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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Breitenwang; Breitgroschen; Breithaupt

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Breitenwang - Breithaupt.

windlichkeit verloren. Dieser Sieg Gustav Adolfs rettete den deutschen Protestantismus. Am 7. Sept. 1831 wurde von dem Besitzer des Guts auf dem Schlachtfeld ein Denkstein errichtet. - Die zweite Schlacht, 2. Nov. 1642, war nicht minder blutig als die erste, obwohl von geringerer Bedeutung. Torstenson, der eben Leipzig belagern wollte, sah sich von dem sächsisch-kaiserlichen Heer unter Erzherzog Leopold und Piccolomini bedroht. Er zog sich daher von Leipzig nach B. zurück, wo es zur Schlacht kam, in welcher nach hartnäckigem Widerstand des feindlichen Fußvolks durch einen Angriff der schwedischen Reiterei, welche die feindliche siegreich zurückgeworfen hatte, die Schweden siegten. Diese verloren gegen 4000 Tote und Verwundete, darunter 8 Generale; die verbündete kaiserliche und sächsische Armee 15,000 Tote und Verwundete, 5000 Gefangene, 46 Kanonen, 191 Feldzeichen und alles Gepäck. Die Eroberung Leipzigs und die Besetzung Sachsens waren die nächsten Folgen dieser Schlacht für Schweden, eine weitere, daß der Kaiser einigermaßen geneigter zum Frieden wurde und nicht lange nachher die Hamburger Friedenspräliminarien bestätigte.

Breitenwang, Dorf in Tirol, Bezirkshauptmannschaft Reutte, denkwürdig als der Sterbeort des Kaisers Lothar II. Eine Gedenktafel bezeichnet das noch stehende Haus, in welchem er 1137 verschied. In der Nähe der schöne Stuibenfall und der romantische Plansee.

Breitgroschen (lat. Grossus latus), meißnische und thüring. Silbermünze des 14. Jahrh., unter der Regierung Friedrichs des Freidigen nach dem Vorbild der böhmischen Groschen geprägt und zwar anfangs aus sehr feinem Silber, so daß 60 Stück auf die Mark gingen. Die Hauptseite zeigt den Meißner Löwen, die Rückseite ein Kreuz mit Lilienspitzen in einer Bogeneinfassung, in deren äußern Winkeln die Buchstaben C. R. U. X. ("Kreuz") stehen. Münzort war Großschirma, daher auch Schirmaer Groschen.

Breithaupt, 1) Joachim Justus, Hallescher Pietist, geb. 1658 zu Northeim, lernte in Frankfurt a. M. Spener kennen und schätzen, ward nach Kiel (woselbst er früher studiert und dann sich habilitiert hatte) als Professor der Theologie berufen, ging 1685 als Hofprediger nach Meiningen und 1687 als Prediger und Senior des Ministeriums nach Erfurt. 1691 nach Halle als Professor der Theologie berufen, vertrat er an der daselbst neuzugründenden Universität mehrere Jahre hindurch allein das gesamte Gebiet der Theologie; später im Verein mit Anton, Francke und Lange wirkend, machte er Halle zum Mittelpunkt des gesamten Pietismus. Mit der Professur vereinigte er seit 1705 die Stellung eines Generalsuperintendenten des Herzogtums Magdeburg; er starb 1732 als Abt zu Klosterberge. Unter seinen zahlreichen Schriften sind besonders zu nennen die "Institutiones theologicae". S. Pietismus.

2) Johann Christian, geb. 23. Juni 1736 aus dem Hartenauer Hof bei Darmstadt, ward 1768 Mechanikus am Hof des Landgrafen Friedrich, übernahm die Leitung von dessen Sammlung physikalischer und astronomischer Instrumente und konstruierte einen großen Mauerquadranten und einen Distanzmesser, dessen Konstruktion in neuerer Zeit vielfach wieder aufgenommen ist. Er starb 1800 in Kassel. -

