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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Broglio; Brogniart; Brohan; Brohl; Broich; Broihan; Brokat

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Broglio - Brokat.

und die Thronbesteigung Heinrichs V. mit den Orléans als Thronfolger herbeizuführen. Als dieser Plan scheiterte, ging B. im November auf die Einsetzung des Septennats ein und übernahm in dem neugebildeten Ministerium vom 26. Nov. außer dem Vorsitz das Innere. Er regierte durchaus reaktionär und klerikal, konnte sich aber doch nicht die Gunst der Legitimisten erwerben und ward von diesen 22. Mai 1874 gestürzt, indem sie seinen Antrag, von den Verfassungsgesetzen zuerst das Wahlgesetz zu beraten, ablehnten. Durch sein Einverständnis mit den Bonapartisten, deren Schützling zu sein ihm einmal Thiers mit schneidendem Hohn vorwarf, und durch die Zerrüttung seiner finanziellen Verhältnisse schädigte er sein Ansehen ebenso wie durch seinen ränkevollen Ehrgeiz. Er ward daher 1876 erst bei einer Nachwahl in den Senat gewählt. In diesem war er der Führer der reaktionären Parteien, welche die Republik sich nicht befestigen lassen wollten, setzte 1877 bei Mac Mahon die plötzliche Entlassung Simons durch und trat 17. Mai wieder an die Spitze des Ministeriums, in dem er den Vorsitz und die Justiz übernahm. Dasselbe schrieb die Bekämpfung der radikalen Grundsätze auf seine Fahne und wandte alle Mittel des Kaiserreichs an, um durch Neuwahlen eine gefügige Kammer zu erhalten. Dies mißlang, B. wurde in seinem eignen Departement nicht gewählt und erhielt 20. Nov. seine Entlassung. Damit war seine politische Rolle für längere Zeit ausgespielt. Er widmete sich nun wieder den Studien und publizierte nach Familienpapieren das Werk über seinen Großoheim (s. oben 3); ferner die gegen Preußen sehr parteiischen Werke: "Frédéric II et Marie-Thérèse" (Par. 1882, 2 Bde.; deutsch von Schwebel, Minden 1883) und "Frédéric II et Louis XV" (1884). - Sein zweiter Sohn, Emmanuel (geb. 1854), schrieb: "Le fils de Louis XV, Louis, dauphin de France" (1877).

Broglio (spr. brollio), Emilio, ital. Schriftsteller und Staatsmann, geb. 1814 zu Mailand, studierte in Verona und Pavia die Rechte, widmete sich in Mailand nationalökonomischen Studien und ward 1842 Sekretär der Lombardischen Eisenbahngesellschaft. Seit 1846 bereitete er mit Manin die lombardisch-venezianische Erhebung vor und ward nach deren Ausbruch 1848 Sekretär der provisorischen Regierung. Nach dem unglücklichen Ausgang der Revolution widmete er sich in Piemont volkswirtschaftlichen Studien und veröffentlichte dann seine an Cavour gerichteten 25 Briefe: "Dell' imposta sulla rendita", "Del capitale in Inghilterra e negli Stati Uniti" (Tur. 1856, 2 Bde.). 1859 kehrte er nach Mailand zurück, übernahm die Leitung des Journals "La Lombardia"; 1861-76 war er Mitglied des Parlaments, und 1867 wurde er zum Minister des öffentlichen Unterrichts ernannt. In dieser Stellung förderte er auch den Grundsätzen Manzonis gemäß die Herausgabe des "Novo vocabolario della lingua parlata", dessen Redaktion er nach seinem Rücktritt (Dezember 1869) übernahm. Er schrieb: "Studii costituzionali" (Mail. 1860); "Delle forme parlamentari" (das. 1865); "Vita di Federico il Grande" (das. 1874-76, 2 Bde., die Jugendgeschichte enthaltend), dem sich "Il regno di Federico II" (das. 1879-80, 2 Bde.) anschloß.

Brogniart (spr. bronjiar), s. Brongniart.

