Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Buchdruckerkunst

548

Buchdruckerkunst (Geschichte der Erfindung).

nesischen üblichen senkrechten Zeilentrennungslinien versehenen Formen zusammenstellte, sie durch löslichen Kitt zu einer unbeweglichen, durch die Operation des Überbürstens nicht verschiebbaren Platte verbindend, nach derselben aber den Kitt wieder herausschmelzend, um die Wortzeichen abermals benutzen zu können. Nach seinem Tod sollen indessen seine Zeichen verloren gegangen und auch seine Druckmethode soll bald vergessen worden sein. Den Abdruck der Wortbilder soll Piching in gleicher Weise ausgeführt haben, wie es seine Vorgänger thaten, und wie es seine Nachfolger thun: auf den Holzblock, in welchen die Chinesen von heute die Wortzeichen erhaben schneiden, wird mit einem breiten Pinsel eine ziemlich flüssige Farbe aufgetragen, sodann das Papier aufgelegt und mit einer kurzhaarigen, weichen Bürste überrieben, ein Verfahren, wie es ähnlich auch die deutschen und niederländischen Holztafeldrucker geübt haben, deren Drucke ebenso wie die chinesischen nur auf Einer Seite des Papiers (anapistographisch) erfolgen konnten. Kaiser Kanghi, 1662 in China zur Regierung gelangt, hat auf Veranlassung von Jesuitenmissionären zuerst wieder bewegliche Wortbilder, jedoch nur in sehr beschränktem Maß und für öfters wiederkehrende Werke, in Kupfer schneiden lassen; das verhältnismäßig wertvolle Material aber soll diesen Typen verhängnisvoll geworden sein: ein späterer Kaiser ließ sie bei Geldknappheit einschmelzen, und heute noch dient in China beim Bücherdruck der rohe Holzschnitt, wie er schon vor jetzt fast 1000 Jahren daselbst gedient hat.

