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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Carmagnole - Carmer.

er auch Cremona, Brescia, Parma und Genua unter die Herrschaft des Herzogs und verdrängte die Eidgenossen aus Bellinzona. Da er aber von seinen Gegnern bei dem Herzog verleumdet und von diesem zurückgesetzt wurde, ging er 1424 zu den Venezianern über, vereinigte eine Anzahl Städte gegen den Herzog von Mailand, eroberte Brescia für Venedig, besiegte jenen 1427 bei Maccalo am Oglio und bemächtigte sich 80 brescianischer und bergamesischer Orte. In einem zweiten Feldzug 1428 nahm er Bergamo und einen Teil des Gebiets von Cremona und erhielt darauf von Mailand seine Güter und seine bis dahin gefangen gehaltene Familie zurück. Der unglückliche Ausfall seines dritten Zugs 1431 hatte zur Folge, daß man ihn nach Venedig lockte, dort plötzlich gefangen nahm und nach Erpressung von Geständnissen des Verrats auf der Folter 5. März 1432 öffentlich enthauptete. Dies tragische Ende Carmagnolas ist von Dichtern und Geschichtschreibern behandelt worden, am gelungensten in Alessandro Manzonis Trauerspiel "Il conte di Carmagnola" (1820).

Carmagnole (franz., spr. -manjoll), Name eines Volksgesanges aus der französischen Revolutionszeit, der mit den Worten anfing: "Madame Véto avait promis" und in jeder Strophe mit dem Refrain schloß: "Dansons la Carmagnole! Vive le son du canon!" Gewiß ist, daß die C. 1792 (wie es heißt, bei Gelegenheit der Einnahme der Stadt Carmagnola in Piemont) aufkam und lange Zeit mit dem bekannten "Ça ira!" rivalisierte. Beide Gesänge wurden von den Militärmusiken als Märsche und von den Orchestermusiken während der Zwischenakte im Theater gespielt und hielten sich neben der Marseillaise und dem "Chant du départ" bis zum 18. Brumaire 1799. Bonaparte, welcher in Italien und Ägypten mit dem "Ça ira!", der C. und der Marseillaise die Franzosen zum Siege geführt hatte, verwarf diese Revolutionslieder, nachdem er Konsul geworden. - Der Name C. ging bald über auf ein Kamisol mit kurzen Schößen und fast ohne Kragen, das während der Revolution Tracht der niedern Volksklasse war, und diente schließlich auch zur Bezeichnung der überspanntesten Mitglieder des Jakobinerklubs, welche jene Tracht (daher auch Jakobinerjacke) als populäres Kostüm annahmen.

Carmarthen, Hauptstadt von Carmarthenshire in Wales, 15 km oberhalb der Mündung des Towy, auf dem kleinere Schiffe bis zu den Kais der Stadt gelangen. C. hat (1881) 10,512 Einw. und ist eine blühende Stadt, mit Zinn- und Eisenwerken in der Umgegend und lebhaftem Handel. Es ist Sitz eines theologischen College der Presbyterianer, eines unitarischen College (Free Religious Thought College), einer Lateinschule (1576 gegründet) und eines Lehrerseminars. Dabei Abergwill, Palast des Bischofs von St. Davids. Der Sage nach soll C. von dem Propheten Merddyn oder Merlin (480) gegründet worden sein, und die alten Britannier hielten hier ihre Synoden.

Carmarthenshire (welsch Caerfyrddin), Grafschaft im südlichen Wales, liegt zwischen Pembroke- und Glamorganshire an der Carmarthenbai des Kanals von Bristol und grenzt im Innern an Cardiganshire und Brecknockshire. Sie hat ein Areal von 2405 qkm (43,7 QM.). Die Küste ist flach und teilweise sumpfig, aber das Innere ist ein Hügelland, und im O. erreichen die Schwarzen Berge (Mynydd Dû) eine Höhe von 791 m. Der Towy durchschneidet die Mitte der Grafschaft, und sein Thal bildet den fruchtbarsten Teil derselben. Neben Landbau und Viehzucht bilden Bergbau auf Steinkohlen und Eisen, Eisenfabrikation und das Schmelzen von Kupfer und Zinn die Haupterwerbszweige der (1881) 124,864 Einw. Von der Oberfläche waren 1884: 66 Proz. Ackerland, 6 Proz. Wiesen und Weiden, 2½ Proz. Wald. An Vieh zählte man 1884: 19,577 Pferde, 110,739 Rinder, 201,999 Schafe und 28,328 Schweine. Hauptstadt ist Carmarthen, die größte Stadt aber ist Llanelly.

