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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Brosamer; Brosböll; Brosche; Broschi; Broschieren; Broschierte Gewebe

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Brosamer - Broschierte Gewebe.

Brosamer (Brösamer), Hans, deutscher Maler, Kupferstecher und Formschneider, geboren zwischen 1480 und 1490, hielt sich um 1536-50 zu Fulda auf, später in Erfurt, wo er 1552 starb. Er gehört zur Schule des Lukas Cranach. Von ihm gibt es verschiedene Kupferstiche, namentlich aber ist er durch seine Holzschnitte bekannt, die in vielen Druckwerken der damaligen Zeit erschienen. Gemälde von ihm sind selten und unbedeutend. Er gab auch ein "Kunstbüchlein" in Holzschnitt heraus, welches Vorbilder für Goldschmiede (Pokale, Schmucksachen u. dgl.) enthält (in Lichtdruck hrsg. von Lippmann, Berl. 1878).

Brosböll, Karl, dän. Schriftsteller, geb. 7. April 1820 in Jütland, widmete sich anfänglich der Malerei auf der Akademie zu Kopenhagen, ging dann aber, verwaist und ohne Vermögen, zur Schriftstellerei über und schrieb zu seinem Unterhalt Romane und Theaterstücke. Nachdem er 1844 das Examen artium bestanden, erhielt er zwei Jahre später die goldene Medaille der Universität für die Beantwortung einer ästhetischen Preisaufgabe. Bereits früher hatte er Aufmerksamkeit durch seine Novelle "Smuglerens Son" (deutsch 1848) erregt, die unter dem (auch nachher beibehaltenen) Dichternamen Carit Etlar erschienen war. Indessen wurde er erst durch seine historischen Romane: "Giöngehövdingen" ("Der Häuptling der Gjöngen", 3. Aufl. 1854) und "Dronningens Vagtmester" ("Der Wachtmeister der Königin") populär. Die Fähigkeit geschichtlicher Farbengebung und kräftiger realistischer Charakteristik, welche er hier ahnen ließ, hat er später bedeutend entwickelt, so z. B. in seinem "Herverts Krönike" (1863), "Viben Peter" (1875), "Folk i Nöd" ("Das Volk in Not", 1878), "Salomon Baadsmand" ("Salomon Bootsmann", 1880) u. a. Mit Feinheit und Sympathie zeichnete er Bilder aus dem jütischen Taterleben in "A Pleiebarn" und "Abraham, Isak og Jakob". Weniger hervorragend ist er als dramatischer Dichter ("Naar Solen gaarned", "Herr Lauge med den tunge Haand", "Rörfuglen" u. a.), obgleich seinen Schauspielen kein szenischer Effekt mangelt. Seine Reiseschilderungen: "Arabere og Kabylere" (1868), "Gionnem Ungarn og Siebenbürgen" (1871) sind voll interessanter Szenerien und malerischer Situationen. B. ist einer der produktivsten dänischen Dichter. Seine Phantasie ist außerordentlich reich und fruchtbar und sein Sinn für das Markierte und Charakteristische oft auffallend scharf. Indessen darf man nicht leugnen, daß seine leichte Art und Weise, zu produzieren, für die Entwickelung seines bedeutenden Talents nicht immer ersprießlich war. B. ist gegenwärtig Inspektor der königlichen Bibliothek zu Kopenhagen. Seine "Skrifter" erschienen in 24 Bänden (Kopenh. 1859-68); dazu "Skrifter, ny Samling" in 5 Bänden (das. 1873-79).

Brosche (franz. Broche), eigentlich Spieß, Nadel; dann ein weiblicher Brustschmuck, der sich schon in ähnlicher Form im 15. oder 16. Jahrh. in Deutschland als Fürspann und im hohen Altertum als Fibula findet. In der jetzt üblichen Form, einer Nadel mit knopfartigem Zierat aus Silber, Gold, Edelsteinen etc. darüber, kam er seit dem 17. Jahrh. in Gebrauch, wo ihn zuerst Frau von Sévigné am Hof Ludwigs XIV. getragen haben soll.

