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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Carnallít; Carnarvon; Carnarvonshire; Carnat; Carnauba; Carné; Carneri

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Carnallit - Carneri.

starb 17. Nov. 1874 in Breslau. Nach ihm ist der Carnallit benannt.

Carnallít, Mineral aus der Ordnung der Doppelchloride, kristallisiert rhombisch, findet sich nur derb in großkörnigen Aggregaten, ist stark glänzend, wird aber durch Feuchtigkeit matt; an sich farblos, erscheint er durch reichliche Beimischung mikroskopischer Schuppen von Eisenglimmer rot; spez. Gew. 1,6. Er besteht aus Chlorkalium, Chlormagnesium und Wasser KCl+MgCl2+6H2O ^[KCl+MgCl_{2}+6H_{2}O] und enthält auch Chlorrubidium, Chlorcäsium und Brom. Er findet sich bei Maman in Persien und bei Kalucz in Galizien, hauptsächlich aber in den Abraumsalzen (s. d.) des Staßfurter Steinsalzlagers und wird in großer Menge auf Kalisalze verarbeitet.

Carnarvon, Hauptstadt von Carnarvonshire (Wales), in schöner Lage an der Menaistraße, mit (1881) 10,237 Einw., ist von Mauern umgeben und hat die prächtigen Ruinen eines von Wilhelm dem Eroberer erbauten Kastells, in dem Eduard II. geboren wurde. Zum Hafen gehören 365 Seeschiffe von 46,990 Ton. und 46 Fischerboote. Der Küstenhandel ist von Bedeutung, weniger der direkte Handel mit dem Ausland (Einfuhr 1883: 30,774 Pfd. Sterl., Ausfuhr 164,915 Pfd. Sterl.). Dachschiefer bilden den Hauptartikel der Ausfuhr. C. hat ein Lehrerseminar, 2 Lateinschulen und eine Besserungsanstalt für jugendliche Verbrecher auf dem Schiff Clio. Es ist ein beliebtes Seebad und Touristenquartier.

Carnarvon, Henry Howard Molyneux Herbert, Graf von, geb. 24. Juni 1831, erzogen zu Eton, studierte in Oxford, nahm, da er noch minderjährig durch den Tod seines Vaters in den Besitz der Peerswürde gelangt war, 1852 seinen Sitz im Oberhaus ein, schloß sich der konservativen Partei an, ward 1858 von Derby zum Unterstaatssekretär im Kolonialamt und 1859 zum High Steward der Universität Oxford ernannt. Er bereiste 1860 den Orient, worüber er ein Werk: "The Druses of Mount Lebanon" (1860), veröffentlichte, ward 1866 unter dem dritten Ministerium Derby Minister für die Kolonien, nahm indes schon 2. März 1867, weil er mit der Parlamentsreform nicht einverstanden war, seine Entlassung, trat aber im Februar 1874 von neuem als Kolonialminister in das Ministerium Disraeli, in welchem Amt er namentlich für die Union der Kapkolonien und die Annexion des Transvaalstaats thätig war. Mit Disraelis Orientpolitik war er nicht einverstanden und sprach sich gegen jede bewaffnete Intervention zu gunsten der Türkei aus. Als daher 24. Jan. 1878 das Ministerium dennoch der Flotte den Befehl erteilte, in die Dardanellen einzulaufen, und vom Parlament einen Kredit von 5 Mill. verlangte, forderte C. nebst Derby seine Entlassung und ward durch Hicks-Beach ersetzt. Im Juni 1885 wurde er unter dem Ministerium Salisbury zum Vizekönig von Irland ernannt. Er veröffentlichte noch: "Reminiscences of Athen and the Morea" (1869).

Carnarvonshire (welsch Arfon), Grafschaft im nordwestlichen Teil von Wales, auf drei Seiten vom Meer umgeben, durch die Menaistraße von Anglesey getrennt und im N. von Denbigh- und Merionethshire begrenzt. C. umfaßt 1495 qkm (27,1 QM.). Es ist der gebirgigste und malerische Teil von Wales, in dessen Mitte der Snowden 1091 m hoch ansteigt, und ist reich an kleinen Gebirgsseen. Die nach SW. auslaufende Halbinsel wird von einer Hügelkette durchzogen und endet mit dem steilen Braich y Pwll, dem gegenüber die Insel Bardsey liegt. Von der Oberfläche sind 16 Proz. angebaut, 35 Proz. bestehen aus Wiesen und Weide, 2 Proz. aus Wald. Die Bevölkerung zählte 1881: 119,349 Seelen. Die Schafzucht ist von großer Bedeutung; man zählte 1884: 8347 Pferde, 52,612 Rinder, 203,443 Schafe, 20,835 Schweine. Ungemein wichtig sind die Schieferbrüche (jährlich 1,500,000 Ton.), und auch die Fischereien sind beträchtlich.

