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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Braunfisch; Braunit; Braunkehlchen; Braunkohle

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Braunfisch - Braunkohle.

Braunfisch, s. Delphine.

Braunit (Hartbraunstein), Mineral aus der Ordnung der Anhydride, findet sich in kleinen, tetragonalen Kristallen, die zu Drusen und körnigen Aggregaten verbunden sind, ist schwarz bis braunschwarz, undurchsichtig, mit metallartigem Fettglanz, Härte 6-6,5, spez. Gew. 4,73-4,9, besteht aus Manganoxyd Mn2O3 ^[Mn_{2}O_{3}] mit 69,2 Mangan, enthält bisweilen Baryt und Kieselsäure und kommt auf Gängen im Porphyr und Melaphyr bei Elgersburg, Öhrenstock, Ilfeld, in Tellemarken etc. vor.

Braunkehlchen, s. Wiesenschmätzer.

Braunkohle, die fossile Kohle der jüngern, sogen. tertiären Formationen. Hervorgegangen durch Vermoderung aus den Pflanzen der tertiären Periode, zeigt sie meist noch deutliche Spuren dieses ihres Ursprungs, insbesondere vielfach deutliche Holzstruktur, und bildet hierin wie in dem Grade der chemischen Umwandlung der ursprünglichen Pflanzensubstanz das verbindende Mittelglied zwischen den Schwarz- oder Steinkohlen früherer Zeit und dem Torf der Neuzeit. Ihre braunen Farben gehen einerseits ins Gelbliche, anderseits ins Pechschwarze über; Härte (Talk- bis unter Kalkspathärte) und spez. Gew. (0,8 bis 1,5) sind gering. In der chemischen Zusammensetzung unterscheiden sich die Braunkohlen von den ältern Kohlen im allgemeinen dadurch, daß der Gehalt an Kohlenstoff geringer, der Gehalt an Sauerstoff und Stickstoff und in der Regel auch der Aschengehalt größer ist als bei den Steinkohlen. Sie enthalten mehr flüchtiges Bitumen, sind daher leichter entzündlich und verbrennen mit rußender Flamme und brenzligem Geruch. Das wässerige Produkt der trocknen Destillation reagiert sauer (bei Steinkohle alkalisch). Braunkohlenpulver, mit Kalilauge erwärmt, färbt dieselbe braun, indem sich ulminsaures Kali bildet, zur Unterscheidung von der Steinkohle, welche heiße Kalilauge kaum oder nur unbedeutend färbt. Die Verschiedenheiten der Zusammensetzung, Farbe, Struktur etc., sind aber bei tertiären Kohlen viel bedeutender als bei den Steinkohlen, indem sich bei jenen alle verschiedenen Verkohlungszustände vertreten finden, von wenig verändertem Holz bis zur festen, harten, schwarzen, strukturlosen Kohle, die von manchen Steinkohlen auch in ihren technischen Eigenschaften durchaus nicht zu unterscheiden ist und auch in Kalilauge sich nicht löst. Im Durchschnitt besteht B. aus 50-77 (63) Kohlenstoff, 3-5 Wasserstoff, 26-37 (32) Sauerstoff, 0-2 Stickstoff. Eocäne Braunkohlen enthalten im allgemeinen relativ mehr Kohlenstoff als miocäne und pliocäne, diese dagegen mehr Sauerstoff als jene; bituminöse sind sehr wasserstoffreich, die stängeligen, koksartigen arm an Wasserstoff.

