Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Boussingaultia - Boutwell.

rurale" (Par. 1844, 2 Bde.; 2. Aufl. 1851) und "Agronomie, chimie agric. et physiol." (das. 1860-84, 7 Bde.; 3. Aufl. 1887; deutsch von Gräger, 2. Aufl., Halle 1851-56, Bd. 1-4) niedergelegt. Einige Jahre vorher hatte er mit Dumas den ergebnisreichen "Essai de statistique chimique des êtres organisés" (Par. 1841, 3. Aufl. 1844) veröffentlicht. Später lebte B. auf seinem Landgut Bechelbronn unweit Weißenburg am Rhein, um die Resultate der theoretischen Wissenschaft durch Beobachtungen in der Praxis zu prüfen und zu begründen. Er schrieb noch: "Mémoires de chimie agricole et de physiologie" (Par. 1854); "La fosse à fumier" (das. 1858); "Études sur la transformation du fer en acier par la cémentation" (das. 1875).

Boussingaultia (spr. büssänggohtia) H. B., Gattung aus der Familie der Chenopodiaceen, Kräuter mit bisweilen knollig ausgebildeter Wurzel, windenden Stengeln und kleinen, unscheinbaren Blüten, etwa zehn Arten im tropischen Amerika. Von B. baselloides H. B. in Quito wurden die Knollen als Nahrungsmittel empfohlen, fanden aber ihres großen Schleim- und geringen Stärkemehlgehalts wegen keinen Beifall. Die ovalen, fleischigen Blätter geben ein spinatähnlich schmeckendes Gemüse. Auch eignet sich diese hübsche Schlingpflanze zu Bekleidung von Fenstern u. dgl. Die Knollen müssen in trocknem Sand frostfrei überwintert werden.

Boussole, s. Bussole.

Boussu (auch B. lez Mons, spr. bnssü läh mong), Marktflecken in der belg. Provinz Hennegau, Arrondissement Mons, an der Bahn Brüssel-Valenciennes, mit merkwürdigem Schloß des Grafen Caraman de Beaumont, Eisenhütten, Drahtziehereien, Zucker- und Glasfabriken und (1884) 8928 Einw. In der Nähe Steinkohlen- und Kalkgruben. Am 4. Nov. 1792 fand hier ein Gefecht zwischen Österreichern und Franzosen statt.

Boutade (franz., spr. bu-), wunderlicher Einfall, Grille; auch Bezeichnung für improvisierte kleine Ballette und musikalische Phantasien.

Boutaric (spr. butarik), Edgar Paul, franz. Geschichtschreiber, geb. 9. Sept. 1829 zu Châteaudun, besuchte die École des chartes, ward in der Archivverwaltung angestellt, 1876 Mitglied der Akademie der Inschriften und schönen Litteratur und starb 17. Dez. 1877 in Paris. Er veröffentlichte: "La France sous Philippe le Bel" (Par. 1861), "Saint-Louis et Alphonse de Poitiers" (1870), welche beiden Werke von der Akademie mit Preisen gekrönt wurden; "Les institutions militaires de la France avant les armées permanentes" (1863); "Les actes du parlement de Paris 1254-1328" (mit Delisle, 1863-67, 2 Bde.); "Correspondance secrète de Louis XV sur la politique étrangère" (1866) und die "Mémoires de Frédéric II" (mit Campardon, 1866, 2 Bde.).

Bouteillenstein, s. Obsidian.

Bouterolle, s. Schlachten.

