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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Brikolschuß - Brille.

durch Pressendruck. Die geformte Holzkohle (Pariser Kohle) besteht aus gröblichem Holzkohlenpulver, welches mit Steinkohlenteer zu einer Masse geknetet wird, die man in Cylindern formt, trocknet und in Muffelöfen verkohlt. Das Fabrikat ist transportfähiger als rohe Kohle, gibt mehr Hitze und verbrennt langsamer und regelmäßiger. Die präparierte oder gepreßte Holzkohle (Preßkohle, Pyrolith) besteht aus Holzkohlenpulver mit etwas Natronsalpeter und einem Bindemittel. Der Salpeter begünstigt die Entzündlichkeit und das Fortbrennen der Kohle. Man benutzt dies Fabrikat besonders zum Heizen der Eisenbahnwaggons, kleiner Wärmöfen und zum Trocknen der Wohnungen. Die B. stehen hinsichtlich ihres Brennwerts der Stückkohle nicht nach, bedürfen weniger häufigen Schürens, der Verbrauch ist sicherer (nach der Stückzahl) zu regulieren, ihre Behandlung ist reinlicher und der Transport vorteilhafter. Häufig ist aber der Preis noch zu hoch. Man benutzt sie hauptsächlich bei Dampfkesselfeuerungen, besonders für Lokomotiven und Marinedampfer, zum Heizen von Puddel- und Schweißöfen, in Haushaltungen etc. In gewisser Hinsicht gehören auch die gepreßten Torfziegel und die Ziegel aus gepreßter Lohe, extrahieren Farbhölzern, Heidekraut, Ginster etc. zu den Briketten. Die Herstellung geformter Brennmaterialien wurde schon in sehr früher Zeit geübt. Die Verarbeitung von Kohlenklein gewann aber erst größere Wichtigkeit, seitdem Ferrand und Marsais 1832 Steinkohlenteer als Bindemittel benutzten. 1842 ersetzte Marsais den Teer durch weiches Steinkohlenpech, und 1843 benutzte Wylam in England hartes Pech, welches 1854 auch in Frankreich Eingang fand. Gegenwärtig werden etwa 2,500,000 Ton. B. im Jahr fabriziert und zwar in Frankreich 1 Mill., in Belgien 500,000, in England 300,000, in Österreich 250,000, in Italien 150,000, in Deutschland 100,000 T. Vgl. Oppler, Fabrikation der künstlichen Brennstoffe, insbesondere der gepreßten Kohlenziegel oder B. (Berl. 1864); Habets, Del'agglomération des combustibles (Par. 1870); Gurlt, Bereitung der Steinkohlenbrikette (Braunschw. 1880); Berg, Über die technisch und ökonomisch am meisten geeignete Methode zur Brikettierung der westfälischen Steinkohle (Berl. 1880); Jünemann, Die Brikettindustrie (Wien 1881).

Brikolschuß (franz.), ein Schuß, bei welchem die Kugel, unter spitzem Winkel gegen eine Mauer geschossen, von dieser abprallen und nebenliegendes, auf andre Weise im direkten Schuß nicht erreichbares Mauerwerk treffen soll. Der B., von Puységur angegeben, soll von ihm 1634 vor Gravelines, 1697 durch die Franzosen vor Ath mit Erfolg angewendet worden sein.

Bril (spr. brill), 1) Mattijs, niederländ. Maler, geb. 1550 zu Antwerpen, ging früh nach Rom, wo er unter Gregor XIII. mehrere Säle und Galerien des Vatikans mit Landschaften und religiösen Prozessionen schmückte. Er starb 1584.

2) Paul, Maler, Bruder des vorigen, geb. 1556 zu Antwerpen, Schüler des Damian Oortelman, ging ebenfalls frühzeitig nach Rom, wo ihn sein Bruder weiter unterrichtete. Er starb 7. Okt. 1626 daselbst. B. malte Landschaften in Fresko und Öl und bezeichnet einen bedeutenden Fortschritt in dieser Kunst, indem er mehr als frühere Maler auf eine einheitliche Beleuchtung hinstrebte. Seine Behandlung war anfangs etwas trocken, wurde aber durch den Einfluß der Italiener breiter; doch behielt er immer das kältere, bläulichgrünliche Kolorit und die fleißige Durchführung der niederländischen Maler bei. Seine kleinen Staffeleibilder (religiöse Darstellungen, Landschaften, Marinen, Schlachten, Allegorien) sind äußerst zahlreich und finden sich in allen Galerien Europas. Auch radierte er verschiedene Blätter.

