Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Cavendish; Caverna; Cavia; Cavicornia; Caviina; Cavini; Cavite; Cavour

877

Cavendish - Cavour.

Malerei unter Delaroche aus, schuf aber nachher nur plastische Werke. 1842 erhielt sein Diomedes mit dem geraubten Palladium den großen Preis für Rom, wo er fünf Jahre lang studierte. 1842 stellte er die Erzstatue eines olympischen Siegers im Wettlauf, 1849 die Marmorstatue der schlafenden Penelope aus, die der Herzog von Luynes für sein Schloß Dampierre erwarb. Unter seinen folgenden Bildwerken nennen wir eine Statue der Wahrheit (1853), welche mit der durch ihren hohen Adel der Formen ausgezeichneten Mutter der Gracchen ins Museum des Luxembourg kam, die Statue des Evangelisten Matthäus am Hauptportal von Notre Dame, das Grabdenkmal des Erzbischofs Affre in derselben Kirche, Karyatiden am Neuen Louvre, die Porträtstatue des Philosophen Pascal im Turm St.-Jacques la Boucherie, die Statue Napoleons I. als Gesetzgeber im Neuen Louvre und vier Statuen von Heiligen in der Kirche St.-Augustin.

Cavendish (spr. käww'ndisch od. känndisch), 1) (C. von Trimley) Sir Thomas (bei den Zeitgenossen gewöhnlich Candish genannt), engl. Seefahrer, geboren in der Grafschaft Suffolk, studierte eine Zeitlang zu Cambridge, wandte sich dann an den Hof, wo er im Spiel fast sein ganzes Vermögen vergeudete, und beschloß nun, als Seefahrer sein Glück zu versuchen. Er rüstete aus eigenen Mitteln 1586 drei Schiffe aus, umsegelte die Südspitze des amerikanischen Kontinents, und dann längs der chilenischen und peruanischen Küste steuernd, kaperte er gegen 20 Schiffe der Spanier mit einer Ladung von ungeheuerm Wert, brandschatzte deren Städte und kam nach vollbrachter Weltumseglung 9. Sept. 1588 glücklich und mit reicher Beute in den Hafen von Plymouth zurück. Allein schon nach wenigen Jahren war alles wieder verschwendet, und C. sah sich zu neuen Unternehmungen genötigt. So brach er 26. Aug. 1591 von neuem mit fünf Schiffen auf, segelte wieder brennend und sengend längs der Küste Brasiliens, erreichte auch die Magelhaensstraße, welche er aber des stürmischen Wetters wegen nicht zu durchfahren vermochte, und fand aus der Rückreise im Atlantischen Ozean 1592 seinen Tod. Unter der Mannschaft der übrigen Schiffe befand sich der berühmte Nordpolfahrer John Davis (s. d.).

2) Henry, Chemiker, geb. 10. Okt. 1731 zu Nizza, Sohn des Lords Charles C. (s. Devonshire), lebte als Privatmann nur den Wissenschaften und starb 14. Febr. 1810 in London. Er erkannte 1766 Kohlensäure und Wasserstoff als eigentümliche Gase, bestimmte deren spezifisches Gewicht, entdeckte das Knallgas und gab die ersten Begriffe von der chemischen Äquivalenz. In seinen Arbeiten über die atmosphärische Luft (1783-88) zeigte er die konstante Zusammensetzung derselben und untersuchte die Veränderungen, welche die Luft erleidet, wenn andre Körper in ihr verbrennen. Er stellte fest, daß beim Verbrennen von Wasserstoff ein den verschwundenen Gasen gleiches Gewicht Wasser entsteht, und erkannte, daß sich bei Verbindung von Stickstoffoxyd mit Sauerstoff salpetrige Säure bildet, blieb aber trotzdem der phlogistischen Theorie treu. 1798 bestimmte er die mittlere Dichtigkeit der Erdkugel und lieferte auch mathematische und astronomische Arbeiten. Seine Schriften, meist Abhandlungen in den "Philosophical Transactions" (1766-1809), sind durch Scharfsinn und Genauigkeit ausgezeichnet. Vgl. Wilson, Life of Henry C. (Lond. 1852).