Bouterwek, Friedrich, Ästhetiker und Philosoph, geb. 15. April 1765 zu Oker bei Goslar, studierte erst Jura, wandte sich dann der Philosophie und Litteraturgeschichte zu, ward 1797 außerordentlicher, 1802 ordentlicher Professor der Philosophie zu Göttingen, 1806 Hofrat und starb 9. Aug. 1828 daselbst. Anfänglich Kantianer, machte er in seinem Hauptwerk: "Ideen zu einer allgemeinen Apodiktik" (Halle 1799, 2 Bde.), den Versuch, den Kritizismus durch Hereinnehmen realistischer Elemente zu vervollkommnen. Später schloß er sich in philosophischer Hinsicht mehr an Jacobi an; in seiner öfters aufgelegten "Ästhetik" (Leipz. 1806, 2 Bde.; 3. Aufl. 1824) und seiner sehr verdienstvollen "Geschichte der neuern Poesie und Beredsamkeit" (Götting. 1801-19, 12 Bde.) stellte er sich ganz aus den empirischen Standpunkt. Seine übrigen Schriften (mit Ausschluß der zahlreichen belletristischen) sind: "Immanuel Kant, ein Denkmal" (Hamb. 1804); "Ideen zur Metaphysik des Schönen" (Leipz. 1807); "Die Epochen der Vernunft" (Götting. 1802); "Lehrbuch der philosophischen Vorkenntnisse" (das. 1810, 2. Aufl. 1820); "Lehrbuch der philosophischen Wissenschaften" (das. 1815; 2. Aufl. 1820, 2 Tle.); "Kleine Schriften" (das. 1818); "Religion der Vernunft" (das. 1824). F. H. Jacobis Briefe an B. wurden herausgegeben von Mejer (Götting. 1868).

Boutique (franz., spr. butihl), s. Butike.

Bouton (franz., spr. butóng), Knopf, Knospe, Blüte; Ausschlag, Finne.

Boutonnière (franz., spr. butonnjähr), sehr schwierige chirurg. Operation, durch welche die Harnröhre des Mannes vom Damm aus eröffnet wird. Vorzugsweise geschieht dies bei Harnverhaltungen durch Verengerungen der Harnröhre.

Bouts (spr. bauts), Dierick, niederländ. Maler, früher irrtümlich Stuerbout genannt, geboren um 1410 bis 1420 zu Haarlem, bildete sich nach Roger van der Weyden in Löwen, wo er schon vor 1448 thätig war. Sein erstes bekanntes Werk, der Sakramentsaltar für die Peterskirche in Löwen von 1467 (das Abendmahl noch dort, die vier Flügel in München und Berlin), ist im Stil Rogers und Memlings gehalten. 1468 trat er als Maler in den Dienst der Stadt und malte für das Rathaus zwei das Walten der Gerechtigkeit darstellende Bilder (Museum in Brüssel). Ein Martyrium des heil. Erasmus besitzt die Peterskirche in Löwen und eine Hinrichtung des heil. Hippolyt die Kirche St.-Sauveur in Brügge. B. starb 6. Mai 1475 in Löwen.

Boutsrimés (franz., spr. burimeh), vorgeschriebene Endreime, dann das danach gefertigte Gedicht, das auch Boutrimé genannt wird.

Boutwell (spr. baut-), George Sewall, amerikan. Politiker, geb. 28. Jan. 1818 zu Brookline in Massachusetts, trieb längere Zeit in verschiedenen Gegenden der Union Handelsgeschäfte, studierte seit 1836 Rechtswissenschaft und praktizierte seit 1840 als Advokat. Von 1842 bis 1850 war er Mitglied der Gesetzgebenden Versammlung seines Geburtsstaats, wurde 1851 zum Gouverneur desselben gewählt und war bis 1862 in dem Dienste dieses Staats thätig. Dann längere Zeit mit der Aufsicht über das Volksschulwesen betraut, schrieb er ein wertvolles Buch über das Erziehungswesen ("Educational topics and institutions", 1858), war dann Mitglied der Aufsichtsbehörde der Harvard-Universität in Cambridge und zuletzt bei der Verwaltung der innern Staatseinnahmen beteiligt. 1862 in den Kongreß der Union gewählt, galt er bald als einer der hervorragendsten Führer der republikanischen Partei und wirkte zu der Anklage des Präsidenten Andrew Johnson eifrig mit. B. war stets ein Gegner der Sklaverei, aber auch ein Anhänger der Schutzzolltheorien. Als General Grant 1869 den Präsidentenstuhl bestieg, ernannte er B. zum Finanzminister. In dieser Stellung blieb B. zwar dem Protektionssystem getreu, erhielt aber den Kredit der Union aufrecht und wirkte sehr für Abzahlung der öffentlichen Schulden. Im März 1873, als Grant seine zweite Amtsperiode antrat, schied B. aus dem Kabinett und wurde darauf vom Staat Massachusetts bis März 1875 zum Senator der Ver-^[folgende Seite]