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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bülow

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Bülow.

sen Streifzügen er sich mehrfach auszeichnete. Nach dem Frieden widmete er sich dem diplomatischen Fach, arbeitete unter dem Staatsminister Wilhelm v. Humboldt, als dieser zu Frankfurt a. M. die Grenzregulierung der deutschen Territorien leitete, und folgte ihm 1817 als Gesandtschaftssekretär nach London und 1819 nach Berlin, wo er im auswärtigen Amte den Vortrag über Handels- und Schiffahrtssachen übernahm. Hier vermählte er sich 1820 mit Humboldts jüngerer Tochter. Er war besonders für die Anbahnung des Zollvereins durch Abschluß von Zollverträgen mit den Nachbarstaaten mit Erfolg thätig. Auch als Gesandter in London, wozu er 1827 ernannt wurde, wirkte er für den Zollverein. Er erwarb sich das Vertrauen der englischen Staatsmänner und hatte an den Verhandlungen über Belgien und die orientalische Frage (1840-41) hervorragenden Anteil. Im Herbst 1841 wurde er Gesandter beim Bundestag zu Frankfurt a. M., aber schon 2. April 1842 an der Stelle des Grafen von Maltzan zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten ernannt. Er und der Kriegsminister v. Boyen vertraten zwar die liberalere Richtung im Ministerium, übten aber nur geringen Einfluß auf die allgemeine Politik. B. schied 1845 aus dem Ministerium, zog sich nach Tegel zurück und starb 6. Febr. 1846 in Berlin.

5) Frederik Rudbek Henrik von, dän. General, geb. 1791 zu Nustrup in Schleswig, trat 1804 als Leutnant in die dänische Armee, nahm an dem nach der Belagerung Kopenhagens durch die Engländer 1807 folgenden Krieg teil und ward 1842 Oberstleutnant. Als Brigadegeneral zeichnete er sich 1848 und 1849 gegen die Schleswig-Holsteiner und Bundestruppen aus; seine bedeutendste Leistung war die, daß er die schleswig-holsteinischen Truppen unter General Bonin, welche Fredericia belagerten, durch einen Ausfall in der Nacht vom 5. zum 6. Juli 1849 zum Rückzug und zur Aufhebung der Belagerung zwang. Nach dem Krieg war B. kommandierender General in Schleswig, dann auf Seeland, wurde 1855 zum dänischen Gesandten in London ernannt, durch Kränklichkeit zum Rücktritt genötigt und starb 16. Juni 1858 auf Sandberg. Durch öffentliche Subskription ist ihm ein Denkmal aus dem Kirchhof von Düppel gesetzt.

6) Karl Eduard von, Schriftsteller, geb. 17. Nov. 1803 auf dem Gut Berg vor Eilenburg (Provinz Sachsen), studierte in Leipzig hauptsächlich die alten Sprachen und wählte 1828 Dresden zum Aufenthalt, wo er mit Elisa v. d. Recke und Tieck befreundet ward. Seit 1842 war er viel auf Reisen in Italien, verweilte auch in Stuttgart und bei Tieck in Berlin, bis ihn die politische Wendung der deutschen Angelegenheiten 1849 bestimmte, nach dem von ihm angekauften alten Schloß Ötlishausen im Kanton Thurgau überzusiedeln. Hier starb er 16. Sept. 1853. Seinen litterarischen Ruf begründete er durch das "Novellenbuch" (Leipz. 1834-36, 4 Bde.), welches hundert Novellen, nach alten italienischen, spanischen, französischen, englischen, lateinischen und deutschen Mustern bearbeitet, enthält, und dem das "Neue Novellenbuch" (Braunschw. 1841, Bd. 1) nachfolgte. Von eignen Produktionen, in denen er besonders Tieck mit Glück nacheiferte, veröffentlichte er: "Eine Frühlingswanderung durch das Harzgebirge" (Leipz. 1836); "Jahrbuch der Novellen und Erzählungen" (Braunschw. 1840), worin die interessante Erzählung "Die Jugend des armen Mannes im Tockenburg" (U. Bräker, nach der Selbstbiographie desselben bearbeitet, die er später im Original herausgab, Leipz. 1852); "Novellen" (Stuttg. 1846-48, 3 Bde.); "Eine allerneueste Melusine" (Frankf. 1849) und andre zerstreute novellistische Arbeiten. Von mehreren selten gewordenen Büchern, die B. wieder zugänglich machte, ist seine Bearbeitung des "Simplicissimus" (Leipz. 1836) hervorzuheben. Auch gab er, außer einer Übersetzung von Manzonis Roman "Promessi sposi" (2. Aufl., Leipz. 1837, 2 Bde.), heraus: Schröders "Dramatische Werke" (Berl. 1831, 4 Bde.); im Verein mit Tieck den dritten Teil von Novalis' Schriften (das. 1848); "Heinrich v. Kleists Leben und Briefe" (das. 1848); dann Schillers "Anthologie auf das Jahr 1782" (Heidelb. 1850) mit Einleitung und Anhang; ferner Heinr. Dietrich v. Bülows "Militärische und vermischte Schriften" (mit W. Rüstow, Leipz. 1853) u. a. Die deutsche Memoirenlitteratur bereicherte er durch die Herausgabe der Denkwürdigkeiten des Pfalzgrafen-Kurfürsten Friedrich II. beim Rhein (" Ein Fürstenspiegel", Bresl. 1849, 2 Bde.).

