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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Braunkohle

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Braunkohle.

tur, ihr Bruch ist muschelig, der Glanz wachsartig, die Farbe samtschwarz (s. Gagat). Die Pechkohle nähert sich schon sehr gewissen Abänderungen der Steinkohle, namentlich der Kannelkohle. Am Westerwald, am Meißner, in Böhmen und an andern Orten ist mehrfach die gewöhnliche B. unter der Einwirkung benachbarter Basaltdurchbrüche zu Glanz- oder Stangenkohle verändert. Wenn die tertiären Kohlen in großen Massen den Steinkohlen sehr ähnlich werden, so kann man sie füglich auch als tertiäre Steinkohlen bezeichnen. Die ausgedehnten Ablagerungen tertiärer Kohlen auf den ostindischen Inseln, namentlich auf Borneo und Sumatra, kommen den besten englischen Steinkohlen gleich.

Beispiele von der Zusammensetzung einiger Braunkohlen zeigt die folgende Tabelle:

Art und Fundort Kohlenstoff Wasserstoff Sauerstoff und Stickstoff Schwefel Asche

Heller Lignit vom Westerwald 70,26 6,4 21,4 - 1,9

Dunkler Lignit vom Westerwald 58,20 5,9 35,1 - 1,7

Schwarzbrauner Lignit von Thallern 49,58 3,81 22,68 4,59 19,34

Stängelige Glanzkohle vom Meißner 86,67 3,94 9,39 - -

Erdkohle von Mertendorf 49,5 5,1 22,8 - 21,5

Gelbweißliche Erdkohle von Gerstewitz 67,1 10,2 10,0 - 12,6

Gemeine Braunkohle vom Siebengebirge 77,1 2,54 19,35 - 1,0

Pechkohle vom Habichtswald 57,26 4,52 26,16 - 1,33

Pechkohle aus Bayern 73,84 3,91 12,25 1,6 8,32

Pechkohle aus Bayern 68,36 4,53 23,66 1,1 5,36

Die braunkohlenführenden Tertiärbildungen, die sogen. Braunkohlenformation, sind auf der Erde weit verbreitet. Die Flöze der Braunkohlen, trotz ihrer Mächtigkeit an manchen Orten, die bis 38 m steigt, bilden nur den kleinsten Anteil derselben, die Hauptglieder der Bildung sind vielmehr Thone, bald reine plastische Töpferthone, wie die trefflichen feuerfesten Thone von Großalmerode in Hessen, die Thone von Koblenz und Köln, vom Westerwald, von Bunzlau und vielen andern Orten, bald unreinere, oft sandige, sogen. Letten, von weißen, grauen, braunen, schwarzen, aber auch bunten, wie roten und gelben, Farben. Durch Beimengung von Kohle werden diese Thone zu dunkeln Kohlenletten umgestaltet; ist zugleich sein zerteilter Schwefelkies vorhanden, so entstehen Lager von Alaunerde. Auch lichte und bituminöse Schieferthone kommen vor. Das zweite wichtigste Material sind feine und gröbere, lose Sande, die aber auch stellenweise zu Bänken und Konkretionen von Sandstein und Konglomerat verkittet sind. Das Bindemittel ist dann oft Kieselerde, wodurch sogen. Quarzfritte (Braunkohlensandstein) entsteht. Im Gebiet des alpinen Systems finden sich statt der losen Sande Sandsteine, Molassesandsteine, bald mit mergeligem Bindemittel, bald durch kohlensaure Salze (Kalk, Bittererde, Eisenoxydul), selbst durch Kieselerde verbunden, und statt reiner Thone herrschen die Mergel. Untergeordnet sind Süßwasserkalke, oft durch Reichtum von Süßwasserschnecken ausgezeichnet, schieferige Muschelmergel, an andern Orten, wie in Böhmen, aber auch feste Kieselkalke. Hornsteine und Opale mit Kieselhölzern stehen häufig mit Polierschiefer in Verbindung (Siebengebirge, Bilin in Böhmen), der sich selbst mit der Blätterkohle lagenweise verbindet. Selten sind Gipsmergel mit Gips (Oberschlesien). Für die Agrikultur wichtig sind die mit dem Braunkohlengebirge verbundenen Lager von Phosphorit, wie in der Oberpfalz, Wetterau. Technisch wichtig sind die thonigen Sphärosiderite und Thoneisensteine, wie sie insbesondere in dem niederrheinischen Gebirge, aber auch in Böhmen in Thon und thonigen Sandsteinen austreten; in Niederhessen verkitten sie den Sand zu Eisensandstein.