3) Frederick Charles, Lord, brit. Staatsmann, geb. 20. Nov. 1836, zweiter Sohn des Herzogs von Devonshire und jüngerer Bruder des Marquis von Hartington, studierte in Cambridge und bekleidete 1859-64 bei Lord Granville und, seit 1865 liberales Mitglied des Unterhauses, 1872-73 bei Gladstone den Posten eines Privatsekretärs. In dem Ministerium des letztern war er von August 1873 bis Februar 1874 Lord im Schatzamt und von April 1880 bis Mai 1882 Finanzsekretär desselben. Im Mai 1882 wurde er, als Forster wegen der Änderung der irischen Politik Gladstones seine Entlassung nahm, zum Obersekretär für Irland ernannt und reiste mit dem Vizekönig Lord Spencer 5. Mai nach Dublin ab. Allein schon am Nachmittag des 6. Mai wurde er, als er mit dem Unterstaatssekretär Th. Burke im Phönixpark zu Dublin lustwandelte, von Mördern überfallen und getötet. Die Mörder, welche die That aus Haß gegen England vollbracht hatten, wurden 1883 von einem Mitschuldigen (Carey) verraten und hingerichtet. Der liberalen Partei des Unterhauses hatte C. seit 1865 als Mitglied für einen Wahlbezirk der Grafschaft Yorkshire angehört.

Caverna (lat.), s. Kaverne.

Cavia, Meerschweinchen.

Cavicornia, Horntiere.

Caviina, Meerschweinchen, Familie der Nagetiere (s. d.).

Cavini (Cavinius), Giovanni, ital. Stempelschneider, geb. 1499 zu Padua, hat sich besonders durch treue Nachahmung antiker Münzen bekannt gemacht. Die Antikenhändler wußten seinen Münzen auch ein altes Aussehen zu geben und sie als echte zu verkaufen, daher man alle unechten antiken Münzen schlechthin Paduaner nannte. Auch als Edelsteinschneider wird C. rühmlich erwähnt. Er starb 1570.

Cavite, Stadt, s. Luzon.

Cavour (spr. -wuhr), Flecken in der ital. Provinz Turin, Kreis Pinerolo, am Fuß eines isolierten, 410 m hohen Bergs, auf welchem das alte Caburrum angelegt wurde, und am Pellice, mit (1881) 1921 Einw., welche Seidenspinnerei und Leinweberei treiben. In der Nähe die 1010 gegründete, einst sehr reiche Benediktinerabtei Santa Maria di C.

Cavour (spr. -wuhr), Graf Camillo Benso di, ital. Staatsmann, geb. 10. Aug. 1810 zu Turin aus altadliger, reicher Familie, erwarb sich, als jüngerer Sohn zum Militär bestimmt, in der Militärakademie zu Turin besonders in der Mathematik ausgezeichnete Kenntnisse und wurde dann als Genieleutnant bei den Fortifikationsarbeiten in den Alpenpässen verwendet. Doch nahm er, da seine liberalen Ansichten sich mit dem Militärdienst nicht befreunden konnten, 1831 seinen Abschied und widmete sich dem Studium der Nationalökonomie und der Bewirtschaftung seiner ausgedehnten Güter in der Lomellina, erweiterte auch seine wirtschaftlichen und politischen Kenntnisse durch wiederholte Reisen, besonders nach England und Frankreich. Das konstitutionelle System, wie er es in England durchgeführt fand, nebst der ausschließlichen, aber unbedingten Herrschaft des Gesetzes blieb das Ideal seiner Politik. Nachdem er sich zu Haus anfangs mit Gründung gemeinnütziger Anstalten zur Hebung der ökonomischen und sozialen Zustände (z. B. von Kinderasylen und 1842 der Landwirtschaftlichen Gesellschaft) beschäftigt hatte, begründete er infolge der Reformbewegungen, die 1846 in verschiedenen Teilen Italiens, besonders im Kirchenstaat, begannen, mit dem Grafen Cesare Balbo u. a. das Journal "Il Risorgimento", für welches er namentlich nationalökonomische Artikel schrieb. Seine politische Bedeutung begann mit dem Jahr 1848.

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]