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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Brokatelle - Brombeere.

chenförmiges Fabrikat, welches in der Tapeten- und Buntpapierfabrikation, zu Galanteriewaren, in der Lithographie und zu Siegellack benutzt wird. Mit dem Glättstein poliert, macht es fast den Effekt einer Blattvergoldung. Als wertvolles Surrogat dieses Fabrikats wird Glimmer auf Pochwerken zerkleinert, gemahlen und gesiebt. Die Schüppchen haben schönen Metallglanz, lassen sich färben und finden vielfache Verwendung, namentlich auch in der Blumenfabrikation.

Brokatelle, s. Brokat.

Broken-down (engl., spr. brohken-daun), in der Sprache des Rennsports s. v. w. niedergebrochen.

Broker (engl.), Makler.

Brokk und Sindri, in der nord. Mythologie zwei Zwerge (Brüder) und äußerst geschickte Metallarbeiter. Einst wettete Loki, seinen Kopf zum Pfand setzend, mit Brokk, daß sein Bruder Sindri nicht drei gleich gute Kleinode zu machen vermöge wie die von den Söhnen Iwaldis (ebenfalls Zwergen) gefertigten drei Wunderdinge: nämlich Sifs, der Gemahlin Thors, Goldhaar, Odins nie fehlender Speer Gungni und Freys Wolkenschiff Skidbladni. Da schmiedete Sindri Freys goldenen Eber Gullinbursti, Odins Ring Draupnir und Thors Hammer Mjolner, und allein schon wegen des letztern, der besten Waffe gegen die "Reifriesen", erkannte der Urteilsspruch der Asen den Arbeiten Sindris den Preis zu. Die Ausführung der Wette verhinderte Loki durch die Behauptung, nur den Kopf, nicht auch den Hals zum Pfand gesetzt zu haben; daher nähte, heißt es, Brokk dem Prahler den Mund zu.

