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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bourrade; Bourrée; Bourrette; Bourrienne; Boursault; Bourse; Bourtanger Moor; Boussac; Boussingault

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Bourrade - Boussingault.

kompositionen (im ganzen 45) haben besonders die Schilderungen aus dem Volksleben, wie z. B. "Das Fest in Albano", "Die Brautfahrt in Hardanger", "Die Kirchweih in Brügge" etc., großen Beifall gefunden. Sehr anziehend und zugleich für die Tanzkunst ein unerschöpflicher Schatz der Belehrung ist sein Werk "Mein Theaterleben" (Kopenh. 1848-79, 4 Bde.). Zu seinen Schülerinnen gehören unter andern Lucile Grahn und Augusta Nielsen.

Bourrade (franz., spr. buräd'), Puff, Rippenstoß; figürlich s. v. w. Seitenhieb (mit Worten).

Bourrée (spr. bu-), altfranz. Tanz von fröhlicher Bewegung im 4/4-Takt mit Auftakt von einem Viertel und häufiger Synkopierung des zweiten und dritten Viertels; stammt nach Rousseau aus der Auvergne und findet sich nicht selten in Suiten (Bach).

Bourrette (franz., spr. bu-), rohe Seide.

Bourrienne (spr. burienn), Louis Antoine Fauvelet de, Sekretär Napoleons I., geb. 9. Juli 1769 zu Sens, war auf der Kriegsschule zu Brienne Freund und Studiengenosse Bonapartes, studierte seit 1788 in Leipzig, bereiste Polen und wurde 1792 französischer Gesandschaftssekretär in Stuttgart. 1793 nach Frankreich zurückgekehrt, lebte er zurückgezogen, bis ihn Napoleon 1797 zu seinem geheimen Sekretär ernannte. Er begleitete denselben auf seinen Feldzügen, wurde aber 1802 plötzlich entlassen, angeblich wegen finanzieller Operationen. Auf Fouchés Verwendung 1804 als außerordentlicher Geschäftsträger beim niedersächsischen Kreis nach Hamburg geschickt, machte er sich durch milde Handhabung seiner strengen Instruktionen beliebt. Schon 1810 sah er die Wiedereinsetzung der bourbonischen Dynastie voraus, nahm daher schon damals im geheimen und, als Napoleon sich ungnädig gegen ihn zeigte, auch offen Partei für die Bourbonen, wurde aber erst nach Napoleons Rückkehr von Elba von ihnen beachtet und zum Polizeipräfekten in Paris ernannt, von wo er Ludwig XVIII. in die Niederlande begleitete. Nach der zweiten Restauration ward er Staatsminister mit Sitz im Staatsrat, mußte jedoch aus letzterm bald wieder ausscheiden. Als Mitglied der Kammer war er entschiedener Widersacher aller liberalen Staatseinrichtungen, ja selbst der Anstalten für Pflege der Wissenschaften und der Volksbildung. Die Julitage 1830, ein Verlust von ½ Million im Börsenspiel (1831) und eine ihm zuerkannte Gefängnisstrafe überlieferten ihn dem Wahnsinn; er starb 7. Febr. 1834 im Hospital zu Caen. Seine "Mémoires sur Napoléon, le Directoire, le Consulat, l'Empire et la Restauration" (Par. 1829, 10 Bde.; deutsch, Leipz. 1829-30, 10 Bde.) wurden von Zeitgenossen als wenig glaubwürdig bezeichnet. Auch schrieb er das Drama "L'inconnu". Mit Unrecht aber hat man ihm die "Histoire de Bonaparte par un homme qui ne l'a pas quitté depuis quinze ans" (Par. 1823) und das "Manuscrit de Ste.-Hélène" zugeschrieben. Vgl. Boulay de la Meurthe, B. et ses erreurs volontaires et involontaires (Par. 1830, 2 Bde.; deutsch, Leipz. 1830).