Carmaux (Cramaux, spr. -moh), Ortschaft im franz. Departement Tarn, Arrondissement Albi, am Cérou und an der von Albi kommenden Zweigbahn, hat ein Schloß nebst schönem Park, eine gotische Kirche, ausgedehnte, seit Jahrhunderten ausgebeutete Steinkohlenwerke (Produktion 1883: 3¼ Mill. metr. Ztr.), Glasfabrikation und (1876) 5384 Einw.

Carmen (Mehrzahl Carmina, lat.), Gedicht, besonders Gelegenheits-, Festgedicht; C. saeculare, Gedicht zu einer hundertjährigen Jubelfeier.

Cármen, Stadt im mexikan. Staat Campeche, liegt auf einer Insel der Laguna de Terminos, hat einen guten Hafen, Ausfuhr von Blauholz, Gelbholz, Mahagoni, Zucker etc. (1883-84 im Wert von 552,086 Pesos) und 6300 Einw.

Cármen de Patagones, Stadt der Argentinischen Republik, Provinz Buenos Ayres, am 300 m breiten Rio Negro, 28 km oberhalb dessen Mündung, mit Zollhaus, einigem Küstenhandel und ca. 2000 Einw. C. wurde 1850 gegründet.

Carmen Sylva, Dichtername der Königin Elisabeth von Rumänien (s. Elisabeth).

Carmenta (Carmentis), bei den Römern Göttin der Weissagung und der Geburt, welcher das vorzüglich von den Frauen 11. und 15. Jan. gefeierte Fest der Carmentalia gewidmet war. In der Nähe des nach ihr genannten Carmentalischen Thors (Porta Carmentalis) befand sich ihr uralter Altar. Die Sage machte sie zur Mutter oder Gattin des Arkadiers Evander, des Gründers einer Ansiedelung auf dem Palatin.

Carmentalis Porta, ein Thor der Servianischen Mauer Roms, zwischen dem Tiber und dem Kapitol. Durch den rechten Bogen desselben zogen 477 v. Chr die Fabier in den Kampf gegen die Vejenter, in welchem alle umkamen, weshalb dasselbe Porta scelerata genannt und als unheilbringend vermieden ward.

Carmer, Johann Heinrich Kasimir, Graf von, preuß. Minister, geb. 29. Dez. 1721 zu Kreuznach, Sohn des kurpfälzische Kreishofrats Johann Wilhelm C., studierte 1739-43 in Jena und Halle die Rechte, trat 1749 in den preußischen Staatsdienst und wurde 1750 Regierungsrat in Oppeln, 1751 Direktor und 1763 Präsident der Regierung in Breslau und, da er sich die besondere Zufriedenheit Friedrichs II. zu erwerben wußte, schon 1768 Justizminister und Chefpräsident sämtlicher Regierungen in Schlesien. Er schuf 1770 das landwirtschaftliche Kreditsystem in Schlesien und gründete die Ökonomisch-Patriotische Societät. 1779 erhob ihn der König an Stelle Fürsts, der wegen des Arnoldschen Prozesses entlassen wurde, zum Großkanzler und obersten Justizminister und übertrug ihm die Reform des Justizwesens, die er mit Hilfe von Suarez auch vollendete. Er begann 1781 mit der neuen Prozeßordnung die Umgestaltung der Rechtsinstitute Preußens und kam 1791 damit zu stande. Nachdem er bereits 1788 den Schwarzen Adlerorden erhalten, ward er 1791 in den Freiherrenstand erhoben. In diesem Jahr vollendete er auch das allgemeine preußische Gesetzbuch, welches durch die Bekanntmachung vom 1. Juli 1794 unter dem

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