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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Burda; Burdach; Bürde-Ney; Burdekin; Burdett

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Burda - Burdett.

Verwaltungsbehörde für Domänen und Forsten. In dieser Stellung entfaltete er ein bedeutendes organisatorisches Talent und hob die hannöversche Forstverwaltung durch straffe Leitung und zweckmäßige Geschäftsverteilung auf eine hohe Stufe. Seit 1866 bekleidete er die Stelle eines Direktors der Abteilung für Forsten bei der Finanzdirektion in Hannover, woselbst er 14. Dez. 1879 starb. B. vertrat diejenige Richtung, welche in erster Linie die Vertiefung und feste Begründung der Forsttechnik auf dem Weg der lokalen Erfahrung erstrebt und daneben namentlich die staats- und forstwirtschaftlichen Grundlagen der Waldwirtschaft ins Auge faßt. Sein Hauptwerk: "Säen und Pflanzen" (5. Aufl., Hannov. 1880), ist eine klassische Leistung auf dem Gebiet der Lehre von der forstlichen Bestandsbegründung und -Pflege. Außerdem schrieb er: "Der Waldwert in Beziehung auf Veräußerung, Auseinandersetzung etc." (Hannov. 1860); "Hilfstafeln für Forsttaxatoren" (3. Aufl., das. 1873); "Die forstlichen Verhältnisse des Königreichs Hannover" (1864); "Aus dem Wald" (Mitteilungen in zwanglosen Heften, das. 1865-79, 9 Hefte). Vgl. Kraft, Heinr. B. (Hannov. 1883).

4) Jakob, Kultur- und Kunsthistoriker, geb. 25. Mai 1818 zu Basel, studierte auf der Universität seiner Vaterstadt Theologie, deutsche Litteratur u. Geschichte und setzte diese Studien in Berlin fort. Hier erwarb er sich die Freundschaft des Kunstschriftstellers Franz Kugler, für den er später die zweite Auflage seines "Handbuchs der Kunstgeschichte" (Stuttg. 1848) mit eignen Zusätzen besorgte. In die Heimat zurückgekehrt, wurde B. in der Folge zum Professor der Geschichte und Kunstgeschichte an der Universität zu Basel ernannt, dann bei der Gründung des eidgenössischen Polytechnikums in Zürich in gleicher Eigenschaft an diese Anstalt berufen, kehrte jedoch bald wieder an die Universität seiner Vaterstadt zurück. B. zeichnet sich als Schriftsteller ebenso durch gesunde Kritik, lichtvolle Darstellung und geistreiche Feinheit der Auffassung wie durch außergewöhnliche Litteratur- und Quellenkenntnis aus. Er begann seine Laufbahn mit den Werken: "Die Kunstwerke der belgischen Städte" (Düsseld. 1842); "Jakob von Hochstaden, Erzbischof von Köln" (Bonn 1843) und "Erzbischof Andreas von Krain und die letzte Konzilsversammlung in Basel 1482-84" (Bas. 1852). Ihnen folgten seine Hauptwerke: "Cicerone, eine Anleitung zum Genuß der Kunstwerke Italiens" (1855; 5. Aufl. von W. Bode, Leipz. 1884), worin in unvergleichlich trefflicher Charakteristik die wichtigern Meisterwerke Italiens aus älterer und neuerer Zeit dargestellt sind; "Die Zeit Konstantins des Großen" (das. 1853, 2. Aufl. 1881); "Die Kultur der Renaissance in Italien" (Bas. 1860; 3. Aufl., Leipz. 1877, bearbeitet von L. Geiger), die gediegenste und an Einzelheiten reichste Kultur- und Sittengeschichte der sogen. Renaissancezeit, und die "Geschichte der Renaissance in Italien" (Stuttg. 1867, 2. Aufl. 1878).

Burda, der Mantel, welchen Mohammed dem Dichter Kab Ben Sohair im 9. Jahr der Hedschra schenkte, und der, vom Kalifen Moawiah den Nachkommen des Dichters mit Gold aufgewogen, seitdem einen heiligen Schatz der herrschenden Dynastien bildete; noch jetzt gehört derselbe zu den vornehmsten Reliquien der Kleinodienkammer zu Konstantinopel. Am 15. des Fastenmonds jeden Jahrs bringt der Sultan mit dem ganzen Hofstaat der B. feierliche Verehrung dar; das Wasser, in welches ein Zipfel des Mantels getaucht wurde, wird als heilbringendes Mittel verteilt.

