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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Brun-Rollet; Bruns

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Brun-Rollet - Bruns.

phantastisch-pantheistischen Naturphilosophie ausbildete. Grund und Ursache von allem ist nach ihm das Eine, in welchem Alles und das selbst in Allem ist, weder stofflose Seele noch seelenloser Stoff, sondern beseelt und beseelend, natura naturans und natura naturata, Kleinstes, weil es im Kleinsten, und Größtes, weil alles Kleinere in ihm ist, das ins Unendliche sich ausdehnende, raumzeitliche Universum. Eines Gottes im Sinn der von ihm verachteten peripatetischen Scholastiker, eines extramundanen Bewegers bedarf es nicht; das All ist sein eigner Beweger und sein eignes Bewegtes ohne Anfang und Ende in der Zeit wie ohne Grenze und Mittelpunkt im Raum. Seine endlichen Teile sind die unzählbaren nebeneinander existierenden, relativ abgeschlossenen Welten, deren eine unser (kopernikanisch um die Sonne als Zentrum sich bewegendes) Sonnensystem ist; Teile jeder derselben die rotierenden planetarischen und kometarischen Weltkörper, deren einer unsre (exzentrische) Erde ist, und die sämtlich gleich dieser beseelt und sich selbst bewegend und ihrerseits die Wohnstätte der beseelten und lebendigen Naturkörper bis herab zu den kleinsten nicht weiter teilbaren metaphysischen Einheiten (Monaden) der Pflanzen-, Tier- und Menschenindividuen sind. Jedes der letztern stellt folglich eine (engste) Konzentration des gesamten Alls (die Welt im Kleinen) sowie dieses umgekehrt eine schrankenlose Erweiterung des Einzelnen (des Individuums im Großen, monas monadum) dar; das Endliche ist dem Unendlichen wie dieses jenem innerlich verwandt und daher das Ganze ebenso in jedem Teil wirkend wie der Mensch als Teil des Universums im ganzen letztern "erkennend" gegenwärtig. Dem unzerreißbaren Zusammenhang zwischen dem Größten und Kleinsten, Entferntesten und Nächsten, der ebenso Notwendigkeit als um der schlechthinnigen Selbständigkeit und Unabhängigkeit des Universums willen Freiheit heißen darf, im Realen entspricht das ununterbrochene Aufsteigen vom Kleinsten zum Größten, vom Nächsten zum Fernsten (vom Menschen zur Gottheit) im Idealen; wie der wirkende Einfluß vom ersten Grunde, dem Fernsten, so hebt die erkennende Einsicht von dem Eindruck der Sinne, dem Nächsten, an, dort, um bis zu den nächstgelegenen Wirkungen hinab-, hier, um bis zu den höchsten Vernunftfolgerungen hinaufzusteigen. Während aber das Ganze als Ganzes stets unverändert bleibt, sind die Teile desselben (die einzelnen Welten, Weltkörper und Weltwesen) in steter Wandlung begriffen; die ganze Fülle der Möglichkeit, die im unendlichen Raum an den verschiedensten Orten und Individuen zugleich nebeneinander existiert, wird an und von jedem derselben in der unendlichen Zeit nacheinander verwirklicht. Folge davon ist, daß allmählich die Pflanzen- zur Tier-, diese zur Menschenseele etc., letztere selbst aber stufenweise vom niedersten zum höchsten Grade der (erkennenden und sittlichen) Vollkommenheit emporsteigt. Diese an Platon und die Stoiker anklingende, auch an Leibniz (bei welchem der Ausdruck Monade für die metaphysischen Einheiten wieder erscheint) mahnende, von B. mehr in mystischer Seher- als nüchterner Denkerweise vorgetragene Lehre ist unter den Neuern zuerst von Jacobi im Anhang zu dessen "Spinoza" (Werke, IV, Abt. 1), dann von Schelling im "Bruno" (Berl. 1802) und Steffens ("Nachgelassene Schriften", das. 1816) der Vergessenheit entrissen worden. Die Originalausgaben der Schriften Brunos sind selten. Die italienischen sind von Wagner in den "Opere di G. B." (Leipz. 1830, 2 Bde.) mit Einleitung herausgegeben, die lateinischen von Fiorentino (Neap. 1883 ff.), zum Teil auch von Gfrörer in dem "Corpus philosophorum" (Stuttg. 1834-35) gesammelt. Die Schrift "De umbris idearum" (Par. 1582), die nur noch in vier Exemplaren existiert, hat S. Tugini neuerdings (Berl. 1868) herausgegeben. Vgl. Bartholmeß, Jordano B. (Par. 1846, 2 Bde.); Clemens, Giordano B. und Nikolaus von Cusa (Bonn 1847); Berti, Vita di Giordano B. (Flor. 1868); Derselbe, Documenti intorno a G. B. (das. 1880); Sigwart, Die Lebensgeschichte G. Brunos (Tübing. 1880); Brunnhofer, G. Brunos Weltanschauung und Verhängnis (Leipz. 1883); Plumptree, Life and works of Giordano B. (Lond. 1884, 2 Bde.).

