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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Carmina burana; Carminati; Carminativa; Carmona; Carmontelle; Carn; Carna; Carnac; Carnage; Carnall

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Carmina burana - Carnall.

Namen "allgemeines Landrecht" Gesetzeskraft erhielt. C. wurde darauf zum Vorsitzenden der Gesetzkommission und zum königlichen Kommissar bei den pommerschen, ost- und westpreußischen Landschaften, die er nach dem Muster der schlesischen umgestaltete, ernannt und von Friedrich Wilhelm III. 1798 in den Grafenstand erhoben. Er zog sich nun aus sein Gut Rützen bei Guhrau zurück und starb 23. Mai 1801. Seine Familie ist noch jetzt in Schlesien im Besitz der von ihm gestifteten Majorate Panzkau und Rützen.

Carmina burana. Titel einer Sammlung größtenteils lateinischer, daneben aber auch deutscher und gemischter lateinisch-deutscher Lieder, welche fahrende Kleriker, sogen. Vaganten (s. d.), des 12. und 13. Jahrh. zu Verfassern haben, und deren Handschrift sich einst im Besitz der Abtei Benediktbeuern befand (daher der Name). Die Gedichte sind größtenteils in modernen Rhythmen mit Endreimen wie die kirchlichen Hymnen abgefaßt und dem Inhalt nach teils geistlich-polemischer Richtung oder geistliche Spiele, teils Trink-, Natur-, Liebeslieder, Gnomen etc., oft derb weltlich und frivol, dann wieder voller Frömmigkeit und zartester Empfindung. Die vollständige Sammlung veröffentlichte Schmoller (2. Aufl., Bresl. 1883); eine Auswahl erschien unter dem Titel: "Gaudeamus! carmina vagorum selecta" (Leipz. 1879), eine Übersetzung derselben von Laistner ("Golias", Stuttg. 1879). Vgl. Hubatsch, Die lateinischen Vagantenlieder des Mittelalters (Görlitz 1870); K. Francke, Zur Geschichte der lateinischen Schulpoesie des 12. und 13. Jahrhunderts (Münch. 1879).

Carminati, Bassian, Mediziner, geb. 1750 zu Lodi, studierte in Pavia, lebte als Arzt in seiner Vaterstadt, ward 1778 auf Grund seines Werkes "De animalium ex mephitibus et noxiis halitibus interitu ejusque proprioribus causis" (Lodi 1777) auf den Lehrstuhl der Therapeutik und Arzneimittellehre zu Pavia berufen und starb 1830 in Mailand. Er schrieb noch: "Ricerche sulla natura e sugli usi del succo gastrico in medicina e in chirurgia" (Mail. 1785; deutsch, Wien 1785); "Opuscula therapeutica" (Pavia 1788, 4 Bde.; deutsch, Wien 1789, Bd. 1); "Hygieine, therapeutica et materia medica" (Pavia 1791 ff., 4 Bde.; deutsch mit Zusätzen von Dähne, Leipz. 1792-96, 2 Bde.).

Carminativa (lat.), blähungtreibende Mittel, s. Blähungen.

Carmona, Bezirksstadt in der span. Provinz Sevilla, an der Eisenbahn Sevilla-C., auf einer Anhöhe gelegen, mit Ruinen eines maurischen Schlosses, mehreren Kirchen (der Turm von San Pedro ist der Giralda nachgebildet) und (1878) 17,426 Einw., welche hauptsächlich Weinbau treiben. C. ist keltiberischen Ursprungs und hieß im Altertum Carmo.

Carmontelle (spr. -mongtäl), franz. Dichter, geb. 25. Aug. 1717 zu Paris, Vorleser und Festordner des Herzogs von Orléans, starb 26. Dez. 1806. C. verdankt seine litterarische Berühmtheit vorzugsweise seinen "Proverbes dramatiques" (Par. 1768-81, 8 Bde.; 1822, 4 Bde.; in Auswahl übersetzt von Baudissin, Leipz. 1875), schnell hingeworfenen Skizzen in lebhafter und witziger Sprache, welche von guter Beobachtung zeugen. Mit dem "Abbé de Plâtre", dem einzigen Lustspiel, welches er öffentlich aufführen ließ, hatte er wenig Erfolg. Außerdem sind von ihm: "Théâtre de campagne" (Par. 1775, 4 Bde.) und "Pièces inédites" (das. 1825, 3 Bde.), von Frau v. Genlis veröffentlicht. Eine große Menge Manuskripte hatte er beim Ausbruch der Revolution aus Geldmangel versetzt.