Brohan (spr. broang), Joséphine Felicité Augustine, franz. Schauspielerin, geb. 2. Dez. 1824 zu Paris, Tochter einer namhaften Schauspielerin, trat mit 10 Jahren unter Samsons Leitung in das Konservatorium, errang schon mit 13 Jahren den zweiten und ein Jahr später den ersten Preis im Lustspiel und debütierte, noch nicht 15 Jahre alt, im Théâtre français als Dorine im "Tartuffe" mit einem solchen Erfolg, daß sie sogleich engagiert wurde. Bald wurde sie die pikanteste Darstellerin Molièrescher Charaktere. Im klassischen Repertoire war ihre Susanne in "Figaros Hochzeit" von hervorragender Bedeutung. Von ihren zahlreichen Schöpfungen und überkommenen Rollen des modernen Repertoires erwähnen wir nur die auch in Deutschland bekannten Stücke: "Die Marquise von Senneterre", "Das Fräulein von Belle-Isle", "Die Fräulein von St.-Cyr". Die Originalität der Künstlerin sprach sich in der witzig parodierten Devise der Rohans aus: "Coquette ne veux, Soubrette ne daigne, B. suis". 1868 zog sie sich von der Bühne zurück. Seit 1858 nahm sie im Konservatorium die Stelle der Rachel ein. Auch als dramatische Schriftstellerin hat sie sich einen Namen gemacht, und manche ihrer für Liebhabertheater geschriebenen Kleinigkeiten sind im Théâtre français mit Glück aufgeführt worden. - Ihre Schwester Emilie Madeleine B., geb. 21. Okt. 1833, trat ebenfalls früh in das Konservatorium, wo sie den Preis für das Lustspiel gewann, und debütierte 1850 im Théâtre français als Margarete in den "Erzählungen der Königin von Navarra". Die Grazie und Schönheit ihrer Erscheinung gewann ihr rasch die Gunst des Publikums. Sie wurde anfänglich im klassischen Repertoire verwendet, doch stellte es sich schnell heraus, daß der Schwerpunkt ihres Wirkens in modernen Stücken liege; eine ihrer Hauptrollen ist die Marquise de Maupas im "Lion amoureux". Seit 1854 ist sie mit dem Schriftsteller Mario Uchard verheiratet.

Brohl, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Ahrweiler, am Einfluß der Brohl in den Rhein und der Eisenbahn Köln-Bingerbrück, mit katholischer Kirche und (1880) 1019 Einw. Das Brohlthal in der Eifel (s. d.) wird vielfach besucht; es ist vulkanisch gebildet und besitzt Traß- und Tuffsteinbrüche, Steinhauerei und Traßmühlen.

Broich, Ort im preuß. Regierungsbezirk Düsseldorf, Kreis Mülheim, an der Eisenbahn Kettwig-Mülheim a. Ruhr, mit Eisenbahnwerkstätte, Draht- und Hanfseilerei, Papier- und Cellulosefabrikation, Bierbrauerei, Gasleitung und (1880) 2976 (2108 ev.) Einw. Dabei das alte Schloß B. (einst Sitz der Grafen von Falkenstein), in welchem die Königin Luise von Preußen vor ihrer Vermählung längere Zeit wohnte.

Broihan, s. Broyhan.

Brokat (ital.), dickes, schweres Seidenzeug, durchwebt mit Silber- oder Goldfaden (Lahn) oder mit Gold- oder Silbergespinst, welches goldene oder silberne Blumen, Zweige, Figuren etc. bildet. Die Goldfäden der alten Brokatgewebe bestehen aus einem Seiden- oder Leinenfaden, welcher mit einem vergoldeten Darmhäutchen bedeckt ist. Seidenzeug von starkem Silber- oder Goldgrund heißt Drap d'argent oder Drap d'or. Der B. war zu verschiedenen Männer- und Frauenprachtkleidern, Hauben, Möbelüberzügen etc. nach der Regel früherer Moden unentbehrlich. Er wurde zuerst am vollkommensten und in größter Menge fabriziert in Lyon, dann in Tours, Paris, Venedig, Genua etc. - Brokatelle ist ein ähnlicher Halbseidenstoff aus Seide und Baumwolle mit großen, erhabenen Blumen sowie eine Art seidene Atlastapete; Brokatpapier, farbiges Papier mit aufgestäubten Gold- und Silberfiguren.

Brokat (Brokard), den Bronzefarben (s. d.) ähnliches, aber weniger fein zerriebenes, mehr schüpp-^[folgende Seite]