Boursault (spr. bnrssoh), Edme, franz. Dichter, geboren im Oktober 1638 zu Mussy-l'Evêque (Depart. Aube), kam 1651 nach Paris, ohne eine andre Sprache zu sprechen als sein burgundisches Patois, erwarb sich aber bald eine solche Herrschaft über die französische Sprache, daß seine schriftstellerischen Arbeiten, besonders "La véritable étude des souverains" (Par. 1671) und eine gereimte Zeitung, ihm Ludwigs XIV. Gunst, eine Pension und eine Stelle am Hof gewannen. Wegen satirischer Ausfälle jedoch wurden Zeitung und Pension unterdrückt. Nach einem vergeblichen Versuch, die Zeitung wieder aufzunehmen, wurde er Steuereinnehmer in Montlucon. Er starb 15. Sept. 1701 in Paris. Mit Molière und Boileau lebte B. anfangs in Feindschaft. Gegen Molières "Critique de l'École des femmes" schrieb er die Komödie "Le portrait du peintre", worauf Molière mit dem "Impromptu de Versailles" antwortete. Gegen Boileaus Satiren veröffentlichte er die Komödie "La satire des satires", deren Aufführung Boileau verhinderte. Mit diesem versöhnte er sich jedoch bald, und auch dem toten Molière hat er einen ehrenden Nachruf gewidmet. Corneille schätzte ihn aus Feindschaft gegen Racine über Verdienst und stellte seine mäßigen Tragödien: "Marie Stuart" und "Germanicus", welch letztere großen Beifall fand, den Meisterwerken jenes gleich. Seinen größten Erfolg hatte B. mit den drei Komödien: "Le Mercure galant" (1683), welche 80 Vorstellungen nacheinander erlebte, "Ésope à la ville" und "Ésope à la cour" (1701), sogen. Schubladenstücken (pièces à tiroir) ohne Intrige und Handlung, die sich aber durch leichte Verse, Lustigkeit und gute Charakterschilderung auszeichnen. Im ganzen enthält sein "Théâtre" (1725, 3 Bde., u. öfter) 16 Stücke. Von seinen übrigen Schriften verdienen seine historischen Romane das meiste Lob: "Artémise et Poliante" (1670, 2 Bde.); "Le marquis de Chavigny" (1670); "Le prince de Condé" (1675, 2 Bde.); "Ne pas croire ce qu'on voit, histoire espagnole" (1739); "Lettres nouvelles accompagnées de fables" (1709, 3 Bde.) etc. Seine "Lettres de respect, d'obligation et d'amour" (Par. 1666 u. öfter) sind besonders interessant wegen der Briefe der geistvollen Babet, der Geliebten Boursaults, die von ihren Eltern dieser Liebe wegen in ein Kloster gebracht wurde, wo sie vor Gram starb. Vgl. Saint-René Taillandier, B., sa vie et ses oeuvres (in "Études littéraires", Par. 1881).

Bourse (franz., spr. burs), Börse, Geldbeutel; Boursier (spr. bursjeh), Schatzmeister, Börsenspekulant.

Bourtanger Moor (Bourtanger Heide), ehemals ein nicht zu überschreitender Morast zwischen der niederländischen Provinz Groningen und den östlich angrenzenden Teilen von Ostfriesland (Hannover), jetzt durch Entwässerung größtenteils in Weideland verwandelt; darin auf einer sandigen Höhe Bourtange, ein Dorf mit Fort.

Boussac (spr. bussak), Arrondissementshauptort im franz. Departement Creuse, an der Kleinen Creuse, auf einem fast unzugänglichen Hügel gelegen, mit altem Schloß, Mauern und Türmen und (1881) 1137 Einw.; von allen Bezirkshauptorten Frankreichs der kleinste.

Boussingault (spr. büssänggoh), Jean Baptiste Joseph Dieudonné, Chemiker und Agronom, geb. 2. Febr. 1802 zu Paris, besuchte die Bergbauschule zu St.-Etienne und ging im Auftrag einer englischen Bergbaugesellschaft nach Kolumbien, wo er sich mit Beobachtungen über Geologie, Erdmagnetismus und Temperaturverhältnisse nebst Höhenmessungen und botanischen Forschungen beschäftigte, selbst dann noch, als er während des südamerikanischen Befreiungskriegs den General Bolivar als Oberst auf dessen Feldzügen begleitete. Als Soldat und Gelehrter bereiste er Venezuela bis zum Orinoko, auch Ecuador und Peru. Nach Frankreich zurückgekehrt, übernahm er die Professur der Chemie zu Lyon und wurde 1839 in das Institut berufen. Das Resultat seiner Untersuchungen im Gebiet der Chemie, Physik und Meteorologie in Bezug auf Agrikultur, Pflanzenphysiologie und ökonomische Gewerbe hat B. in der "Économie