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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Carey

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Carey.

hauptsächlich aus den Dünen der Nord- und Ostsee, in England, Finnland, Island, dann auch in trocknem Sand bis in das Innere Norddeutschlands. Der graugelbliche Wurzelstock war als Rhizoma (Radix) Caricis offizinell. Er riecht frisch schwach gewürzhaft, ist getrocknet geruchlos, schmeckt schwach süßlich-bitterlich und enthält neben Harz und ätherischem Öl viel Stärkemehl. Er wurde durch Gleditsch als blutreinigendes, diuretisches Mittel eingeführt, wird jetzt aber nur noch wenig benutzt. C. brizoides L. (Alpengras, Seegras, Waldhaar, Rasch), ein in Süd- und Südwestdeutschland stellenweise sehr häufig vorkommendes Riedgras mit dünnem, ästigem, kriechendem, einzelne Halme treibendem Wurzelstock, wird als Polstermaterial so stark benutzt, daß in einzelnen Waldungen des Rheinthals das Einkommen aus dieser Nebennutzung den Ertrag aus der Holzproduktion übersteigt. Dort findet sich das Gras in den Mittel- und Niederwaldungen auf feuchtem, humösem, kräftigem Boden und bei mäßiger Beschattung massenhaft und wird durch Ausrupfen (in Oberösterreich durch Mähen) gewonnen. Man trocknet es an sonnigen Orten, dreht es mit einfachen Maschinen in Seile und bringt es in dieser Form in den Handel. In geringerer Menge benutzt man das Alpengras auch zu Flechtarbeiten, wie Tragbändern, Schuhen, Matten etc.

Carey (spr. kärri), 1) Henry, engl. Dichter und Musiker, geboren um 1696 zu London, lebte als Musiklehrer daselbst und ließ 1713 eine erste, 1720 eine zweite Sammlung von "Poems" erscheinen; außerdem schrieb er Operntexte und eine Anzahl von Farcen, wie: "The contrivances" (1715), "Hanging and marriage" (1722) u. a., die gesammelt als "Dramatic works" (1743) erschienen. Am bekanntesten wurde C. durch das englische Nationallied "God save the king" (s. d.), das, wie Chrysander nachweist, nach Text und Melodie von C. herrührt, während es nach andern schon hundert Jahre früher von John Bull komponiert worden sein soll. C. hat außerdem viele Lieder, Balladen und Kantaten (z. B. "Sally in our valley"), auch Zwischenspiele komponiert, unter welch letztern besonders sein "Nancy, or the parting lovers", das im spanischen Erbfolgekrieg den Enthusiasmus der Soldaten und Matrosen erregte, großen Beifall fand. C. führte ein sehr ungeordnetes Leben, das ihn schließlich 4. Okt. 1743 zum Selbstmord brachte. Eine Sammlung seiner Lieder und Balladen erschien unter dem Titel: "The musical century" (Lond. 1737-1740, 2 Bde.).

2) William, engl. Missionär und Orientalist, geb. 12. Aug. 1761 zu Paulersbury in Northamptonshire, kam zu einem Schuhmacher in die Lehre, beschäftigte sich aber, in den Versammlungen der Kongregationalisten mächtig angeregt, in seinen freien Stunden eifrig mit theologischen Studien und wurde endlich in einer Dissentergemeinde Prediger. 1793 ging er, von einer Baptistenmissionsgesellschaft unterstützt, nach Kalkutta, erlangte hier eine gründliche Kenntnis des Sanskrits und Bengali, setzte auch seine Missionsarbeiten eifrig fort und übersetzte die Bibel in die bengalische Sprache. Mit andern Missionären wandte er sich 1799 nach Serampur bei Kalkutta, wo er eine Buchdruckerei gründete und 1806 seine "Sanskrit-Grammatik" sowie mit J. ^[John Clark] Marshman zwei von den sieben Büchern des großen Heldengedichts "Ramâyana" in Text und Übersetzung (1806-10) veröffentlichte. Zugleich organisierte und leitete er ein Institut zur Herstellung von Bibelübersetzungen in die verschiedenen Dialekte Indiens, welches in wenigen Jahren eine unglaubliche Menge von Übersetzungen herausgab. Bei allen diesen Geschäften fand C. noch Zeit, neben weniger umfangreichen Schriften eine "Bengali grammar" (1805), ein bengalisches Lexikon (1825-27, 3 Bde.) sowie mit Marshman ein kleineres Lexikon (1827, 2 Bde.) herauszugeben und den Druck des tibetischen Lexikons des deutschen Missionärs Schröder zu leiten. Gleichzeitig wirkte er als Professor des Sanskrits am College des Fort William in Kalkutta und nahm noch wenige Jahre vor seinem Tode thätigen Anteil an der Errichtung und Leitung des Kollegiums von Serampur für Erziehung der Söhne von Europäern in Indien. Er starb 9. Juni 1834. Sein "Memoir" erschien 1836 in London. Vgl. G. Smith, Life of William C. (Lond. 1834).