Das Prinzip des Druckes, sofern darunter nur das Einprägen von Schriftzeichen behufs Mitteilung oder Aufzeichnung von Thatsachen verstanden wird, läßt sich übrigens noch viel weiter zurückverfolgen. In den Gräbern von Theben und zu Babylon sind Ziegel mit eingeprägten Inschriften gefunden worden; ganz mit Schriftcharakteren bedeckte, vermittelst gravierter Formen hergestellte gebrannte Thoncylinder vertraten den alten Assyrern die Stelle der Chroniken; in Athen wurden Landkarten in dünne Kupferplatten graviert; römische Töpfer stempelten die von ihnen erzeugten Geschirre mit den Namen der Besteller oder mit der Angabe des Zweckes, für welche sie bestimmt waren; ja, reiche Römer gaben ihren Kindern aus Elfenbein oder aus Metall erzeugte Alphabete zur Erleichterung des Lesenlernens, und ein auf diese geschnitzten einzelnen Buchstaben und ihre Zusammensetzbarkeit bezüglicher Ausspruch Ciceros enthält in klaren Worten das Prinzip des Typensatzes, und doch mußten noch anderthalb Jahrtausende vergehen, ehe dieser wirklich erfunden wurde! Es fehlte im Altertum nicht nur an dem für den Druck bestgeeigneten Material, dem Papier, es war auch infolge des durchaus öffentlichen, die mündliche Mitteilung vor allem erleichternden Lebens der Alten kein allgemeines Lesebedürfnis vorhanden unter den Massen; den Erfordernissen der Gebildeten und Gelehrten aber konnte durch die namentlich bei den Römern außerordentlich gepflegte und besonders durch Sklaven geübte Kunst des Abschreibens vollständig Genüge geleistet werden. Auch die folgende Zeit bot keinen geeigneten Boden für große Erfindungen, aber sie bereitete ihn vor. Was nach dem Niedergang des römischen Reichs und der Völkerwanderung von Gelehrsamkeit übriggeblieben, hatte fast ausschließlich die Ruhe und den Schutz der Klöster aufgesucht; die Kreuzzüge jedoch brachten ein frischeres geistiges Leben, ein gewisses Interesse für die jenseit der eignen Burg- oder Stadtmauer liegenden Dinge unter das Laienpublikum, und hieraus erwuchs allmählich das Verlangen nach Unterricht und Bildung des Geistes. Dieses Verlangen wurde immer mächtiger, als von freisinnigen Herrschern weltliche Hochschulen gegründet wurden; ihm vermochte bald nicht mehr die Thätigkeit sich mit Bücherabschreiben beschäftigender Mönche zu genügen; eine eigne Kopistenzunft bildete sich neben ihnen, und diese hat wohl die erste Veranlassung gegeben zur Entstehung der sogen. Briefmaler und Kartenmacher, aus denen wiederum Formschneider und Briefdrucker hervorgingen. Die Thätigkeit dieser letztern, die sich bis zum Beginn des 13. Jahrh. zurückverfolgen läßt, richtete sich zunächst nach dem Bedürfnis der großen Masse des Volkes und paßte sich dessen Verständnis an: in die bildliche Darstellung wurde der Schwerpunkt gelegt; die Erläuterung durch Worte war eine höchst einfache und nebensächliche. Doch bald räumte man dieser einen größern Raum ein, häufig in Form von aus dem Munde der handelnden Personen wehenden Schriftbändern, bis man endlich auch Bücher, allerdings von sehr geringem Umfang, ohne jede Bilderbeigabe, nur mit Text, druckte. Zur Herstellung der Druckplatten bediente man sich zuerst dünner Metalltafeln, in die man die Zeichnung eingrub, dabei entweder nur deren Umrißlinien erhaben stehen lassend, alles übrige aber hinwegstechend, oder man verfolgte das umgekehrte Verfahren, d. h. man schnitt nur die Umrisse in die Platte, so daß diese beim Druck weiß erschienen, während der Körper der Figur und deren Umgebung schwarz bleiben mußten. Ein gleiches Resultat ergab das heute "Schrotmanier" genannte Verfahren; statt die Umrißlinien auszuschneiden, schlug man sie mit Punzen in die Platte, so daß sie sich beim Abdruck als dichte Reihen kleiner Punkte zeigten, ein Verfahren, das vermutlich in den Werkstätten den Gold- und Silberarbeiter seinen Ursprung hatte. Als das Verlangen nach bildlichen Darstellungen sich mehr und mehr verallgemeinerte, ging man von den Metallplatten zu den billigern und leichter zu bearbeitenden Holzplatten über; das Messer trat an die Stelle des Stichels, das Ergebnis aber konnte, namentlich auch infolge des Längsschnitts des Holzes, nur ein weniger gutes sein: man hat diese primitiven Erzeugnisse des Holzschnitts, deren erster datierter ein großer Christoph von 1423 ist, mit dem allgemeinen Namen der Holztafeldrucke bezeichnet. (Ein andrer, in der königlichen Bibliothek zu Brüssel aufbewahrter Holzschnitt, die Muttergottes mit dem Christuskind darstellend, trägt die Jahreszahl 1418, deren Echtheit indes vielfach in Zweifel gezogen worden ist.) Ob diese Drucke auch in Wirklichkeit Drucke, d. h. mit Hilfe einer Presse erzeugt, oder nicht vielmehr nur vermittelst eines Reibers hergestellt waren, ist eine noch unerledigte Streitfrage; nicht unwahrscheinlich ist es, daß sich manche Formschneider der Presse, andre nur des Reibers bedienten; Thatsache ist aber, daß diejenigen ihrer Erzeugnisse, welche bis auf unsre Zeit gekommen, anapistographische Drucke, d. h. nur auf eine Seite des Papiers gedruckt sind.

Von den Büchern, welche ohne Abbildungen gedruckt worden sind, als Holztafeldrucke, ist das bekannteste ein Donat genanntes Schulbuch, ein kurzer Auszug in Fibelform aus der Sprachlehre des römischen Grammatikers Älius Donatus. Doch ist nicht erwiesen, daß der Druck dieser Donate schon längere Zeit vor der Erfindung der B. stattgefunden habe, während feststeht, daß man sich der Holztafeln noch