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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Brockenmyrte; Brockes; Brockhaus

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Brockenmyrte - Brockhaus.

gebirge nehmen die Oker, Radau, Eker, Ilse (zur Weser) und die Holzemme und Bode (zur Elbe) ihren Ursprung. Seine Entstehung verdankt der B. einer Erhebung des Granits, der die Schichtung des Übergangsgebirges, welches die Masse des ganzen Harzes ausmacht, hob, sprengte und ausbrach. Die Granitmasse des Brockens wird von den Übergangsgebirgen (Gneis, Glimmer und Thonschiefer, Grauwacke) mantelförmig umlagert. An Erzlagerstätten ist der B. arm; der Erzreichtum des Harzes gehört den Übergangsgebirgen an. Von größerer ökonomischer Wichtigkeit sind die Torfmoore in den muldenförmigen Thälern, welche die Höhen des Brockengebirges trennen und lebhaft bebaut werden. Der B. spielt in der Sagenwelt Norddeutschlands eine bedeutende Rolle. Als das Christentum in diese Gegend drang, blieb die Brockenhöhe noch lange der Ort, wo man den alten Göttern im geheimen opferte, und namentlich fand am 1. Mai, als dem größten Festtag des alten Glaubens, noch viele Jahre hindurch daselbst ein geheimnisvoller, von den christlichen Priestern als gotteslästerlich verschrieener Kultus statt. Daraus entstand die uralte Sage vom Teufelsspuk auf dieser Höhe, welche, als im 16. und 17. Jahrh. der Glaube an Hexerei die Geister beherrschte, Veranlassung gab, den als Schauplatz der unheimlichsten Feste zu betrachten. Die erste Mainacht (Walpurgis) ward der Hauptfeier gewidmet, und die Besessenen aller Länder trieben dann hier oben ihr Wesen. Nachklänge dieser Feier leben noch als Sage und Märchen im Volk fort. Außer vielen Fußwegen führen zwei Fahrstraßen vom Fuß des Brockengebirges hinan, eine von Schierke aus dem Bodethal, die andre von Ilsenburg. Der Gipfel des Bergs, auf dem in der Regel vom November bis Juni Schnee liegt, ist eine etwa 2 km im Umkreis haltende unebene, baumlose, mit Granitblöcken bedeckte Fläche, auf der ein (1860 neuerbautes) Gasthaus nebst einem Turm steht, von welchem man eine herrliche Rundschau bis zu 60 km im Halbmesser (bis zum Thüringer und Habichtswald, Magdeburg etc.) genießt. Jedoch ist der Horizont nur selten ganz rein. Im Umkreis von einer Viertelstunde um das Haus sind auch die meisten Merkwürdigkeiten des Brockens vereinigt: die Teufelskanzel, der Hexenaltar etc., große Granitblöcke, welche aus dem Rohen zu Tage anstehen, dann das sogen. Schneeloch, eine tiefe, die nordwestliche Seite des Brockenkopfes spaltende Kluft, wo man im Hochsommer die botanischen Erscheinungen aller Jahreszeiten antrifft; dort wächst auch die schöne Brockenblume (Anemone alpina L.). Einen seltsamen Eindruck macht die Erscheinung des sogen. Brockengespenstes, das in nichts anderm besteht als in den Schattenbildern von Haus und Menschen in einer östlichen Nebelwand bei Sonnenuntergang (s. Glorienschein). Das Brockenfeld ist eine 992 m hoch liegende, über 7 km lange, etwa 5 km breite Sumpffläche mit mächtiger Torfbildung, die, mit Moos und Heide bekleidet, mit Felstrümmern übersäet ist und die Bode, Oker, Radau und Oder speist. Vgl. Nehse, Der B. und seine Merkwürdigkeiten (Sondersh. 1840); Leibrock, Der B. (Goslar 1864); Heyse, Zur Geschichte der Brockenreisen (4. Aufl., Aschersl. 1875, mit Übersicht der Brockenlitteratur); Jakobs, Der B. in Sage und Geschichte (Halle 1878).

Brockenmyrte, s. Empetrum.

