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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bremer; Bremer Beiträge; Bremer Blau

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Bremer - Bremer Blau.

ner Metropolitanverband aus und überwies es dem Erzstift Hamburg, das fortan mit B. vereinigt war. 966 erwarb Erzbischof Adeldag, Ottos I. vertrauter Ratgeber, für sein Stift die Immunität. Der berühmteste unter den Erzbischöfen ist Adalbert I. (1043-72), der eine Zeitlang als Vormund König Heinrichs IV. die Reichsregierung führte, aber vergeblich sich bemühte, sein Erzbistum zu einem Patriarchat zu erheben, dem zwölf Suffraganbistümer im Nordosten Deutschlands unterstellt werden sollten. 1223 fand die definitive Übertragung des Erzbistums von Hamburg nach B. statt. Unter dem Erzbischof Christoph, Herzog von Braunschweig-Lüneburg (1511-58), fand die Reformation in B. Eingang. Der letzte Erzbischof von B. war Friedrich, Prinz von Dänemark, welcher aber, ehe er eigentlich zur Regierung kam, 1645 vertrieben wurde und als König Friedrich III. (1648) den dänischen Thron bestieg. Durch den Westfälischen Frieden kam B. mit Verden an Schweden als Herzogtum mit der Hauptstadt Stade. Dieses Herzogtum wurde von den Dänen, welche dasselbe im nordischen Krieg 1712 besetzt hatten, 1715 an Hannover durch Kauf abgetreten, was Schweden durch den Hamburger Vergleich 1729 gegen eine Geldentschädigung anerkannte. Von 1803 bis 1806 in französischer Gewalt, kam das Land auf kurze Zeit an Preußen, machte dann einen Teil des Königreichs Westfalen, später des Departements der Wesermündungen aus, bis es 1814 an Hannover zurückgegeben wurde. Nach dem Krieg von 1866 wurde es als Teil von Hannover von Preußen annektiert.

Vgl. Kobbe, Geschichte und Landesbeschreibung der Herzogtümer B. und Verden (Götting. 1825, 2 Tle.); Lappenberg, Geschichtsquellen des Erzstifts und der Stadt B. (Brem. 1841); Wiedemann, Geschichte des Herzogtums B. (Stade 1866, 2 Bde.); Dehio, Geschichte des Erzbistums Hamburg-B. (Berl. 1877, 2 Bde.); Mithoff, Kunstdenkmale und Altertümer im Hannöverschen, Bd. 5: B. (Hannov. 1878); Diercke und Schröder, Heimatskunde der Herzogtümer B. und Verden (Stade 1880).

