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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bülow-Cummerow; Buloz; Bulte; Bültenbett; Bültenhieb; Bulthaupt

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Bülow-Cummerow - Bulthaupt.

München und ließ sich nach vorübergehendem Aufenthalt in Berlin für einige Zeit in Basel nieder, bis er 1867 nach München zurückkehrte, wo er in die Stellung eines Hofkapellmeisters im außerordentlichen Dienst eintrat und bald darauf auch wieder die Oberleitung der Musikschule übernahm. B. entwickelte in dieser doppelten Stellung von neuem eine ebenso umfassende wie energische Wirksamkeit, gab sie aber infolge von Familienzerwürfnissen schon im Frühling 1869 abermals auf und siedelte nach Florenz über, wo er zwei Jahre hindurch in stiller Zurückgezogenheit dem Studium lebte. Dann begab er sich aus größere Konzertreisen, die ihn unter anderm auch (1876) nach Amerika führten. 1877 übernahm er die Stelle eines Hofkapellmeisters in Hannover und 1880 die eines Intendanten der herzoglichen Hofmusik in Meiningen. B. ist einer der genialsten Pianisten unsrer Zeit und erregt Staunen sowohl durch seine außergewöhnliche, aller Schwierigkeiten spottende Spielfertigkeit als namentlich auch durch seine ungemeine Gedächtniskraft. Als Interpret der klassischen Klaviermusik verdient er unbedingte Bewunderung; nicht minder ausgezeichnet ist er als Orchesterdirigent. Als Komponist gehört B. der Liszt-Wagnerschen Richtung an, für die er auch als Schriftsteller (namentlich in der Leipziger "Neuen Zeitschrift für Musik") aufgetreten ist. Von seinen Kompositionen sind bis jetzt einige zwanzig Nummern, als: Klaviersachen (9 Hefte), Lieder (darunter 4 Sammlungen für eine Singstimme und gemischten Chor) und Instrumentalwerke, veröffentlicht worden; von letztern erwähnen wir die Musik zu Shakespeares "Julius Cäsar", die Orchesterballade "Des Sängers Fluch" (nach Uhland), "Nirwana, ein symphonische Stimmungsbild", das bei den Tonkünstlerversammlungen in Meiningen 1867 und in Weimar 1884 zur Ausführung kam. Außerdem hat B. zahlreiche kritische Bearbeitungen und instruktive Ausgaben fremder Werke (namentlich von Gluck, Händel, Seb. Bach, Ph. E. Bach, Scarlatti, Weber, Cramer, Beethoven) veröffentlicht sowie Arrangements und Transskriptionen aus Werken von Berlioz, Wagner und Liszt geliefert. Wenige Musiker haben ihrer Kunst mit solcher Liebe und Selbstverleugnung gedient wie B., was auch von denen anerkannt wird, die er gelegentlich durch schroffes Behaupten seines künstlerischen Standpunktes verletzt hat.

Bülow-Cummerow, Ernst Gottfried Georg von, staatswissenschaftlicher Schriftsteller, geb. 13. April 1775 auf dem Familiengut Pritzau in Mecklenburg-Schwerin, trat 1788 als Leutnant in hannöverschen Militärdienst, verließ denselben jedoch schon 1790 wieder und studierte 1797-99 in Rostock und Jena. Als Grundbesitzer in Pommern zeichnete er sich nach 1806 durch patriotischen Widerstand gegen die Fremdherrschaft der Franzosen wie durch das Bestreben aus, die Überschuldung der Provinz zu verhindern. Von 1810 bis 1823 nahm er an allen Beratungen über die Reformen teil, welche die Verfassung und die Steuerverhältnisse des Landes erfuhren. Seine politischen Ansichten dieser Periode legte er nieder in zwei Flugschriften: "Der Punkt aufs I" (Berl. 1821) und "Über die Verwaltung des Staatskanzlers v. Hardenberg" (das. 1821). Der pommersche Adel verdankt thm die Gründung der Ritterschaftlichen Bank in Stettin, die Provinz den Ausbau besserer Verkehrswege. Von seinen vielen Schriften und Broschüren sind hervorzuheben: "Über Preußens Finanzen" (Berl. 1841); "Preußen, seine Verfassung, seine Verwaltung, sein Verhältnis zu Deutschland" (1. Teil, 3. Aufl., das. 1842; 2. Teil, 2. Aufl., das. 1843); "Über Preußens landschaftliche Kreditvereine" (das. 1843); "Der Zollverein, sein System und dessen Gegner" (das. 1844). Als nach Aufhebung der altständischen Institutionen durch die Märzpatente die vom Finanzminister Hansemann angebahnte Aufhebung der Grundsteuerbefreiung den ritterschaftlichen Grundbesitz mit bis dahin ungewohnten Abgaben bedrohte, veranlaßte B. die Bildung eines "Vereins zum Schutz des Eigentums", des sogen. "Junkerparlaments". In seinen spätern Schriften zeigte er sich den neuern Anschauungen mehr und mehr abhold. Wir nennen von ihnen: "Die politische Gestalt Deutschlands und die Reichsverfassung" (Berl. 1848); "Preußen und seine politische Stellung zu Deutschland und den europäischen Staaten" (das. 1849); "Beleuchtung des preußischen Staatshaushalts" (das. 1849); "Die Grundsteuer und Vorschläge zu ihrer Ausgleichung" (das. 1849); "Die Reaktion und ihre Fortschritte" (das. 1850); "Die Revolution, ihre Früchte etc." (das. 1850); "Die Reform der Verfassung" (das. 1851). Er starb 26. April 1851 in Berlin.

