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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Buchnüsse; Buchon; Buchreligion

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Buchnüsse - Buchreligion.

"Leonce und Lena", voll Geist, Witz und kecker Laune; ferner eine "Geschichte der philosophischen Systeme von Cartesius bis Spinoza" und eine "Geschichte der ältern griechischen Philosophie". Eine kritische Gesamtausgabe von Büchners "Werken nebst dem handschriftlichen Nachlaß" wurde von K. F. Franzos (Frankf. a. M. 1879) veranstaltet.

2) Luise, bekannte Schriftstellerin, Schwester des vorigen, geb. 12. Juni 1823 zu Darmstadt, lebte in Darmstadt, wo sie 28. Nov. 1877 starb. Ihr erstes Schriftchen: "Die Frauen und ihr Beruf" (Frankf. a. M. 1855; 5. Aufl., Leipz. 1883), erregte um seiner gefunden Anschauungen willen ein gewisses Aufsehen. Demnächst erschienen von ihr: Novellen ("Aus dem Leben", Leipz. 1861); "Dichterstimmen aus Heimat und Fremde" (Anthologie, 5. Aufl., Halle 1876); der Roman "Das Schloß zu Wimmis" (Leipz. 1864); ein Band eigner Gedichte: "Frauenherz" (2. Aufl., Berl. 1866); "Weihnachtsmärchen" (2. Aufl., Glogau 1882); "Klara Dettin, erzählendes Gedicht" (das. 1874) u. a. In der sogen. Frauenfrage zeigte sich Luise B. höchst thätig. Sie war Vizepräsidentin des Alice-Vereins (s. d.), Mitbegründerin des Alice-Lyceums in Darmstadt, an welchem sie sich selbst durch fortlaufende Vorträge beteiligte, aus denen ihre "Deutsche Geschichte von 1815 bis 1870" (Leipz. 1875) hervorging. Von ihren übrigen Schriften sind anzuführen: "Praktische Versuche zur Lösung der Frauenfrage" (Berl. 1870); "Über weibliche Berufsarten" (Darmst. 1872); "Die Frau. Hinterlassene Aufsätze, Abhandlungen und Berichte zur Frauenfrage" (Halle 1878) und "Nachgelassene belletristische und vermischte Schriften" (Frankf. a. M. 1878, 2 Bde.).

3) Louis, naturwissenschaftlicher Schriftsteller, Bruder der vorigen, geb. 29. März 1824, studierte in Gießen Medizin, lebte dann einige Zeit als Arzt in seiner Vaterstadt und habilitierte sich 1852 als Privatdozent zu Tübingen. Hier rief er indessen durch seine im Geiste des modernen Materialismus gehaltene und für dessen Popularisierung mit Erfolg wirkende Schrift "Kraft und Stoff" (Frankf. a. M. 1855, 15. Aufl. 1883) einen so heftigen litterarischen Kampf hervor, daß er seine akademische Stellung aufgeben mußte und nach Darmstadt zurückkehrte, wo er seine ärztliche Praxis wieder aufnahm. Er veröffentlichte noch: "Natur und Geist" (3. Aufl., Leipz. 1876); "Physiologische Bilder" (2. Aufl., das. 1872); "Aus Natur und Wissenschaft" (3. Aufl. 1874, 2. Bd. 1884); "Sechs Vorlesungen über die Darwinsche Theorie etc." (4. Aufl., das. 1876); "Der Mensch und seine Stellung in der Natur" (2. Aufl., das. 1872); "Der Gottesbegriff und seine Bedeutung in der Gegenwart" (2. Aufl., das. 1874); "Aus dem Geistesleben der Tiere" (3. Aufl., Berl. 1880); "Liebe und Liebesleben in der Tierwelt" (das. 1879); "Licht und Leben" (Leipz. 1881); "Die Macht der Vererbung" (das. 1882). Auch übersetzte er Lyells Werk "Das Alter des Menschengeschlechts" (2. Aufl., Leipz. 1873).