Bremer, Fredrika, schwed. Romanschriftstellerin, geb. 17. Aug. 1801 zu Tuorla bei Abo in Finnland, kam in ihrem dritten Jahr mit ihrem Vater, einem reichen Kaufmann und Bergwerksbesitzer, nach der Provinz Schonen, lebte dann in Norwegen bei ihrer Freundin, der Gräfin Sonnerhjelm, und wirkte auch eine Zeitlang als Lehrerin in einem Töchterinstitut zu Stockholm. Später bereiste sie Deutschland, die Schweiz, Italien, England, die Vereinigten Staaten nebst der Insel Cuba, endlich 1853-56 auch den Orient und verlebte den Rest ihres Lebens (unverheiratet) auf ihrem Landgut Arste bei Stockholm, wo sie 31. Dez. 1865 starb. Sie gehört zu den besten schwedischen Romanschriftstellerinnen. In ihren Werken treten weibliche Naivität und Anmut, tüchtiger Verstand, ein unverbildetes Gemüt, getreue und gesunde Lebensauffassung, tiefe Kenntnis des menschlichen, besonders weiblichen, Herzens und anschauliche Darstellungsgabe überall zu Tage. Das Gebiet, aus dem sie ganz zu Hause, ist das Familienleben, und ihre Darstellungen desselben sind wenn auch zuweilen zu minutiös und weitschichtig, doch anziehend und einzig in ihrer Art. Am gelungensten erscheinen ihre ersten Romane: "Die Familie H." (1833) und "Die Töchter des Präsidenten" (1834), besonders aber "Die Nachbarn" (1873), welch letzterer später von Charl. Birch-Pfeiffer dramatisiert wurde. In der Komposition schwächer sind "Das Haus" (1839) und "Streit und Friede" (1840); doch enthält letzterer meisterhafte Naturschilderungen. In andern Erzählungen, wie in "Nina" (1835), wagt sie sich an die Lösung sozialer Probleme, doch nicht mit glücklichem Erfolg. Alle diese Novellen erschienen gesammelt unter dem Titel: "Teckningar ur hvardagslifvet" (Stockh. 1835-43, 7 Bde.), an welche sich "Nya teckningar ur hvardagslifvet" (das. 1844-48, 8 Bde.) anschließen. Teile der letztern bilden: "Ein Tagebuch" (1843), "In Dalekarlien" (1845) und "Geschwisterleben" (1848). Sie wurden zusammen als "Skizzen aus dem Alltagsleben" (Leipz. 1841-53, 20 Bde.), auch einzeln öfters ins Deutsche, außerdem ins Französische, Englische, Holländische und noch andre Sprachen übersetzt. In den "Morgon-Väkter" (Stockh. 1842; deutsch von Runkel u. d. T.: "Morgendämmerungen", Elberf. 1842) hat die Dichterin ihr religiöses Glaubensbekenntnis niedergelegt. Anziehende Reiseschilderungen gab sie in den Werken: "Leben im Norden" (Stockh. 1849); "Mittsommerreisen" (das. 1849; deutsch, Leipz. 1849); "England im Jahr 1851" (deutsch, Altona 1852); "Heimat in der Neuen Welt" (Stockh. 1853; deutsch, Leipz. 1854-55) und "Leben in der Alten Welt" (das. 1860-62). Ihre spätern Romane, wie namentlich "Hertha" (1856) und "Vater und Tochter" (1859), stehen an Frische und dichterischem Reiz weit hinter den frühern zurück. Eine Auswahl ihrer Schriften ("Samlade skrifter i urval") erschien in 6 Bänden (Örebro 1869-72), eine deutsche Übersetzung in 50 Bänden (Leipz. 1857-65). Ihre Schwester Charlotte Quiding gab aus ihrem Nachlaß heraus: "Lebensschilderung, Briefe und nachgelassene Schriften von Fr. B." (Leipz. 1865, 3 Bde.).

Bremer Beiträge, gewöhnlicher Name der 1744 gegründeten und in Bremen erscheinenden Wochenschrift "Neue Beiträge zum Vergnügen des Verstandes und Witzes", die als das Organ der sogen. sächsischen Dichterschule (Chr. Gärtner, Ad. Schlegel, A. Cramer, Mylius, Ad. Ebert, Rabener, später auch Gellert, Giseke u. a.) in jener der klassischen Litteraturperiode vorhergehenden Vorbereitungszeit von bedeutendem Einfluß war. Auch die drei ersten Gesänge von Klopstocks "Messias" erschienen in derselben (s. Deutsche Litteratur).

Bremer Blau (Bremer Grün), blaugrüne oder grünblaue Malerfarbe, wird aus eisenfreiem Kupfervitriol oder einem andern Kupfersalz dargestellt, indem man eine Lösung desselben mit Natronlauge bis zur Entfärbung versetzt, den entstandenen abfiltrierten grünen Niederschlag, welcher aus einem basischen Salz besteht, mit Natronlauge, welche etwas kohlensaures Natron enthält, behandelt, bis er hinreichend gebläut ist, und dann auswäscht und trocknet. Nach einem andern Verfahren mischt man gut gereinigtes altes Kupferblech mit einem Brei aus Kupfervitriol und Kochsalz, läßt es unter wiederholtem Umschaufeln liegen, bis es in basisches Kupferchlorid verwandelt ist, schlämmt dies ab und bläut es wie den nach dem ersten Verfahren erhaltenen Niederschlag durch Behandeln mit Natronlauge. Ein vorzüglich schönes B. B. wird erhalten, wenn man salpetersaures Kupferoxyd mit einer zur Zersetzung ungenügenden Menge von kohlensaurem Kali versetzt, den grünen Niederschlag sammelt und mit einer Auflösung von Zinkoxyd in Kalilauge übergießt, wodurch er sich in ein lockeres tiefblaues Pulver von großer Deckkraft verwandelt. B. B. ist sehr leicht, wollig, schön blau, besteht aus Kupferhydroxyd, dient als Wasser-, Kalk- und Ölfarbe, wird aber als letztere bald grün (daher Bremer Grün). Es ist giftig, wird durch Schwefelwasserstoff schwarz und auf feuchten Mauern grün.