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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Büdingen; Büdinger; Budissin; Büdös; Budrun; Budscha; Budschak; Budsin; Budua; Budweis

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Büdingen - Budweis.

Büdingen, Kreisstadt in der hess. Provinz Oberhessen, inmitten herrlicher Waldungen (Büdinger Wald), am Seemenbach und an der Oberhessischen Eisenbahn (Gießen-Gelnhausen), hat ein Amtsgericht, eine evang. Pfarrkirche, ein Residenzschloß des Grafen von Isenburg-B., ein Gymnasium, Ackerbau- und Gewerbeschule, Wollspinnerei, eine Braunkohlengrube, Sandsteinbrüche und (1880) 2684 meist evang. Einwohner. B. kommt urkundlich schon im 12. Jahrh. vor und erhielt 1353 Stadtgerechtigkeit. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt 1634 von den Kaiserlichen erobert; von den einstigen Befestigungen zeugen noch jetzt stattliche Ringmauern und Türme sowie das durch seine gotischen Ornamente interessante Jerusalemthor. In B. war es auch, wo 1817 bei dem Reformationsjubiläum zuerst sich Reformierte und Lutheraner kirchlich vereinigten. Im Schloßgarten (Hain genannt) entspringen zwei Mineralquellen, deren Wasser vorwiegend salinische Bestandteile mit geringer Beimischung von Eisen und Schwefel enthält. Geologisches Interesse bietet in nächster Nähe der den Sandstein durchbrechende Basaltkegel: der wilde Stein.

Büdinger, Max, Geschichtsforscher, geb. 1. April 1828 zu Kassel, Sohn des jüd. Pädagogen Moses B. (gest. 1841 in Kassel), widmete sich seit 1847 zu Marburg, Bonn und Berlin philosophischen und historischen Studien, habilitierte sich 1851 als Dozent an der Universität Marburg, wandte sich jedoch, da er als Jude keine Aussicht auf Beförderung hatte, nach Wien. 1861 folgte er einem Ruf als ordentlicher Professor der allgemeinen Geschichte an der Universität zu Zürich und kehrte 1872 in gleicher Eigenschaft nach Wien zurück, wo er 1877 zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften ernannt wurde. Von Büdingers anregender Thätigkeit als Lehrer zeugen die von ihm herausgegebenen Arbeiten seiner Schule: "Untersuchungen zur römischen Kaisergeschichte" (Leipz. 1868-70, 3 Bde.) und "Untersuchungen zur mittlern Geschichte" (das. 1871, 2 Bde.). Von Büdingers Arbeiten sind namentlich folgende zu nennen: "Die Königinhofer Handschrift und ihr neuester Verteidiger" (Wien 1859), worin er die Unechtheit dieses angeblichen altböhmischen Sprachdenkmals erwies; "Zur Kritik der altbayrischen Geschichte" (das. 1857); "Zur Kritik der altböhmischen Geschichte" (das. 1857); "Österreichische Geschichte bis zum Ausgang des 13. Jahrhunderts" (Leipz. 1858, Bd. 1); "Ägyptische Einwirkungen auf hebräische Kultur" (Wien 1872-74) und "Zur ägyptischen Forschung Herodots" (das. 1872); "Ein Buch ungarischer Geschichte, 1058-1100" (Leipz. 1866); "Nachrichten aus altrussischen Jahrbüchern" (Wien 1859); "König Richard III. von England" (das. 1858); "Wellington" (Leipz. 1869); "Lafayette" (das. 1870); "Lafayette in Österreich" (Wien 1878); "Vorlesungen über englische Verfassungsgeschichte" (das. 1880); "Cicero und der Patriziat" (das. 1881).

Budissin, wend. Name der Stadt Bautzen (s. d.).

Büdös (spr. -dösch), vulkan. Berg im Csiker Gebirge, nordwestlich von Kezdi-Vásárhely im ungarischen Komitat Csik, ist konisch gebaut, steil, 916 m hoch und durch vier Schwefelhöhlen und kalte Schwefelquellen (über 30) merkwürdig.

Budrun, türk. Stadt auf der Westküste Kleinasiens, Wilajet Aidin, am Meerbusen von Ko, mit 5-6000 Einw. und zwei Häfen, deren kleinerer als Kriegshafen dient. B. ist das alte Halikarnassos (s. d.), von dem noch Reste des prächtigen Mausoleums und eines großen Amphitheaters zu sehen sind.