Brom (v. griech. bromos, "übler Geruch") Br, chemisch einfacher Stoff, findet sich nicht im freien Zustand in der Natur; aber seine Verbindungen begleiten in geringer Menge nicht selten die entsprechenden Chlorverbindungen, mit welchen sie große Ähnlichkeit haben. Meerwasser enthält in 1 Lit. 0,061 g B. als Bromnatrium oder Brommagnesium (das Wasser des Toten Meers ist bedeutend reicher daran); außerdem finden sich Bromverbindungen in vielen Salzquellen (Schönebeck, Kreuznach, Sulza, Ohio, Pennsylvanien), in den Staßfurter Abraumsalzen und in ähnlichen Vorkommen in Nevada und Ostindien, in Seegewächsen und Seetieren, auch in den Steinkohlen; Bromsilber kommt als Bromit, zusammen mit Chlorsilber als Embolit vor. Wenn Meerwasser zur Gewinnung von Kochsalz verdampft wird, so kristallisieren zuerst die in großer Menge vorhandenen und schwerer löslichen Salze, vor allen das Kochsalz selbst, heraus, und die Salze, von denen das Meerwasser nur wenig enthält, sowie die leichter löslichen sammeln sich in der Mutterlauge an. Ebenso konzentrieren sich Bromverbindungen in den Mutterlaugen der Salzquellen und in denen von der Verarbeitung der Staßfurter Kalisalze bis zu 0,15 und 0,35 Proz. Bromgehalt. Zur Gewinnung des Broms aus diesen Mutterlaugen vermischt man dieselben mit Schwefelsäure, um die Chlorverbindungen in Schwefelsäuresalze zu verwandeln; die dadurch frei gemachte Chlorwasserstoffsäure verflüchtigt sich beim Erwärmen auf 120°. Die gebildeten Schwefelsäuresalze werden beim Erkalten großenteils durch Kristallisation abgeschieden, und der Rückstand ist nun noch reicher an B. Man destilliert ihn mit Braunstein und Schwefelsäure und leitet die hierbei entwickelten Bromdämpfe in Natronlauge. Dabei entstehen Bromnatrium und bromsaures Natron; man verdampft die Flüssigkeit, glüht den Rückstand, um das bromsaure Natron ebenfalls in Bromnatrium zu verwandeln, und destilliert dann abermals mit Braunstein und Schwefelsäure. Die nun übergehenden reinern Bromdämpfe verdichtet man in kalter konzentrierter Schwefelsäure. Bei dem neuern kontinuierlichen Verfahren benutzt man mehrere übereinander stehende, durch Röhren miteinander verbundene Destillationsgefäße. In das oberste dieser Gefäße tritt die bromhaltige Mutterlauge, in das unterste ein Chlorstrom und Wasserdampf. Das durch das Chlor frei gemachte B. entweicht mit etwa überschüssigem Chlor in die übrigen Gefäße, und aus dem letzten tritt reines B. in den Kühlapparat, in welchem die Bromdämpfe verdichtet werden. Ist das unterste Gefäß genügend abgetrieben, so wird der Inhalt mit Wasserdampf gekocht, um Chlor und B. vollständig auszutreiben. Die Laugen fließen dann aus jedem Gefäß in das nächst niedriger stehende, und das oberste wird mit frischer Lauge beschickt. Das rohe B. wird durch Rektifikation aus Glasretorten gereinigt. B. bildet eine dunkel braunrote, in dünner Schicht hyacinthrote Flüssigkeit vom spez. Gew. 3,19, riecht und wirkt auf den Organismus wie Chlor und erzeugt auf der Haut sofort eine Wunde. Das Atomgewicht ist 79,75, es erstarrt bei -7° (wenn es chlorhaltig ist, bei sehr viel niedrigerer Temperatur) zu einer rotbraunen, blätterigen, fast metallglänzenden Masse, es siedet bei 63°, löst sich bei 10° in 30 Teilen Wasser, leichter in Alkohol, Äther, Schwefelkohlenstoff, Chloroform, Chlor- und Bromwasserstoffsäure. Das gelbrote Bromwasser zersetzt sich am Licht, wird unter Sauerstoffentwickelung farblos und enthält dann Bromwasserstoffsäure. B. verhält sich dem Chlor sehr ähnlich, verbindet sich direkt mit Metallen, aber bei gewöhnlicher Temperatur nicht mit Wasserstoff; mit Kalilauge bildet es Bromkalium und bromsaures Kali, auch wirkt es oxydierend und daher oft bleichend und desinfizierend. Es ist einwertig, seine Verbindungen gleichen denen des Chlors, werden aber durch Chlor zersetzt. Man benutzt B. im freien Zustand nur selten; man hatte es als Arzneimittel empfohlen, ist aber von seiner Anwendung meist wieder zurückgekommen; in gewissen Fällen kann es als Desinfektionsmittel benutzt werden, weil die wässerige Lösung leichter herzustellen ist als Chlorwasser. Die Benutzung des Broms ist sehr erleichtert worden durch das von Frank angegebene Bromum solidificatum, Würfel oder Cylinder aus Infusorienerde, welche 75 Proz. ihres Gewichts B. aufgesogen enthält und nur langsam wieder abgibt. Mehrere seiner Verbindungen (Bromkalium, Bromammonium, Bromkadmium etc.) werden in der Photographie und als Arzneimittel, andre (Äthyl-, Methyl-, Amylbromür) zur Darstellung von Teerfarben benutzt, namentlich seitdem durch die Staßfurter und die nordamerikanische (Salzquellen in Ohio und Pennsylvanien, Salzlager in Churchill County in Nevada) Bromindustrie der Preis des Broms sehr gefallen ist. B. wurde 1826 von Balard in der Mutterlauge des Meerwassers entdeckt, fand aber erst in neuerer Zeit ausgedehntere Verwendung. Die Produktion beträgt etwa 5000 Ztr., davon entfallen auf Staßfurt 1000, auf Nordamerika 3650, auf Schottland 200 und auf Frankreich 100 Ztr.

Bromammonium, s. Ammoniumbromid.

Bromargyrit, s. v. w. Bromit.

Bromäther (Bromäthyl), s. v. w. Äthylbromür.

Bromatographie (griech.), Beschreibung der Nahrungsmittel; Bromatologie, Lehre von den Nahrungsmitteln.

Brombeere, s. Rubus.