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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Breslau

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Breslau (Behörden etc.; Vergnügungsanstalten etc.; Geschichte).

dung von Rabbinern und israelitischen Lehrern, 1 königliche Oberrealschule mit Baugewerkschule, 2 städtische höhere und 2 mittlere Töchterschulen, 2 Realgymnasien, 3 höhere Bürgerschulen für Knaben, 2 Seminare für Lehrerinnen, 1 städtische Lehrerfortbildungsanstalt, 76 städtische Elementarschulen (sechsklassige) mit unentgeltlichem Unterricht etc. Für artistische, gewerbliche und anderweitige Ausbildung sorgen: die königliche Kunst- und Kunstgewerbeschule mit gewerblicher Zeichenschule; eine private höhere Handelslehranstalt; die Lehranstalten und Fortbildungsschulen des Frauenbildungsvereins; eine Gewerbe- und Handelsschule für Frauen und Mädchen; die Hebammen- und Entbindungsanstalt; eine Anstalt zur Ausbildung von Fröbelschen Kindergärtnerinnen und Kinderpflegerinnen; eine Blinden- und eine Taubstummenanstalt. Gelehrte Gesellschaften und Vereine für Litteratur, Wissenschaft und Kunst bestehen zu B. gegen 50, darunter: die Schlesische Gesellschaft für vaterländische Kultur, mit Bibliothek und wertvoller Naturaliensammlung; 1 Künstler- und 1 Kunstverein, die Vereine für Geschichte und Altertum Schlesiens, für Geschichte der bildenden Künste; 1 physikalischer, 1 physiologischer, 1 genealogischer Verein, 1 Alpenverein, 2 Riesengebirgsvereine, Breslauer Dichterschule, Schillerverein, mehrere Lehrervereine, 11 religiöse Vereine, verschiedene Gewerbe-, Handwerker- und Ortsvereine; 48 Musik- und Gesang-, über 70 Wohlthätigkeitsvereine, gegen 60 Erziehungs- und Bildungs-, 8 politische, 11 Bezirksvereine für kommunale Angelegenheiten etc. Von Bibliotheken sind außer der Universitätsbibliothek von Wichtigkeit: die Stadtbibliothek (über 200,000 Bände und 2500 Handschriften nebst dem Stadtarchiv mit 30,000 Urkunden und vielen Handschriften) im Stadthaus, 1864 entstanden aus der Rhedigerschen, der Magdalenenbibliothek und der Bibliothek der Bernhardinkirche; 3 städtische Volksbibliotheken. Der litterarische Verkehr ist verhältnismäßig lebhaft; es erscheinen zur Zeit in B. 7 tägliche Zeitungen (deren älteste die "Schlesische Zeitung"), 20 Wochenschriften, 11 Monatsschriften und über 15 kleinere und periodische Fachblätter; es bestehen 49 Buch-, 17 Musikalien-, 12 Kunsthandlungen sowie 19 Buch- (exkl. 16 Accidenzdruckereien) und 38 Steindruckereien.

B. ist Sitz zahlreicher Behörden, als: des Oberpräsidiums der Provinz Schlesien und der königlichen Regierung des Bezirks B., der königlichen Generalkommission, eines Landratsamts, eines Oberlandes- und Landgerichts (letzteres für die fünf Amtsgerichte zu B., Kanth, Neumarkt, Winzig und Wohlau), eines königlichen Polizeipräsidiums, des Magistrats, einer Provinzialsteuerdirektion, eines Provinzialschulkollegiums, eines Konsistoriums, einer Oberpost- und Telegraphendirektion, einer königlichen Eisenbahndirektion und von vier Eisenbahnbetriebsämtern, einer Handelskammer, einer königlichen Strombaudirektion, des Oberbergamts, des Generalkommandos des 6. Armeekorps sowie des Kommandos und der zugehörigen Truppenteile der 11. Division, der 22. Infanteriebrigade, der 6. Feldartilleriebrigade und Kavalleriebrigade, des Fürstbischofs mit Domkapitel etc. Das von Karl V. der Stadt verliehene Wappen ist ein quadrierter Schild mit Mittelschild, in der Mitte Johannis des Täufers Kopf in einer silberfarbenen Schüssel, im ersten Felde der böhmische Löwe, im zweiten der schlesische Adler, im dritten ein W (welches den Namen des ersten Erbauers der Stadt, Wratislaw, bedeutet), im vierten das Haupt Johannis des Evangelisten. Die beiden Johannes sind neben der heil. Hedwig besondere Patrone der schlesischen Kirche. Vergnügungsanstalten hat B. in überreichlichem Maß. Die Stadt umgibt an Stelle des frühern Festungswalles ein Gürtel schöner Promenaden mit mancherlei Zierden, wozu in neuester Zeit noch Gartenanlagen auf dem Tauenzienplatz, am Wäldchen, auf dem Königsplatz, auf dem Matthiasplatz, Lessingplatz etc. gekommen sind. Die beiden Überreste der ehemaligen Basteien (die schon erwähnte Taschenbastion, jetzt Liebichshöhe genannt, mit breiten Terrassenanlagen und hohem Aussichtsturm und die Ziegelbastion [mit dem Holtei-Denkmal] an der Oder) gewähren lohnenden Überblick. Der großartige Scheitniger Park sowie der Schießwerdergarten sind Eigentum der Stadt. Außerdem besitzt dieselbe mehrere Theater, Konzertsäle für ständige Musikaufführungen und größere Musikfeste. Zu den zahlreichen Vergnügungsorten in der Umgegend Breslaus führen teils Dampfschiffe, teils Pferdebahnen und Omnibusse. Vgl. das Kärtchen der Umgebung von B. auf der Karte "Schlesien".