Burdach, 1) Karl Friedrich, Mediziner, geb. 12. Juni 1776 zu Leipzig, studierte daselbst, habilitierte sich 1798, ward 1806 außerordentlicher Professor der Medizin, ging 1811 als Professor der Anatomie nach Dorpat und 1815 nach Königsberg, wo er 16. Juli 1847 starb. B. wußte seinen gediegenen Schriften ein eigentümliches philosophisches Gepräge zu geben, sowie sie sich auch durch Klarheit und Schärfe der Gedanken und Begriffe, streng logische Form und Gliederung und durch edle Darstellung auszeichnen. Wir nennen davon: "Diätetik für Gesunde" (Leipz. 1805, neue Ausg. 1811); "Encyklopädie der Heilwissenschaft" (das. 1810-12, 3 Bde.; neue Ausg. 1817-19); "Vom Bau und Leben des Gehirns und Rückenmarks" (das. 1819-25, 3 Bde.); "Die Physiologie als Erfahrungswissenschaft" (das. 1826-35, 5 Bde.; 2. Aufl. 1835-1840), ein getreues und vollständiges Abbild aller neuern Leistungen auf dem Felde der Physiologie; "Der Mensch nach den verschiedenen Seiten seiner Natur" (Stuttg. 1836-37, 5 Abtlgn.; 2. Aufl., s. unten), ein für das gebildete Publikum bestimmtes Werk; "Blicke ins Leben" (Leipz. 1842-48, 4 Bde.).

2) Ernst, Sohn des vorigen, geb. 25. Febr. 1801 zu Leipzig, studierte in Königsberg, wo er sich habilitierte und die Professur der Anatomie erhielt, machte sich ebenfalls durch mehrere Schriften rühmlichst bekannt. Er bearbeitete unter dem Titel: "Anthropologie für das gebildete Publikum" (Stuttg. 1847) die in ihrem anatomischen und physiologischen Teil ganz umgestaltete 2. Auflage von seines Vaters Werk "Der Mensch etc." (das. 1846-47, 2 Bde.), wie er sich auch bei dem 6. Band von dessen "Physiologie" als Mitarbeiter beteiligte. Er starb 10. Okt. 1876.

Burdekin, Fluß an der Nordostküste der britisch-austral. Kolonie Queensland, entspringt unweit der Küste, wendet sich erst nach NW. und fällt nach vielfach gewundenem Lauf in breiter Mündung als Wickham in die seichte Clevelandbai des Stillen Ozeans. Rechts geht ihm der noch längere Belyando mit Suttor und Cape River zu. Er wurde 1845 von Leichhardt entdeckt, 1859 von Dalrymple und 1860 von Smith vom Meer aus genauer untersucht.

Bürde-Ney, Jenny, Opernsängerin, geb. 21. Dez. 1824 zu Graz, ward frühzeitig von ihrer Mutter, einer selbst nicht unbedeutenden Gesangskunstlerin, für die theatralische Laufbahn erzogen und trat bereits in ihrem 15. Jahr in Arad als Donauweibchen auf. Ihre eigentliche Künstlerlaufbahn begann sie auf dem Theater zu Olmütz, ging von da nach Prag, dann nach Lemberg und folgte 1850 einer Einladung zum Gastspiel nach Wien, welches zu einem Engagement am Kärntnerthor-Theater führte. Hier nahm sie drei Jahre hindurch die Stellung einer Primadonna assoluta ein, folgte aber 1853 einem Ruf nach Dresden, wo sie eine Reihe von Jahren (von 1855 an als Gattin des Hofschauspielers Emil Bürde), abgesehen von wiederholten Gastspielen in allen größern Städten Deutschlands sowie 1855 und 1856 in London, ununterbrochen in den verschiedensten Fächern des dramatischen Gesanges thätig war. 1867 trat sie von der Bühne zurück und beschränkte ihre Wirksamkeit auf die Musik der katholischen Kirche und die Ausbildung jugendlicher Gesangstalente.

Burdett (spr. bördett), Sir Francis, Mitglied des engl. Parlaments, geb. 25. Jan. 1770, studierte in Westminster und Oxford, bereiste den Kontinent und wurde, durch eine Heirat mit Sophie Coutts im Besitz großer Mittel, 1796 ins Parlament gewählt, welchem er 36 Jahre lang angehörte. Hier stand er anfangs auf seiten der whiggistischen Opposition, sprach gegen