Carnat, s. Steinmark.

Carnauba, s. v. w. Copernicia cerifera.

Carné, Louis Marcien, Graf von, franz. Publizist, geb. 17. Febr. 1804 zu Quimper aus einer edlen Familie der Bretagne, begann seine diplomatische Laufbahn als Gesandtschaftssekretär und wurde 1839 in die Deputiertenkammer gewählt, wo er dem von Lamartine geleiteten Parti social angehörte, aber eine schwankende, bald liberale, bald ultramontane Haltung annahm. 1847 trat er als Vorstand des Handelsdepartements in das Ministerium des Auswärtigen. Nach der Februarrevolution zog er sich vom öffentlichen Leben zurück, und unter dem Kaiserreich begnügte er sich mit dem Amt eines Generalrats des Departements Finistère. 1863 wurde er zum Mitglied der Akademie erwählt. Er starb 12. Febr. 1876 in Quimper. Von seinen zahlreichen Werken nennen wir: "Vues sur l'histoire contemporaine" (Par. 1833); "Des intérèts nouveaux en Europe depuis la révolution de 1830" (1838, 2 Bde.); "Du gouvernement représentatif en France et en Angleterre" (1841); "Études sur l'histoire du gouvernement représentatif en France 1789-1848" (1855, 2 Bde.); "Études sur les fondateurs de l'unité française" (1848, 2 Bde.; 2. Aufl. 1856; deutsch von Seybt, Leipz. 1859); "Un drame sous la Terreur" (1856); "L'Europe et le second Empire" (1865); "Les états de Bretagne et l'administration jusqu'en 1789" (2. Aufl. 1875, 2 Bde.); "Souvenirs de ma jeunesse au temps de la Restauration" (1873). Sein Sohn Louis begleitete 1866-68 die französische Expedition nach dem Mekhong in Hinterindien; dessen Bericht ("Voyage en Indo-Chine et dans l'empire chinois", 1872) gab nach seinem Tod (1870) der Vater heraus. - Ein Neffe von C., Jules de C., geb. 1835 zu Mériel, ist als Publizist und Romanschriftsteller aufgetreten mit: "Pécheurs et pécheresses" (1862); "Un jeune homme chauve" (1863); "Coeurs et sens", Novellen (1868); "Charlotte Duval" (1874); "Marguerite de Keradec" (1876); "Après la faute" (1880) etc.

Carneri, Bartholomäus, Ritter von, Dichter und Schriftsteller, geb. 3. Nov. 1821 zu Trient und in Wien erzogen, war ursprünglich für die juridische Laufbahn bestimmt, wandte sich bald aber ästhetischen und naturphilosophischen Studien zu und ließ sich 1857 auf dem Gut Wildhaus in Steiermark nieder, wo er seitdem lebte. 1861 wurde er in den steiermärkischen Landtag, 1870 in das Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrats gewählt, welchen beiden Körperschaften er seither und zwar als ein hervorragendes Mitglied der Liberalen angehörte. Außer zerstreuten Aufsätzen u. politischen Broschüren ("Franz Deák", 1863; "Österreich und die Encyklika", 1865; "Österreich nach der Schlacht bei Königgrätz", 1866, u. a.) schrieb er: "Sittlichkeit und Darwinismus" (Wien 1871); "Gefühl, Bewußtsein, Wille" (das. 1876); "Der Mensch als Selbstzweck" (das. 1877); "Grundlegung der Ethik" (das. 1881). Auch veröffentlichte er einen Band Gedichte (2. Aufl., Leipz. 1850) und die Sonette: "Pflug und Schwert" (Wien 1862). In allen diesen Schriften zeigt er sich als einen Anhänger der einheitlichen Entwickelungslehre.

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]