Brun-Rollet (spr. bröng-rollä), Anton, Reisender, Franzose von Geburt, war viele Jahre hindurch sardinischer Konsul in Chartum, von wo er mehrmals den Weißen Nil befuhr und 1856 in den Bahr el Gazal gelangte, welchen er eine Strecke stromauf verfolgte und für den wahren Nil erklärte. Durch B., der in ganz Nubien als "Kaufmann Jakob" bekannt war, wurden jene an Elfenbein so reichen Gebiete am Bahr el Gazal eigentlich dem Verkehr erschlossen. Er starb 1858.

Bruns, 1) Paul Viktor von, Chirurg, geb. 9. Aug. 1812 zu Helmstedt, studierte seit 1831 in Braunschweig, Tübingen, Halle und Berlin, ließ sich 1837 in Braunschweig als Arzt nieder, lehrte daselbst seit 1839 Anatomie und schrieb sein "Lehrbuch der allgemeinen Anatomie" (Braunschw. 1841), wandte sich aber dann ausschließlich der Chirurgie zu und wurde 1843 als ordentlicher Professor der Chirurgie nach Tübingen berufen. Hier wirkte er bis 1882 und starb 19. März 1883. Auf allen Gebieten der Chirurgie thätig, hat sich B. besonders als Spezialarzt für Kehlkopfkrankheiten einen über Deutschlands Grenzen weit hinausgehenden Ruf erworben. Er verfügte über eine außerordentlich sichere und glänzende Technik im Gebrauch des Kehlkopfspiegels, dessen Anwendung er vielfach, namentlich auch in Bezug auf den hierzu erforderlichen Beleuchtungsapparat, vervollkommt hat. Er schrieb: "Handbuch der praktischen Chirurgie" (Tübing. 1854-60, 2 Bde.; mit Atlas 1853 ff.); "Durchschneidung der Gesichtsnerven beim Gesichtsschmerz" (Tübing. 1859); "Behandlung schlecht geheilter Beinbrüche" (Berl. 1861); "Die erste Ausrottung eines Polypen in der Kehlkopfhöhle ohne blutige Eröffnung der Luftwege" (2. Aufl., Tübing. 1862; Nachtrag 1863); "Chirurgische Heilmittellehre" (das. 1868-73); "Arzneioperationen oder Darstellung sämtlicher Methoden der manuellen Applikation von Arzneistoffen" (das. 1869); "Die Laryngoskopie und laryngoskopische Chirurgie" (das. 1865, mit Atlas; 2. Ausg. 1873); "Die Galvano-Chirurgie" (das. 1870); "Die galvanokaustischen Apparate und Instrumente" (das. 1878); "Die Amputation der Gliedmaßen durch Zirkelschnitt mit vordern Hautlappen" (das. 1879).

2) Karl Georg, ausgezeichneter Romanist, geb. 24. Febr. 1816 zu Helmstedt, studierte in Göttingen, Heidelberg, Tübingen, habilitierte sich hier 1840 als Privatdozent und ward 1844 außerordentlicher Professor. Seit 1849 als ordentlicher Professor der Rechte an den Universitäten Rostock, Halle, Tübingen thätig, folgte er 1861 einem Ruf an die Universität Berlin, wo er 1872 zum Geheimen Justizrat ernannt wurde. Er starb 10. Dez. 1880 daselbst. Sein Hauptwerk ist "Das Recht des Besitzes im Mittelalter und in der Gegenwart" (Tübing. 1848), welches dem berühmten Savignyschen Werk über den Besitz ebenbürtig und ergänzend zur Seite steht. Außerdem schrieb er neben