Broschi (spr. -ki), Carlo, Sänger, geb. 24. Jan. 1705 zu Neapel, wurde wegen einer durch einen unglücklichen Fall bewirkten Verletzung schon in seinem zartesten Knabenalter kastriert; um aber des Sohns Mißgeschick doch auf eine Weise zu nützen, ließ ihn der Vater, da er Stimme und Neigung zur Musik verriet, im Gesang unterrichten. Der damals berühmteste Gesanglehrer Italiens, Porpora, übernahm seine Ausbildung und löste seine Aufgabe mit solchem Eifer, daß er den Knaben sogar auf seinen Reisen mit sich nahm. Sein Umgang mit den drei Söhnen eines angesehenen Hauses zu Neapel, Farina, gab die scherzhafte Veranlassung zu Broschis Künstlernamen Farinelli, der mit ihm auf die Nachwelt gekommen ist. In seinem 17. Jahr kam B. nach Rom, wo er am Theater Aliberti debütierte und das Publikum unter anderm dadurch in Erstaunen setzte, daß er bei einem Wettstreit mit einem Trompeter des Orchesters durch die Kraft, Ausdauer und Geläufigkeit seiner Stimme den Sieg davontrug. Die Neigung zum äußerlich Effektvollen scheint ihn auch in den folgenden Jahren beherrscht zu haben, denn auf einer seiner Reisen nach Wien (1731) mußte er vom Kaiser Karl VI., während dieser ihn am Klavier begleitete, die Ermahnung hören, sich einer größern Einfachheit zu befleißigen, um nicht bloß Überraschung, sondern auch Rührung hervorzurufen. Diese Kritik sowie der Verkehr mit dem Haupte der italienischen Kunstgesangschule, Bernacchi, den er 1727 in Bologna kennen gelernt, können nicht ohne läuternden Einfluß auf Broschis Kunstanschauung geblieben sein, denn als er einige Jahre später (1734) in London auftrat, wußte er den höchsten Ansprüchen zu genügen. Von hier aus ging er nach Madrid und machte durch seinen Gesang den wunderbarsten Eindruck auf den tief melancholischen König Philipp V., der den Künstler liebgewann und sich von ihm selbst in politischen Angelegenheiten bestimmen ließ. B. ward infolge dieser Vorgänge der Liebling des königlichen Hauses, Grande von Spanien, Ritter des großen Ordens von Calatrava und erhielt zugleich das Dekret einer lebenslänglichen Anstellung als königlicher Kammersänger mit einem jährlichen Gehalt von 2000 Karolin (40,000 Mk.), der durch häufige und reiche Geschenke noch bedeutend erhöht wurde. Auch bei den Königen Ferdinand VI. und Karl III. stand B. in hohem Ansehen. Ersterer gründete nach seinem Plan eine Oper und ernannte ihn zum Direktor derselben. Im J. 1761 ging B., im Besitz eines ungeheuern Vermögens, nach Bologna zurück, baute sich dort ein Landhaus und starb 15. Juli 1782. Mit seinem großen Ruhm als Künstler vereinigte B. den Ruf eines rechtschaffenen und bescheidenen Mannes.

Broschieren (franz.), in der Buchbinderei das leichte Zusammenheften der einzelnen Bogen eines Buches und Binden derselben (s. Buchbinden) nur in Papier oder dünne Pappe (steif b.). Die zum Umschlag dienende Pappe oder das (meist bunte) Papier ist mit dem Haupttitel des Buches versehen. Die buchhändlerische Sitte, Druckschriften broschiert zu versenden, ist in Frankreich, England und Belgien zuerst allgemein geworden.

Broschierte Gewebe, gemusterte Gewebe, bei welchen die vom Grund sehr effektvoll sich abhebenden Muster dadurch hervorgebracht werden, daß man außer dem Einschuß für das Grundgewebe (Grundschuß) noch einen besondern, nur in der Figur zum Vorschein kommenden Einschuß (Figurschuß) anwendet. Letzterer geht entweder über die ganze Kettenbreite und liegt außerhalb des Musters auf der linken Seite ganz glatt oder nur durch einzelne Kettenfäden an wenigen Punkten gebunden (lancierte Stoffe), oder er geht nur im Muster hin und her, kehrt an dessen Rändern um und läßt auch auf der linken Seite die Grundstelle unbedeckt (broschierte Stoffe im engern Sinn).