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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Brahui

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Brahms - Brahui.

Reise, bei welcher Gelegenheit Joachim auf ihn aufmerksam wurde. Mit dessen Empfehlung versehen, kam B. in demselben Jahr nach Düsseldorf zu R. Schumann und erregte durch den Vortrag seiner Kompositionen (Sonaten für Klavier) die höchste Bewunderung des Meisters, welcher derselben in einem begeisterten Artikel in der "Neuen Zeitschrift für Musik" (28. Okt. 1853) Ausdruck gab. Nachdem er sich dann kurze Zeit bei Liszt in Weimar aufgehalten, übernahm er die Stelle eines Chordirigenten und Musiklehrers beim Fürsten von Lippe zu Detmold, in welcher er mehrere Jahre verblieb. In der Folge lebte er anfangs in seiner Vaterstadt, dann seit 1862 in Wien, wo er 1863 Chormeister der Singakademie wurde. 1864 legte er auch diese Stellung nieder und lebte dann eine Reihe von Jahren abwechselnd an verschiedenen Orten (meist in Hamburg, in der Schweiz und in Baden-Baden) in eifriger produktiver Thätigkeit, zugleich auch als Pianist öffentlich auftretend, bis er 1869 seinen Aufenthalt dauernd in Wien nahm. 1872-75 war er daselbst Dirigent der Konzerte der Gesellschaft der Musikfreunde; im Juni 1874 wurde er zum Mitglied der Akademie der Künste zu Berlin ernannt. B. hat als Komponist aus allen Gebieten der Musik, mit Ausnahme des dramatischen, Ausgezeichnetes geleistet. Unter seinen Klavierwerken sind hervorzuheben: drei große Sonaten, Op. 1, 2, 5; ein Scherzo, Op. 4; Balladen, Op. 10, sowie mehrere Hefte Variationen über Themata von Schumann, Op. 9, und die vierhändigen, Op. 23, von Händel, Op. 24, über ein eignes und ein ungarisches Thema, Op. 21; "Studien" über ein Thema von Paganini, Op. 35; vierhändige Walzer, Op. 39; die "Liebeslieder", Op. 52, und "Neue Liebeslieder", Op. 65, ebenfalls Walzer zu vier Händen mit Gesangsquartett; Klavierstücke, Op. 76; zwei Rhapsodien, Op. 79; endlich die vierhändige Bearbeitung ungarischer Tänze. Für Klavier mit Begleitung schrieb er: eine Sonate für Violoncello, Op. 38, und eine Sonate für Violine mit Klavier, Op. 78; zwei Trios mit Violine und Violoncello, Op. 8 und 87, sowie ein andres mit Violine und Horn, Op. 40; drei Klavierquartette, Op. 25, 26, 60, und ein Quintett in F moll, Op. 34 (auch als Sonate für zwei Klaviere erschienen); endlich zwei Konzerte mit Orchester in D moll, Op. 15, und B dur, Op. 83. Seine übrigen Instrumentalwerke sind: zwei Sextette für zwei Violinen, zwei Violen und zwei Violoncellos, Op. 18, 36; drei Streichquartette, Op. 51 (2) und 67; ein Streichquintett, Op. 88; ferner für Orchester: zwei Serenaden in D, Op. 11, und in A, Op. 16; drei Symphonien in C moll, Op. 68, in D dur, Op. 73, in F dur, Op. 90, sowie ein Violinkonzert, Op. 77; zwei Ouvertüren (Akademische Festouvertüre, Op. 80, tragische Ouvertüre, Op. 81); Variationen über ein Thema von Haydn, Op. 56. Dazu kommt eine große Anzahl von Gesangskompositionen, wie verschiedene Sammlungen von Liedern mit Klavier: Op. 3, 6, 7, 14, 19, 32, 33 (Romanzen aus Tiecks "Magelone"); Op. 43, 46, 47, 48, 49, 57, 58, 59, 63, 69, 70, 71, 72, 85, 86, 94, 95; zwei Gesänge für Alt mit Bratsche und Klavier, Op. 91; Duette für zwei Frauenstimmen, Op. 20, für Alt und Bariton, Op. 28, für Sopran und Alt, Op. 61, 66; Balladen und Romanzen, Op. 75; Romanzen und Lieder, Op. 84; Quartette, Op. 31, 62, 64, 92, 93; drei Gesänge für sechsstimmigen Chor a capella, Op. 42; Gesänge für Frauenchor, Op. 17 und 44; der 23. Psalm für Frauenchor mit Orgel, Op. 27; Männerchöre, Op. 41; Ave Maria für