Brockes, Barthold Heinrich, deutscher Dichter, geb. 22. Sept. 1680 zu Hamburg, bereiste nach vollendetem Studium der Rechte und halbjähriger praktischer Beschäftigung am Reichskammergericht zu Wetzlar Deutschland, Italien, die Schweiz, Frankreich, die Niederlande und Holland und kehrte gegen Ende 1704 nach Hamburg zurück, wo er ohne praktische Beschäftigung sorgenfrei seinen Lieblingsneigungen lebte. Dann in den Hamburger Senat gewählt, wurde er mit mehreren Sendungen nach Wien (1721), Kopenhagen (1724), Berlin und Hannover beauftragt, außerdem mit städtischen Ämtern (1728 und 1729 mit der städtischen Prätur) betraut und endlich Ostern 1735 zum Amtmann in Ritzebüttel (auf sechs Jahre) ernannt. Hier, in der Nähe des Meers und in einem von ihm angelegten und nach ihm benannten Lustwald, verfaßte er sein "Landleben zu Ritzebüttel", eine Reihe zum Teil recht gelungener Bilder und Szenen des Meers. Nach seiner Rückkehr von Ritzebüttel ward er 1741 zum Befehlshaber des Bürgermilitärs, 1743 zum Protoscholarchen ernannt, erfreute sich außerdem der Würde eines kaiserlichen Pfalzgrafen und starb 16. Jan. 1747. Seine Dichtungen unter dem Titel: "Irdisches Vergnügen in Gott" (Hamb. 1721 bis 1748, 9 Bde.) gehören in formeller und sprachlicher Beziehung dem Übergang von der Nachahmung der Italiener zu der der Franzosen an, zeichnen sich aber durch einen Kern selbständiger poetischer Empfindung und echter Wärme aus, welche über die komische Seite seiner naiven teleologischen Anschauung leicht hinweghilft. Er besingt Jahres- und Tageszeiten, die Elemente, die Sinne und geistigen Fähigkeiten des Menschen, Witterung, Land- und Wasserszenen, menschliche Thätigkeiten, Gewächse und Tiere, und überall fordert er zum Preis und Ruhm des allmächtigen und grundgütigen Schöpfers auf. B. übersetzte auch Marinis "Bethlehemitischen Kindermord" (Köln u. Hamb. 1715), den "Versuch vom Menschen des Herrn Pope" (Hamb. 1740) und "Thomsons Jahreszeiten" (das. 1745). Außerdem schrieb er noch ein Passionsoratorium: "Der für die Sünden der Welt gemarterte sterbende Jesus" (Hamb. 1712), das zahlreiche Auflagen erlebte, und "Schwanengesang, in einer Anleitung zum vergnügten und gelassenen Sterben" (das. 1747). Seine Selbstbiographie gab Lappenberg in der "Zeitschrift des Vereins für hamburgische Geschichte" (Bd. 2, Hamb. 1847) heraus. Vgl. Strauß, B. und H. S. Reimarus ("Gesammelte Schriften", Bd. 2); Brandl, Barth, Heinrich B. (Innsbruck 1878).

Brockhaus, Friedrich Arnold, der Begründer einer der größten Buchhandlungen Deutschlands, geb. 4. Mai 1772 zu Dortmund, errichtete, nachdem er in Düsseldorf seine Lehrzeit als Kaufmann vollendet und sich dann behufs wissenschaftlicher Fortbildung seit 1793 etwa anderthalb Jahr in Leipzig aufgehalten hatte, 1795 in seiner Vaterstadt eine Manufakturwarenhandlung, mit der er 1802 nach Amsterdam übersiedelte. Doch gab er dieselbe infolge der Kontinentalsperre bald auf und errichtete dafür 1805 eine deutsche Buchhandlung, zuerst unter der Firma "Rohloff u. Komp", welche später in "Kunst- und Industrie-Comptoir" umgeändert wurde. Das Geschäft gewann sowohl für Verlag als für Sortiment bald an Bedeutung, hatte aber unter den Zeitverhältnissen empfindlich zu leiden. Dies und Familienereignisse veranlaßten B., sein Verlagsgeschäft nach Deutschland zu verlegen, wogegen das Sortimentsgeschäft an Johannes Müller in Amsterdam überging. Nachdem er kurze Zeit in Leipzig verweilt hatte, ließ er sich 1810 in Altenburg nieder, wo er auch 1814 die Firma "F. A. Brockhaus" annahm. Hier war es vor allem das bereits 1808 von