Geschichte.

B. erscheint als Wratislaw (Wratislawia, Wraclaw) schon um 980 als Stadt, war seit dem 11. Jahrh. Sitz eines Bischofs und gehörte zu Polen, bis 1163 ein eignes Herzogtum B. unter den Söhnen des polnischen Herzogs Wladislaw gebildet wurde. Nachdem die Stadt schon 1039 von den Böhmen erobert und geplündert und 1241 beim Einfall der Mongolen zerstört worden war, erhob sie sich bald zu neuer Blüte, nahm viele deutsche Kolonisten auf und erhielt 1242 deutsches Stadtrecht. Schon 1247 wurde die Stadtschule zu Maria Magdalena errichtet. Herzog Heinrich VI., mit dem 1335 die Linie B. ausstarb, verkaufte die Stadt 1327 an Johann von Böhmen. Unter der Herrschaft der Luxemburger gewann sie bedeutende Vorrechte. Ein unter König Wenzel 1418 ausgebrochener Aufstand wurde von König Siegmund 1420 blutig bestraft. Der Hussiten wußte sich die Stadt glücklich zu erwehren; um aber nicht den als Hussit gehaßten König Podiebrad als Herrn anerkennen zu müssen, schloß sie sich an den König Matthias Corvinus von Ungarn an, der seit 1482 die Freiheiten Breslaus willkürlich unterdrückte. Nach der Schlacht von Mohács (1526), in der Ludwig II. umkam, fiel es an Ferdinand von Österreich. Obgleich die protestantische Lehre unter der Einwirkung des Johann Heß, eines Freundes Luthers, seit 1523 in B. die Oberhand gewann, wurden doch Bischof, Domkapitel und Mönche im ruhigen Besitz ihrer bisherigen Stellung und Güter belassen. Den Dreißigjährigen Krieg überdauerte B. fast ungeschwächt und bewahrte auch 1648 Stadtrechte und Religionsfreiheit. Die 200jährige österreichische Herrschaft beschränkte indessen den Protestantismus und eröffnete dem Treiben der Jesuiten einen immer größern Spielraum. Friedrich II. von Preußen besetzte B. 10. Aug. 1741, erhob es zur dritten königlichen Haupt- und Residenzstadt und behielt es auch in dem am 11. Juni 1742 zu B. geschlossenen Frieden. Nach dem Sieg Karls von Lothringen über den Herzog von Braunschweig-Bevern (22. Nov. 1757) wurde B. von den Österreichern eingenommen, doch schon im Dezember nach der Schlacht von Leuthen wieder von Friedrich gewonnen, wobei 21,000 Mann Österreicher sich gefangen geben mußten. 1760 wurde es von Laudon vergeblich belagert. Nach der Schlacht bei Jena ward B. von Vandamme 7. Dez. belagert und 7. Jan. 1807 von dem Gouverneur v. Thile, nachdem derselbe die Vorstädte hatte niederbrennen lassen, übergeben. 1811 wurde die bisher in Frankfurt a. Q. bestehende Uni-^[folgende Seite]