4) Alexander, Schriftsteller, Bruder der vorigen, geb. 25. Okt. 1827, habilitierte sich 1852 als Privatdozent an der philosophischen Fakultät zu Zürich, trat 1857 in den französischen Staatsdienst und ist seit 1862 Professor der fremden Litteraturen zu Caen. Er schrieb: "Geschichte der englischen Poesie" (Darmst. 1855, 2 Bde.); "Französische Litteraturbilder" (Frankf. a. M. 1858, 2 Bde.); "Lautverschiebung und Lautverwechselung, Abhandlung über deutsche Phonologie" (Darmst. 1863); "Jean Paul in Frankreich" (Stuttg. 1863); "Der Wunderknabe von Bristol" (Leipz. 1861); "Chatterton", "Lord Byrons letzte Liebe" (Novellen, das. 1862) etc.; ferner in französischer Sprache: "L'école romantique et la jeune Allemagne"; "Le roman réaliste en Allemagne"; "Les comédies de Shakespeare" (Caen 1864); "Hamlet le Danois" (Par. 1878) u. a. Mit L. Dumont übersetzte er Jean Pauls "Vorschule der Ästhetik" (1862).

Buchnüsse, s. Buche.

Buchon (spr. büschóng), Jean Alexandre, franz. Geschichtsforscher, geb. 21. Mai 1791 zu Menetou-Salon (Cher), trat früh als oppositioneller Journalist auf, weshalb seine ersten Schriften, z. B. "Vie de Tasse" (Par. 1817), verboten wurden. 1821 hielt er Vorlesungen über die Geschichte der dramatischen Kunst in England, sodann bereiste er einen großen Teil Europas, um Materialien zu sammeln für eine "Collection des chroniques nationales françaises, écrites en langue vulgaire du XIII. au XVI. siècle" (Par. 1824-29, 47 Bde.), die er mit den "Chroniques de Froissart" eröffnete (1824-26, 15 Bde.). Zu vielen Chroniken und Geschichtsquellen schrieb er die nötigen Einleitungen. Ferner gab er die "Chroniques étrangères relatives aux expéditions françaises pendant le XIII. siècle" (Par. 1840) heraus. Durch die "Esquisse des principaux faits de nos annales nationales du XIII. au XVII. siècle" (Par. 1840) suchte er das Studium dieser Geschichtsquellen zu befördern. Vom Ministerium Martignac wurde er 1828 zum Inspektor der Archive und Bibliotheken Frankreichs und 1829 zum Generalinspektor der Departemental- und Kommunalarchive ernannt, aber vom Ministerium Polignac wieder beseitigt. Seitdem lebte B. ganz seinen Studien in Paris, wo er 29. April 1846 starb. Bemerkenswert ist seine "Histoire populaire des Français" (Par. 1832). Über seine Reisen berichtete er in "Quelques souvenirs de courses en Suisse et dans le pays de Bade" (Par. 1836) und "La Grèce continentale et la Morée" (das. 1843). Griechenland insbesondere bereiste er für seine "Recherches et matériaux pour servir à une histoire de la domination française dans les provinces démembrées de l'empire grec" (Par. 1840); "Nouvelles recherches historiques sur la principauté française de Morée" (das. 1845, 2 Bde.). Auch die unvollendet gebliebene "Histoire des conquètes et de l'établissement des Français dans les états de l'ancienne Grèce sous les Ville-Hardouin" (Par. 1846, Bd. 1) hat hohen Wert. Die "Histoire universelle des religions, théogonies, symboles, mystères, dogmes, etc." (Par. 1844-46, 5 Bde.) wurde unter Buchons Leitung begonnen.

Buchreligion nennt man die Religion der Chinesen wegen der fünf Kings des Konfucius und des Taoteking des Laotse, die der Inder wegen der brahmanischen Weden und des buddhistischen Tripitaka, die der Perser wegen des Avesta, die der Juden und Christen wegen der Bibel und die der Mohammedaner wegen des Korans. Nur diesen Religionen ist Dauer verbürgt, weil ihre "heiligen Schriften" den steten Verjüngungsquell für sie bilden. Darauf beruht bei aller damit verbundenen Unfreiheit die Zug- und Lebenskraft, die z. B. selbst der Islam allem Gerede von seiner Selbstauflösung zum Trotz offenbart. Ebenso erfahrungsgemäß aber enthält die Vorstellung der Inspiration, welche in irgend einer Gestalt von allen Buchreligionen zu Hilfe gerufen wird, um den schriftlichen Religionsunterlagen eine übernatürliche Autorität zu sichern, eine wirksame Herausforderung zur Kritik, zunächst ebendieser Religionsbücher, sodann auch der auf sie gegründeten Glaubensformen selbst.