Brilessos, Gebirge, s. Pentelikon.

Brillant (franz., spr. brijang, verdeutscht: briljánt; "glänzend"), ein Edelstein, welcher in Form von zwei abgestutzten, an ihren Grundflächen miteinander verbundenen Pyramiden geschliffen ist (s. Edelstein). Da der Brillantschliff vorzüglich den reinsten Diamanten gegeben wird, so versteht man unter Brillanten meist auch nur Diamanten.

Brillantblech, s. Verzinnen.

Brillante (ital., spr. briljänte), glänzend, brillant, als musikalische Vortragsbezeichnung s. v. w. mit Feuer und Bravour.

Brillantfeuer, s. Feuerwerkerei.

Brillantgarn, gezwirntes, lebhaft gefärbtes und mit unechtem Gord- oder Silberlahn weitläufig übersponnenes Wollgarn, dient zu Stickereien.

Brillantgelb, s. Kadmiumsulfuret.

Brillantglas, Glasgefäße, deren Oberfläche in Rauten geschliffen ist und daher das Licht vielfach bricht, besonders in England aus Bleiglas hergestellt.

Brillantine, Poliermittel für Metall und Glas, wird erhalten durch Auskochen von Guano und Wasser und Vermischen von 100 Teilen des beim Erkalten erstarrenden Extraktes mit 25 Teilen kalciniertem Tripel, 12 Teilen Weizenmehl und 10 Teilen Salz. Man erhitzt diese Mischung über mäßigem Feuer, bis ein gleichförmiger Brei entsteht, läßt erkalten und pulvert. Das Pulver wird mit Alkohol befeuchtet angewandt. - Auch ein Kosmetikum zum Glänzendmachen der Haare, aus Rizinusöl, Glycerin und parfümiertem Spiritus bestehend.

Brillantsätze, s. Feuerwerkerei.

Brillantstoffe, gemusterte Seidenstoffe mit Taft- oder Gros de Tour-Grund und eigentümlich gewebten Figuren.

Brillat-Savarin (spr. brija-ssäwaräng), Anthelme, franz. Schriftsteller, geb. 1. April 1755 zu Belley, wurde 1789 Deputierter, später Maire von Belley, wanderte 1793 nach der Schweiz, von da nach Amerika aus und wurde nach seiner Rückkehr (1796) unter dem Konsulat Mitglied des Kassationshofs, eine Stellung, die er bis zu seinem Tod, 2. Febr. 1826, behielt. Kurz vorher erschien sein Werk "Physiologie du goût" (Par. 1825), ein elegant und witzig geschriebenes Lehrbuch der Gastronomie und der Tafelfreuden, welches sich nach und nach einen großen Leserkreis erwarb und oft wieder aufgelegt ist, zuletzt 1883 (deutsch von K. Vogt, 4. Aufl., Braunschw. 1878). Seine übrigen Schriften sind wenig bedeutend.

Brille, ein Apparat, welcher zwei Augengläser so in einem Gestell vereinigt, daß dieselben dicht vor den Augen getragen werden können. Zweck der B. ist entweder die Besserung des Sehvermögens oder Schutz des Auges gegen äußere Schädlichkeiten. Jedes sichtbare Objekt der Außenwelt kann man sich zusammengesetzt denken aus einer Summe einzelner leuchtender Punkte, von welchen jeder einen Lichtstrahl in das Auge sendet. Diese Lichtstrahlen erleiden bei ihrem Eindringen in das Auge durch die Hornhaut und die Kristalllinse (die brechenden Medien des Auges) eine Brechung ihrer Bahn, und zwar müssen sie, um ein deutsches Bild zu erzeugen, so konvergent gebrochen werden, daß sie im Auge einen Strahlenkegel bilden, dessen Basis in den brechenden Medien liegt, und dessen Spitze (also der Schnittpunkt der einzelnen Licht-^[folgende Seite]