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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Carpe diem; Carpellum; Carpenedolo; Carpentaria; Carpenter; Carpentras

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Carpe diem - Carpentras.

Veranlassung zu einer heftigen Polemik, die durch alle dem Regime des Kaisers Napoleon feindlichen Elemente genährt wurde. Als eine Folge dieses Streits wurde ein Attentat angesehen, welches in der Nacht vom 27. zum 28. Aug. 1869 gegen die Gruppe dadurch ausgeführt ward, daß eine ruchlose Hand eine Flasche Tinte gegen dieselbe schleuderte. Die Flecke konnten jedoch entfernt werden. Von C.' spätern Werken sind die bedeutendsten: die Fontäne der vier Weltteile im Luxembourggarten, die Statue Watteaus und die Büste von A. Dumas dem jüngern. Er starb 12. Okt. 1875 in Courbevoie bei Paris. Vgl. E. Chesneau, Le statuaire J. B. C. (Par. 1880).

Carpe diem (lat.), "Pflücke den Tag", d. h. beute den Tag aus, Spruch aus Horaz (Oden, I, 11, 8).

Carpellum, Fruchtblatt; s. Blüte, S. 167.

Carpenedolo, Flecken in der ital. Provinz Brescia, an der Chiese, mit (1881) 4073 Einw., denkwürdig wegen des Siegs, den hier im Januar 1797 die französischen Republikaner unter Ménard über die Österreicher erfochten.

Carpentaria, Golf von, der größte der Meerbusen des austral. Kontinents, an dessen Nordküste er 780 km tief eindringt bei einer größten Breite von 675 km. Im W. wird er durch das Nordterritorium, im O. durch die Halbinsel York begrenzt. Er nimmt eine Anzahl von Flüssen auf (Mitchell, Flinders, Leichhardt, Albert, Roper u. a.), von denen aber nur wenige Bedeutung für den Verkehr haben können. Seine Küste ist im O. und S. flach, mit seichtem Meer voller Schlammbänke, an der Westseite tiefer und zugänglicher, mit Baien, Vorsprüngen und Inseln, wie die Bentinckinseln, die Wellesleyinseln, die Palaugruppe, Groote Eylandt. Man hat die Entdeckung des Golfs früher fälschlich Pieter Carpenter zugeschrieben, der 1623-27 Generalgouverneur von Niederländisch-Indien war; sie ist aber vermutlich Tasmans Verdienst. Flinders erforschte den Golf genauer 1802-1803 und nach ihm Stokes 1841.

Carpenter (spr. kär-), 1) Mary, engl. Philanthropin und Schriftstellerin, geb. 18. Aug. 1807 als Tochter eines Geistlichen zu Bristol, widmete sich schon früh der Rettung und Besserung verwahrloster Kinder und ist bis zu ihrem Tod mit großem Eifer für Reform der Strafanstalten und des Gefängniswesens thätig gewesen. Auch hat sie selbst mehrere Besserungsanstalten nach neuer Norm gegründet, so das Redlodge Girl's Reformatory in Bristol. Durch eine Reihe von Schriften suchte sie die allgemeine Aufmerksamkeit auf die richtige Behandlung besonders junger Verbrecher zu lenken, unter welchen vorzugsweise zu nennen sind: "Morning and evening meditations" (1842, 5. Aufl. 1869); "Reformatory schools for children" (1851); "Juvenile delinquents, their condition and treatment" (1853); "The claims of ragged schools to pecuniary aid from the annual Parliamentary Grant for educational purposes" (1859); "Our convicts" (1864, 2 Bde.); "Reformatory prison discipline as developed by the Right Honourable Sir Walter Crofton in the Irish convict prisons" (Bristol 1872). Außerdem hat Miß C. viele Vorlesungen über diese und verwandte Gegenstände vor der National Association for the promotion of social science gehalten. Nachdem sie 1866 die "Last days in England of the Rajah Rammahun Roy" veröffentlicht, unternahm sie 1867 zu philanthropischen Zwecken eine Reise nach Indien, auf der sie in dem Zeitraum von sechs Monaten Bombay, Surate, Ahmedabad, Bapur, Madras, Kalkutta und Matheran wiederholt besuchte. Litterarische Ergebnisse dieser Reise waren: "Adresses to the Hindoos" (1867); "Suggestions on prison discipline and female education in India" (1867); "Six months in India" (1868, 2 Bde.). Nachher hat sie Indien zum Zweck der Förderung weiblicher Ausbildung noch dreimal besucht, 1868-69, 1870-71 und 1875-76. Sie stiftete die National India Association, deren Zweck die innere Ausgleichung der nationalen Gegensätze zwischen England und Indien sowie die Förderung indischer Kulturbestrebungen war, und wirkte für Strafanstaltsreform, auch auf dem internationalen Gefängniskongreß zu London 1872. Sie starb 13. Juni 1877. Vgl. W. E. Carpenter, The life and work of M. C. (Lond. 1879).