Budscha, afrikan. Volksstamm, s. Bedscha.

Budschak (Budjak), einheimische Bezeichnung für die sonst unter dem Namen Bessarabische Steppe bekannte flache, fruchtbare, aber waldlose Niederung im russischen Gebiet Bessarabien (s. d.), die in der Nähe des Meers und der Mündungsarme der Donau häufigen Überschwemmungen ausgesetzt ist. Sie besteht aus zwei völlig kontrastierenden Teilen. Der niedere, am Schwarzen Meer liegende Teil bringt auf einer rötlichen, mit Eisenteilen geschwängerten Erde nur Sodapflanzen, die meist ein rauchfarbiges Ansehen haben, einige Mimosen, Disteln etc. hervor, wogegen der höhere, von Steppenflüssen durchzogene, mit Humus bedeckte Strich von zahlreichen Kolonistendörfern besetzt ist. Doch ist auch dieser völlig strauchlos, und Schilfrohr und Mist nebst dem eigentümlichen Steppengras (Burian) bilden die einzigen Feuerungsmittel. Während früher hier nur nogaische Tataren nomadisierten, beträgt die Zahl der im B. fest angesiedelten Bewohner, die aus Moldauern, Russen, Polen, Griechen und besonders Bulgaren und Deutschen bestehen (letztere meist aus Preußen eingewandert), gegenwärtig über 80,000, die zum Teil reich begütert sind.

Budsin, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Bromberg, Kreis Kolmar, an der Posen-Stolpmünder Eisenbahn, mit (1880) 11,923 meist kath. Einwohnern.

Budua (Budva), kleine Seestadt in Dalmatien, Bezirkshauptmannschaft Cattaro, auf einer Landzunge südlich von Cattaro gelegen, mit einem Kastell, einer Reede für große Schiffe, einem Bezirksgericht und (1880) 914 Einw. Südlich dabei Torre Boscovich, ein halb verfallener Turm. Das alte Butua war im Mittelalter Sitz eines Bischofs; 1571 wurde es durch den Kommandanten Pasqualigo an die Türken verraten, später von den Venezianern erobert und stark befestigt. Durch ein Erdbeben 1667 großenteils zerstört, konnte es doch schon 1686 einer Belagerung der Türken widerstehen.

Budweis (tschech. Budejovice), Stadt im südlichen Böhmen, am Zusammenfluß der Moldau und Maltsch und an der Franz-Josephsbahn (Linien Wien-Eger und B.-Wessely), in welche hier die Linie Linz- B. der Elisabethbahn mündet, in fruchtbarer Ebene gelegen, besteht aus der eigentlichen (innern) Stadt und drei Vorstädten. Hauptgebäude sind: der Dom mit Glockenturm, die bischöfliche Residenz, das Rathaus auf dem mit Laubengängen umgebenen großen Ringplatz, mit Museum, das Stadttheater, die Kaserne und das 1872 erbaute deutsche Vereinshaus. Die Zahl der Einwohner beträgt (1880) 23,845, wovon 800 Mann Militär. Die Industrie ist sehr bedeutend und besteht hauptsächlich in der Fabrikation von Steingutwaren, Thonöfen, Bleistiften, Maschinennägeln, Drahtstiften, Nadeln, Zündwaren, Goldleisten und Rahmen, Bier (Brauhaus der Bürgerschaft mit 55,000 hl jährlicher Produktion), Spiritus, Likör, ferner der Holzimprägnierung, Buchdruckerei und der ärarischen Zigarrenfabrikation; auch der Mühlenbetrieb ist ansehnlich. Der lebhafte Handel führt auf der Moldau und zu Lande hauptsächlich Getreide, Brenn- und Bauholz, Salz und Graphit aus. Die Stadt ist Sitz der Bezirkshauptmannschaft, eines Kreisgerichts, einer Finanzbezirksdirektion, eines Revierbergamtes, einer Betriebsdirektion für Staatseisenbahnen, eines Brigadekommandos und einer Handelskammer, ferner eines Bischofs und eines Domkapitels, hat eine Sparkasse (6 Mill. Gulden Einlagen) und an Unterrichtsanstalten eine theologische Diözesanlehranstalt, ein deutsches u. ein tschechisches Obergymnasium, eine Lehrerbildungs-^[folgende Seite]