Carn, s. v. w. Cairn.

Carna (auch Cardea), eine Göttin der Römer, nach Preller ursprünglich Beschützerin der Kinder vor aussaugenden Unholden, dann aber nach ihrer Vermischung mit Cardea (von cardo, "Thürangel") besonders Beschützerin der Thüren. Wie Janus der Nymphe, welche bisher alle Liebhaber geflohen war, zum Dank für die ihm gewährte Gunst das Schutzrecht über Thüren und Schwellen zugeteilt, auch ihr den Weißdorn als mächtigen Gegenzauber verliehen, erzählt anmutig Ovid in den "Fasten" (Buch 6, V. 101 ff.). Ihr Fest, angeblich von Junius Brutus nach Vertreibung der Tarquinier gestiftet, wurde 1. Juni gefeiert und ihr dabei (als kräftigste Nahrung) ein Mus von Bohnenmehl und Speck geopfert.

Carnac, Ort im franz. Departement Morbihan, Arrondissement Lorient, auf einem Hügel über der Bai von Quiberon, mit einer interessanten Kirche (von 1639), Fischhandel und (1876) 636 Einw., ist merkwürdig durch die Pierres levées de C., elf Reihen unbehauener Steine (Menhirs), die, parallel geordnet, sich 1500 m weit von O. nach W. hinziehen. Die Zahl der Steine, nachdem Tausende davon zertrümmert worden, beläuft sich gegenwärtig noch auf etwa 1200. Der größte erhebt sich 7 m über der Erde, die meisten ruhen, gleich umgekehrten Kegeln, mit dem schmälern Ende in der Erde. Südlich davon befindet sich ein Hügel von 20 m Höhe mit der Kapelle des heil. Michael, in welchem 1862 eine Begräbnisstätte mit vielen Objekten aus der Steinzeit entdeckt wurde. Vgl. Galles, Rapport sur les fouilles du Mont St.-Michel (Vannes 1862).

Carnage (franz., spr. -ahsch), Gemetzel, Blutbad.

Carnall, Rudolf von, Bergmann, geb. 9. Febr. 1804 zu Glatz, erlernte den praktischen Bergbau in den Neuroder und Waldenburger Revieren, studierte 1823-24 in Berlin, ward beim Bergamt zu Tarnowitz in Schlesien und 1830 als Obereinfahrer bei der Friedrichsgrube beschäftigt und leitete hier besonders den Betrieb des fiskalischen Blei- und Silberbergwerks und der damals in der Entwickelung begriffenen Galmeibergwerke mit so großem Erfolg, daß er schon 1839 zum Bergmeister ernannt wurde. Er hielt auch Vorträge an der Bergschule zu Tarnowitz und gab 1843-1847 allein, später in Verbindung mit Krug v. Nidda ein "Bergmännischs Taschenbuch" heraus. 1844 ward er als Oberbergamtsassessor nach Bonn versetzt, aber schon 1847 nach Berlin berufen und zum Geheimen Oberbergrat und vortragenden Rat im Handelsministerium ernannt. Hier wirkte er wesentlich für eine zeitgemäße Umgestaltung des Bergbaues. 1848 war er kurze Zeit Direktor des Gewerbeinstituts; zugleich begründete er mit L. v. Buch und den Gebrüdern Rose die Deutsche Geologische Gesellschaft, auch las er 1849-55 an der Universität über Bergbaukunde und schuf zur Unterstützung der reformatorischen Bestrebungen im Gebiet der Montanindustrie die "Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen". Seine großartige Thätigkeit für den schlesischen Bergbau beginnt mit 1855, wo er als Berghauptmann an das Oberbergamt Breslau versetzt wurde. Der oberschlesische Bergbau hat sich unter seiner Leitung in der glänzendsten Weise entwickelt und einen ungeahnten Aufschwung genommen. C. veranlaßte die Gründung des Schlesischen Vereins für Berg- und Hüttenwesen und leitete die Redaktion des Jahrbuchs dieses Vereins und einer Wochenschrift. Seine geognostische Karte Oberschlesiens (1857), wenn auch überholt durch Römers Meisterwerk, hatte hervorragende Bedeutung. Er trat 1861 aus dem Staatsdienst und

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