Frauenchor, Op. 12; Begräbnisgesang, Op. 13; Marienlieder, Op. 22; geistliche Chöre und Motetten, Op. 29, 30, 37, 74; Schicksalslied von Hölderlin für Chor und Orchester, Op. 54; Rhapsodie von Goethe, Op. 53; Nänie von Schiller, Op. 82; "Gesang der Parzen" aus Goethes "Iphigenie", Op. 89, und die größern Chorwerke: "Ein deutsches Requiem", Op. 45; "Rinaldo", Kantate für Männerchor, Solo und Orchester, Op. 50; "Triumphlied", für Doppelchor und Orchester, Op. 55. Außerdem hat er deutsche Volkslieder in vierstimmiger Bearbeitung und Volkskinderlieder mit Klavierbegleitung herausgegeben. B. ragt an Kraft, Eigentümlichkeit und Vielseitigkeit des Talents unter seinen Zeitgenossen hervor; er hat die künstlerischen Bildungselemente, welche die Gegenwart teils dem Wirken der klassischen Meister, teils dem Einfluß der romantischen Schule verdankt, in sich vereinigt, verarbeitet und in einer ausgeprägten Individualität zum Ausdruck gebracht. Die anfangs noch ungezügelte, fessellos sich ergehende Phantasie (die ersten Werke bis etwa Op. 10, vor allen die Klaviersonaten, gehören hierher) hat er in der Folge durch ernste Studien und strenge Selbstkritik geläutert und gekräftigt und durch diese bewußte Einschränkung des jugendlichen Dranges seine künstlerische Natur glänzend bewährt, wenn auch infolge davon zeitweise die Naivität seines Schaffens durch Reflexion beeinträchtigt wird. Die Kompositionen dieser Übergangszeit zeigen meist eine große Einfachheit, die frühere Leidenschaft ist einer anmutigen, ruhigen Heiterkeit gewichen, so besonders in den beiden Orchesterserenaden. Aus dem Zusammentreffen der kräftigen Individualität und der strengen Selbstkritik mußte endlich die eigentümliche künstlerische Persönlichkeit hervorgehen, wie sie etwa seit dem ersten Sextett, Op. 18, immer voller und vielseitiger sich entwickelt hat. B.' Melodik ist von ungewöhnlicher Mannigfaltigkeit, oft schlicht und einfach, dem Volksmäßigen verwandt (wie er denn mit Vorliebe Volksweisen belauscht, sie bearbeitet und nachahmt), anderswo wieder pathetisch, voll glühender Leidenschaft, immer aber prägnant und fest geformt. Nicht weniger interessant und fesselnd durch Originalität und Vornehmheit sind seine Harmonie und sein Rhythmus, wenngleich dieselben nicht immer frei von Geschraubtheit sind. Von seiner stärksten Seite aber zeigt sich B. als geistvoller Kontrapunktist (dies namentlich in seinen Variationen) sowie in dem organischen Aufbau seiner Tongebilde, welche ausnahmslos eine strenge Beobachtung der Gesetze der musikalischen Logik erkennen lassen und im kleinen wie im großen den Stempel formeller Vollendung tragen. Vgl. Deiters, Johannes B. (Leipz. 1881).

Brahui, Name der zweiten großen Abteilung der Bewohner Belutschistans, die sich seit 1786 auch in die Ebene des Indus und nach Sind verbreitet hat. Die B. gehören dem drawidischen Volksstamm an, dessen Hauptmasse heute im mittlern Teil Vorderindiens sitzt, aber seine älteste Heimat im Innern des westlichen Asien hatte und von hier in unbekannter Zeit sich südwärts wandte. Die B. nahmen früher den Westen von Belutschistan ein, bewohnen aber jetzt, in viele Stämme zersplittert, den Osten des Landes, wo Kelat und die Umgegend ihre Hauptsitze sind. Ihre Körpergestalt ist gedrungen; sie haben kurze, dicke Knochen und runde Gesichter; ihre Haare sind meist braun, nicht schwarz. Sie sind abgehärtet gegen Hitze und Kälte, dabei fleißige Landwirte und Besitzer zahlreicher Herden; Fleisch ist ihre Lieblingsnahrung. Sie haben sehr rohe, abstoßende Gebräuche. Ihr Charakter wird gerühmt. Vgl. Spiegel, Eranische Altertumskunde (Leipz. 1871-73, 2 Bde.).