Buloz (spr. bülo), François, franz. Publizist, geb. 1803 zu St.-Vulbens bei Genf, kam frühzeitig nach Paris, wo er Korrektor in einer Druckerei wurde und sich nebenbei mit Übersetzungen aus dem Englischen beschäftigte. Im J. 1831 begründete er die "Revue des Deux Mondes", die er länger als 40 Jahre redigierte und auf die Dauer zu einer der bedeutendsten und einflußreichsten Zeitschriften zu machen verstand. Eigne schriftstellerische Thätigkeit entfaltete B. nur wenig; bemerkenswert sind seine "Lettres et memoires". Er starb 12. Jan. 1877 in Paris.

Bulte (Bülte), s. v. w. Haufen, Hügel. Das Reichsstrafgesetzbuch (§ 370, Absatz 2) bestraft denjenigen, welcher unbefugt aus fremden Grundstücken Plaggen oder Bulten haut, mit Geldstrafe bis zu 150 Mk. oder Haft bis zu 6 Wochen.

Bültenbett (Bülzenbett), s. Gräber.

Bültenhieb, die Berechtigung, von gewissen Nachbarn Dienstverrichtungen, insbesondere Düngung der Felder, verlangen zu dürfen, stand bald Einzelnen, bald ganzen Gemeinden zu, ist aber zum Besten der allgemeinen Landeskultur meist aufgehoben worden.

Bulthaupt, Heinrich, Schriftsteller, geb. 26. Okt. 1849 zu Bremen, studierte Jurisprudenz und deutsche Litteratur in Würzburg, Göttingen, Berlin und Leipzig, nahm dann eine Hauslehrerstelle in Kiew an und bereiste von dort aus den Orient, Griechenland und Italien. Von 1875 an war er in seiner Vaterstadt als Anwalt thätig, bis er 1879 als Nachfolger J. G. ^[Johann Georg] Kohls zum Stadtbibliothekar daselbst ernannt wurde. B. gehört unter den jüngern Dichtern zu denjenigen, welche ihr Talent in den Dienst der reinen Formen der Poesie gestellt haben, und hat als Lyriker und Dramatiker Erfreuliches geleistet. Als letzterer veröffentlichte er als Erstlingswerke: "Saul" (1871) und die bürgerliche Tragödie "Ein korsisches Trauerspiel" (Leipz. 1872); ferner das Schauspiel "Die Arbeiter" (Brem. 1877), worin er einen echt modernen Stoff mit Glück behandelte; einige kleinere Lustspiele, wie: "Die Kopisten" (1875) und "Lebende Bilder" (1880), und die Tragödien: "Die Malteser" (Frankf. 1884) und "Gerold Wendel" (1885). Außerdem schrieb er: "Durch Frost und Gluten", Gedichte (Bresl. 1876); "Dramaturgische Skizzen" (Brem. 1878); "Streifzüge auf dramaturgischem und kritischem Gebiet" (das. 1879); "Der junge Mönch", Novellette in Liedern (1879); "Das Münchener Gesamtgastspiel" (das. 1880) und "Dramaturgie der Klassiker" (Oldenb. 1882, 2 Bde.; 2. Aufl. 1883). Auch gab er den poe-^[folgende Seite]