Der Aschenrückstand beträgt bei guten Braunkohlen nur 1-6 Proz., während die kohlige Substanz natürlich in allen Verhältnissen mit Thon, Sand, Schiefer etc. gemengt auftritt. Von fremdartigen Mineralien, die in der eigentlichen B. vorkommen, ist namentlich Schwefeleisen anzuführen (als Schwefelkies und Markasit), das unter der reduzierenden Einwirkung der Kohle aus eisenvitriolhaltigen Gewässern abgeschieden ist und seinerseits wieder bei der Oxydation zur Bildung von Gips, Eisenalaun und Schwefel Veranlassung gibt. Von harzartigen Mineralien finden sich außer Oxalit, Mellit oder Honigstein und Retinit noch eine Menge andrer, weniger verbreiteter Verbindungen. Das Vorkommen von echtem Bernstein in der B. ist zweifelhaft. Als verschiedene Varietäten von B. unterscheidet man bituminöses Holz, Bastkohle, Nadelkohle, Erdkohle, Moorkohle, Pechkohle, blätterige oder Papierkohle. Am wenigsten verändert zeigt die vegetabilische Substanz das bituminöse Holz (holzartige B., fossiles bituminöses Holz, Lignit), woran Rinde, Wurzel-, Stamm- und Aststücke gut erhalten sind und man die Jahresringe oft genau unterscheiden kann. Es ist gelblichbraun bis pechschwarz, oft noch mit Axt, Säge und Hobel zu bearbeiten, in andern Fällen aber leicht zerreiblich. Es stammt von ausgestorbenen Laub-, häufiger von Nadelbäumen ab, die zum Teil in riesigen, insbesondere cypressenartigen, Formen auftreten. Die Stämme liegen entweder einzeln oder zusammengehäuft in Thon oder in erdigen und andern Braunkohlen und sind meist zusammengedrückt. Selten sind aufrechte Stämme, welche, wie an der Haardt bei Bonn und bei Bischofsheim und Kaltennordheim an der Rhön, die Überreste eines alten Waldes repräsentieren. In andern Fällen sind die Stämme und Äste entrindet und tragen den Charakter von Treibholz. Das bituminöse Holz liefert gutes Brennmaterial, da es nur wenig Asche (0,5-2 Proz.) hinterläßt. Die Bastkohle zeigt die faserige Struktur des Bastes und ist aus der Rinde von Bäumen entstanden, so in Kaltennordheim, zu Ossenheim in der Wetterau und an andern Orten. Die Nadelkohle schließt sich an das bituminöse Holz an; ihre elastisch biegsamen, zusammengehäuften, nadelförmigen Stücke bestehen aus den Gefäßbündeln verfaulter Palmenstämme. Man kennt sie von Lobsann im Elsaß, Rott im Siebengebirge und einigen andern Lokalitäten. Die Moorkohle ist eine derbe, meist zerborstene Masse, oft unvollkommen schieferig und zeigt nur an einzelnen Stücken Holzstruktur. Sie zerspringt, der Luft ausgesetzt, in trapezoidische Stücke; im Bruch ist sie eben, nur selten ins Muschelige übergehend, schimmernd bis zum schwachen Fettglanz. Die Farbe ist schwärzlichbraun bis zum Pechschwarz. Sie trägt ganz den Charakter einer aus Torf entstandenen Kohle, ist oft reich an Pflanzenresten und weit verbreitet. Die Erdkohle (erdige B.) ist eine erdig zusammengebackene, dunkelbraune bis schwärzlichbraune Kohle, nur wo sie staubartig zerfallen ist, von lichterer Farbe, glanzlos, etwas abfärbend. Als Formkohle läßt sie sich, mit Wasser gemengt, kneten und formen. Gewisse Varietäten bilden die kölnische Umbra. Sie findet sich in der norddeutschen Ebene, durch Thüringen, am Niederrhein, auch in Algerien. Durch Aufnahme fein zerteilten Schwefelkieses wird die Erdkohle selbstentzündlich und liefert bei Thonerdegehalt das sogen. Alaunerz oder Alaunerde (s. d.). Die Blätterkohle (blätterige B., Papierkohle, Stinkkohle, Dysodil) läßt sich leicht in dünne Blättchen spalten, ist holz- bis schwärzlichbraun, zuweilen in hellen Polierschiefer übergehend. Sie hinterläßt unter allen Kohlen die meiste Asche, die Orsberger bis 58 Proz., indem sie ihre schieferige Absonderung dem Zwischenlagern von kleinen, kolbigen Cypris-Schalen oder von kieselschaligen Diatomeen, auch von Süßwasserschnecken (Planorbis), wohl auch Blattabdrücken etc. verdankt. Einzelne Blätterkohlen sind nichts andres als mit Bitumen durchtränkte Polierschiefer. Sie ist reich an Pflanzen- und Tierresten, Blattabdrücken, Fischen und Amphibien. Ausgezeichnete Fundorte dieser Art sind: Orsberg bei Erpel, Geißlingerbusch bei Rott und Linz im Gebiet des Siebengebirges, Sieblos in der Rhön unfern Gersfeld, Ménat in der Auvergne etc. Manche Stinkkohlen eignen sich vorzüglich zur Paraffin- und Photogenbereitung. Die Pechkohle (Gagat, Jett) zeigt nur äußerst selten noch Spuren vegetabilischer Struk-^[folgende Seite]