentlich im Laubwerk, etwas zu mager. Sehr schön sind auch Jans Radierungen, 15 an der Zahl, die meist italienische Gegenden, dann auch einige Figuren nach Andreas vorstellen. Von Andreas kennt man nur 10 Blätter von geringerm Kunstwert.

2) L. W., Pseudonym für den frühern Komiker, Schriftsteller L. Schneider (s. d.).

Bothkamp, großes Gut im preuß. Regierungsbezirk Schleswig, Kreis Kiel, am Bothkamper See, durch welchen die Eider fließt, mit Schloß, Sternwarte des Herrn v. Bülow und 70 Einw.

Bothnia, mittelalterlich-lat. Name für die Küstenländer des Bottnischen Meerbusens, s. Botten.

Bothriocephalus, s. Bandwurm. ^[richtig: Bandwürmer.]

Bothwell, Dorf in Lanarkshire (Schottland), am Clyde, 3 km nordwestlich von Hamilton, mit (1881) 1520 Einw. und den großartigen Ruinen des Schlosses B., wohin der Graf von B. Maria Stuart entführte; zwei starke Rundtürme und Mauerwerk stehen noch. Aus der altertümlichen Brücke (Bothwell Bridge) wurden 22. Juni 1679 die schottischen puritanischen Insurgenten (Covenanters) von den Königlichen unter dem Herzog von Monmouth besiegt.

Bothwell, James Hepburn, Graf von, geb. 1536 oder 1537, wurde, obgleich Protestant, infolge eines Konflikts mit dem Grafen Murray, der ihn 1562 verhaften ließ, einer der heftigsten Gegner der englischen Partei in Schottland. Freigelassen, ging er nach Frankreich, kehrte aber nach dem Zerwürfnis der Königin Maria Stuart mit Murray nach Schottland zurück und entflammte durch sein stattliches Äußere und die Kühnheit seines Auftretens die Leidenschaft der Königin für sich. Nachdem 9. Febr. 1567 Darnley, Marias Gemahl, auf sein Anstiften ermordet war, entführte B. die Königin und heiratete sie, nachdem er von der Anklage des Mordes freigesprochen und von seiner Frau geschieden war, 12. Mai 1567; gleichzeitig wurde er zum Herzog von Orkney erhoben. Die hierdurch veranlaßte Empörung des schottischen Adels trieb B. nach Dunbar, von dort nach den Orkneyinseln. Auch hierhin verfolgt, setzte er sich in den Besitz einiger hanseatischer Schiffe, wurde aber durch einen Sturm an die norwegische Küste verschlagen, im Herbst 1567 nach Kopenhagen gebracht und zunächst in Malmö in leichter, dann seit 1573 in Dragsholm in harter Gefangenschaft gehalten, der schottischen Regierung aber trotz wiederholter Anträge nicht ausgeliefert. Er starb 1578, nach einigen Nachrichten im Wahnsinn. Vgl. Petrick, Zur