7) Bernhard Ernst von, Staatsmann, geb. 2. Aug. 1815 zu Cismar in Holstein, Neffe von B. 4), studierte zu Berlin, Göttingen und Kiel die Rechte und trat 1839 als Assessor bei der holsteinischen Regierung, dann als Legationsrat zu Kopenhagen in den dänischen Staatsdienst. 1848 schied er aus demselben wieder aus, ward aber 1851 zum Gesandten für Holstein und Lauenburg beim Bundestag in Frankfurt ernannt. 1862 trat er als Staatsminister an die Spitze der mecklenburg-strelitzschen Landesregierung und nahm an den Verhandlungen zur Begründung des Norddeutschen Bundes hervorragenden Anteil. 1868 ging er als Gesandter der beiden Großherzogtümer Mecklenburg beim preußischen Hof und Vertreter derselben im Bundesrat nach Berlin. Bismarck bewirkte 1873 seine Ernennung zum Staatssekretär des auswärtigen Amtes des Deutschen Reichs mit dem Rang eines preußischen Staatsministers, und 1876 erlangte er die wirkliche Stellung eines solchen. 1879 nahm B. einen längern Urlaub, um im Süden Erholung für seine angegriffene Gesundheit zu suchen. Auf der Reise starb er infolge eines Schlaganfalls 20. Okt. 1879 in Frankfurt a. M.

8) Hans Guido von, Klavierspieler und Komponist, Sohn von B. 6), geb. 8. Jan. 1830 zu Dresden, erhielt den ersten Unterricht im Klavierspiel durch F. Wieck, in der Komposition durch M. Eberwein und trat zuerst in Stuttgart, wo er seit 1846 das Gymnasium besuchte, öffentlich als Klavierspieler auf. Im J. 1848 bezog er die Universität Leipzig, um die Rechte zu studieren, setzte aber dabei unter Hauptmanns Leitung seine Musikstudien eifrig fort. In Berlin, wohin er sich ein Jahr später begab, kam in ihm endlich der Entschluß, sich ganz der Musik zu widmen, zur Reife. Er wandte sich zu diesem Behuf nach Zürich zu Richard Wagner, dem er von Dresden her bekannt war, und begab sich von hier aus zu seiner letzten Ausbildung 1851 nach Weimar zu Liszt, dessen Schwiegersohn er später ward. Nach mehrfachen Kunstreisen, die seinen Ruf begründeten und befestigten, ließ er sich 1854 in Berlin nieder, wo er anfänglich als Klavierlehrer am Sternschen Konservatorium wirkte und 1858 zum königlichen Hofpianisten ernannt wurde. Einem Ruf des Königs Ludwig II. folgend, siedelte er Ende 1864 nach München über, wurde zum königlich bayrischen Hofpianisten ernannt und mit der Leitung der gleichzeitig nach Rich. Wagners Plan ins Leben gerufenen Musikschule betraut. Daneben entfaltete er als Dirigent bei großen Aufführungen eine außerordentliche Thätigkeit. Im Juni 1866 schied er plötzlich aus diesen Ämtern, verließ