3) Henry Charles, amerikan. Nationalökonom, geb. 15. Dez. 1793 zu Philadelphia als der Sohn des Irländers Matthew C. (gest. 1839), der von Dublin infolge politischer Verfolgungen dahin ausgewandert war und dort ein Verlagsgeschäft gründete. Nachdem C. 1814 Teilhaber an diesem Geschäft geworden war, trat er 1821 an die Spitze desselben und machte sich um den Buchhandel durch Einführung der Verlagsauktionen (trade sales) verdient, die sehr wesentlich dazu beigetragen haben, einen sehr starken Absatz von Büchern in den Vereinigten Staaten zu schaffen. 1835 zog er sich von den Geschäften zurück und verwendete sein großes Vermögen zu industriellen Unternehmungen. Von da ab hat er bis zu seinem am 13. Okt. 1879 eingetretenen Tod seine Muße ungeteilt der Ausbildung der nationalökonomischen Wissenschaft gewidmet und seine schriftstellerischen Arbeiten nur durch Reisen, besonders nach England und dem europäischen Kontinent (1857), unterbrochen. Hierbei gelangte er zu Anschauungen, welche zu denen der englischen Schule in schroffem Gegensatz standen. Ursprünglich eifriger Freihändler, wird er ebenso eifriger Schutzzöllner und erblickt, wie schon vor ihm Fr. List, in dem Freihandel ein erstrebenswertes Ziel, das zu erreichen der Schutz ein geeignetes Mittel bilde. In seiner ersten größern Arbeit: "Essay on the rate of wages" (Philad. 1835), bekämpft er die Doktrinen Ricardos. Die in derselben niedergelegte Ideen wurden weiter verarbeitet in dem nun folgenden ersten Hauptwerk, den "Principles of political economy" (Philad. 1837-40, 3 Bde.; deutsch von Adler, 2. Aufl., Wien 1870), worin C. seine teils neuen Anschauungen über den Wertbegriff, nach welchen der Wert gleich den Kosten der Wiederherstellung ist, über die volkswirtschaftliche Verteilung und über die sogen. Interessenharmonie entwickelte, und welches später (1850) der Franzose Bastiat als Hauptmaterial zu seinen "Harmonies économiques" benutzte. Nun folgten: "The credit system in France, Great Britain and the United States" (Lond. 1838) und "Answer to the questions: what constitutes currency? what are the causes of unsteadiness of the currency? and what is the remedy?" (Philad. 1840), eine bemerkenswerte Verteidigung der Bankfreiheit. In dem Werk "The past, the present and the future" (Philad. 1848) bekämpft C. an der Hand historischer Nachweisungen die Annahme, als ob die Agrikultur zuerst auf demjenigen Boden begonnen habe, welchen wir heute als den besten ansprechen, während er in der Schrift "The harmony of interests" (New York 1851) das Protektionssystem durch die zwischen der landwirtschaftlichen und industriellen Entwickelung eines Landes bestehende Solidarität begründet. Das bedeutendste von allen Werken Careys sind seine

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]