Das dritte mächtige Glied des Braunkohlengebirges, welches aber in weiten Distrikten fehlt, dagegen in großer Ausdehnung im Siebengebirge, in Böhmen, Ungarn, in der Auvergne, auf Japan und an andern Orten auftritt, bilden die vulkanischen Tuffe und Konglomerate, stets in Verbindung mit den betreffenden Gesteinen, Basalt und Trachyt, vorkommend. Sie führen ebenfalls hier und da Sphärosiderit und Phosphorit oder sind mit Polierschiefer (Habichtswald) verbunden. Diesen losen und festen Gesteinen, Thonen, Sanden und Tuffen sind die Braunkohlenflöze und -Stöcke eingelagert, oft durch Zwischenlagen von Thon und Sand in mehrere Abteilungen geteilt; bald finden wir nur ein einziges Flöz, bald zahlreiche, wie am Hohen Peißenberg in Oberbayern 17 Flöze. Oft bestehen die verschiedenen Flöze, selbst die Abteilungen eines Flözes aus verschiedenartigen Braunkohlenvarietäten. Die Lagerung des Braunkohlengebirges ist im allgemeinen ziemlich ungestört in flachen Mulden; in manchen Bezirken sind aber auch die Schichten und Flöze gehoben, verschoben und gefältelt, wie die Schichten der ältern Formationen. Derartige Störungen finden sich nicht nur in vulkanischen Gegenden und in den Vorbergen der Alpen, sondern selbst in der Ebene Norddeutschlands, wo die gehobenen Braunkohlenschichten aber meistens zu einem Flachland erodiert und mit Diluvialmassen bedeckt sind.

Die bestimmbaren Pflanzenreste der verschiedenen Braunkohlenablagerungen zeigen im allgemeinen eine sehr auffallende Übereinstimmung. Nadelhölzer sind vorherrschend; neben vielen ausgestorbenen Pinus-Arten finden sich cypressenartige Bäume und Sträucher (Glyptostrobus), Wellingtonien, virginische Cypressen (Taxodium distichum) und der Sandarachstrauch (Callitris); von Laubbäumen kommen neben Ahorn, Weide, Erle, Hainbuche und Walnuß immergrüne Eichen, kaukasische Ulmen (Planera), zahlreiche immergrüne Lorbeeren, Zimt- und Kampferbäume (Daphnogene), Kreuzdorne (Rhamnus), Storaxbäume (Liquidambar) u. v. a. vor. In der ersten Zeit dieser Ablagerungen herrschte der südlichere Typus vor und darunter die neuholländischen Formen der Proteaceen mit ihren Banksien, die Dattelpalmen, später die Zimt- und Kampferbäume und bis zuletzt noch Fächerpalmen, die selbst im Herzen von Deutschland üppig vegetierten. Während in der ersten Zeit der indisch-australische Typus reich vertreten ist, nähert sich später die Flora mehr der der südlichen Vereinigten Staaten. Ganz ähnliche Verhältnisse zeigten die Fische. Außerdem finden sich Reste von Riesensalamandern, Schlangen, Fröschen, Schildkröten, Vögeln und zahlreichen Säugetieren. Diese ganze Tierwelt erinnert zuletzt noch durch Nashorn und Elefant an wärmere Zonen, und auch die Pflanzenwelt zeigt nicht bloß immergrünen Nadel-, sondern auch immergrünen Laubwald unter einer geographischen Breite, unter der er gegenwärtig nicht mehr existieren könnte.

Zu den ältesten Braunkohlen gehören die unbedeutenden Lignitlager des Beckens von Paris, vom Monte Bolca am Gardasee und zu Häring in Tirol. In Deutschland unterscheidet man das ältere Becken von Norddeutschland und Polen, dessen