2) William Benjamin, Physiolog, geb. 1813 zu Bristol, studierte in London und Edinburg Medizin, ließ sich in seiner Vaterstadt als Arzt nieder, ging aber 1843 nach London und ward 1847 Examinator für Physiologie und vergleichende Anatomie an der Universität in London, 1849 Professor der gerechtlichen Medizin am University College, 1856 Registrator an der Universität. Er lieferte zahlreiche physiologische Untersuchungen, den größten Ruhm erwarb er sich aber durch die 1868 begonnenen und gemeinschaftlich mit Wyville Thomson ausgeführten Tiefseeforschungen, für welche die Regierung die Schiffe zur Verfügung stellte. Diese Untersuchungen über die physikalischen und biologisches Verhältnisse des Meeresgrnndes lieferten höchst wichtige Ergebnisse, durch welche die zoologischen und geologischen Ansichten mehrfach modifiziert wurden. Die Berichte über diese Expeditionen finden sich in den "Proceedings" der Royal Society. Außerdem schrieb C.: "Principles of general and comparative physiology" (4. Aufl. 1854); "Principles of human physiology" (9. Aufl. 1882); "Manual of physiology" (4. Aufl. 1865); "The microscope and its revelations" (6. Aufl. 1881); "Introduction to the study of Foraminifera" (Ray Society); "Zoology and instincts of animals" (1857, 2 Bde.); "Physiology of temperance and total abstinence" (1871); "Principles of mental physiology" (3. Aufl. 1879) etc. Als Gegner des Spiritualismus schrieb er: "Mesmerism and spiritualism historically considered" (1877) u. a.

Carpentras (spr. kárpangtra), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Vaucluse, Endstation der von Avignon kommenden Zweigbahn, am Fuß des Mont Ventoux, links am Auzon, von hohen Mauern umgeben, hat eine gotische Kathedrale, 6 andre Kirchen, eine Synagoge, ein Collège, eine Bibliothek von 25,000 Bänden und 1200 Manuskripten und ein Museum mit interessanten Antiquitäten (darunter das berühmte Basrelief von C., ein Opfer darstellend, das eine Frau dem Gott Osiris darbringt). Sehenswert sind auch: der Justizpalast mit den Resten eines römischen Triumphbogens, das kühn und elegant gebaute Thor von Orange, der moderne Aquädukt und das Hôtel-Dieu. Die Einwohner (1881: 7374 an Zahl, darunter über 2000 Juden) betreiben Baumwoll- und Seidenspinnerei, Färberei, Öl-, Weingeist- und Essenzenfabrikation sowie starken Handel mit diesen Produkten, mit Krapp und Obst. C. ist das Carpentoracte der Alten, das wegen seines vortrefflichen Weizenbaues berühmt war. Seit dem 5. Jahrh. bis 1805 war C. Bischofsitz, ferner Hauptstadt der Grafschaft Venaissin und als solche häufig der Aufenthaltsort der Päpste von Avignon. In der neuern Zeit machte sich die Stadt durch ihre tapfere Verteidigung gegen den Revolutionsgeneral Jourdan (1793) bekannt.

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]