Sein ältester Sohn, Heinrich Karl Wilhelm, geb. 22. Juni 1775 zu Kassel, war zuerst Gehilfe seines Vaters, studierte dann Mathematik, ward 1817 Professor zu Bückeburg und starb 10. Juni 1856 daselbst. Er schrieb zahlreiche Werke über angewandte Mathematik und Technologie, besonders die "Beschreibung eines neuerfundenen Markscheideinstruments" (Kassel 1800), welche die vom Verfasser 1798 ausgeführte Berechnung und Kartierung eines Teils des Richelsdorfer Bergreviers enthält, bei welcher ein von dem bisher üblichen völlig abweichendes und viel zuverlässigeres Verfahren angewandt wurde, nämlich die Berechnung der rechtwinkeligen Koordinaten aus den Ergebnissen der mit neuen selbstkonstruierten Instrumenten ausgeführten Längen- und Winkelmessungen und die nach diesen Koordinaten und nicht mehr auf dem Weg des unbehilflichen und ungenauen sogen. Zulegens bewirkte Anfertigung des Grundrisses. -

Sein jüngerer Bruder, Friedrich Wilhelm, geb. 23. Juli 1780 zu Kassel, trat in die väterliche Werkstatt ein und errang gegen 1810 die ersten Erfolge mit den von ihm gefertigten Grubenkompassen, vervollkommte die Meßtische, Bussolenapparate und Nivellierinstrumente, baute 1836 die ersten Grubentheodolite, gewann eine sehr feine Einstellung bei den Mikrometerschrauben durch Anwendung der Differentialschraube und lieferte in Deutschland die erste vorzügliche große Kreisteilmaschine (1803-18). Im J. 1827 begründete er das "Magazin neuester mathematischer Instrumente", von welchem 1835 das zweite und 1846 das dritte Heft erschien. Nachdem er inzwischen die Stelle eines Münzmeisters und Konservators der physikalischen und astronomischen Abteilung der Kasseler Museums erhalten hatte, übergab er 1851 das zu einer weithin gekannten Bedeutung erhobene Geschäft seinem Sohn Georg August. Er starb 20. Juni 1855 in Kassel. -

Sein Sohn Georg August, geb. 17. Aug. 1806 zu Kassel, seit 1851 Inhaber des Instituts, baute 1850 eine große Längenteilmaschine, welche ein Meter ohne Unterbrechung in jedem beliebigen Verhältnis mit der Genauigkeit des Tausendstels eines Millimeters teilt, wandte zuerst für geodätische Instrumente aus Glas gezogene Kreuze an, erfand den kleinen Grubentheodolit, konstruierte 1866 die sogen. neuere Breithauptsche Kippregel, 1873 für den Großen Generalstab in Berlin die Normalkippregel mit Meßtisch und vervollkommte die Theodolite, Nivellierinstrumente und Kathetometer. Von dem durch seinen Vater begründeten "Magazin" gab er das 4.-6. Heft heraus, welche die Grubentheodolite, die Nivellierinstrumente und die Theodolite behandeln, und folgte seinem Vater auch als Konservator am Kasseler Museum.

3) Johann August Friedrich, Mineralog, geb. 18. Mai 1791 zu Probstzella bei Saalfeld, studierte 1809-11 in Jena Naturwissenschaften und Mathematik, dann in Freiberg Geologie und ward 1813 Inspektor der akademischen Sammlungen und Hilfslehrer an der Bergakademie, 1827 Professor der Oryktognosie und starb 22. Sept. 1873. B. förderte die Kristallographie und führte namentlich eine sorgfältige Untersuchung aller Mineralien durch, bei welchen er eine größere Mannigfaltigkeit der Kristallisationsformen nachwies, als bisher bekannt gewesen. Auch die Zahl der Spezies vermehrte er bedeutend, und die Paragenesis untersuchte er mit besonderer Rücksicht auf den praktischen Bergbau. Bei Zwickau erschloß er ausgedehnte Kohlenfelder, auf welchen jetzt die ergiebigsten Gruben bauen. Er schrieb: "Über die Echtheit der Kristalle" (Freiberg 1816); "Vollständige Charakteristik des Mineralsystems" (das. 1820; 3. Aufl., Dresd. 1832); "Übersicht des Mineralsystems" (das. 1830); "Die Paragenesis der Mineralien" (Freiberg 1849); "Mineralogische Studien" (Leipz. 1866); "Voll-^[folgende Seite]