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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ceresin; Céret; Cereus

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Ceresin - Cereus.

dem zweiten Punischen Krieg eingerichtetes Jahresfest wurde im August zu Ehren der Wiedervereinigung der C. und Proserpina von den Frauen begangen, die nach neuntägigem Fasten in weißer Kleidung und mit den Kränzen reifer Ähren geschmückt der Göttin die Erstlinge der Früchte darbrachten. Dazu kam noch seit 191 v. Chr. ein gleichfalls auf Anordnung der Sibyllinischen Bücher eingeführtes Fasten der C. (jejunium Cereris), das ursprünglich alle vier Jahre, dann später jährlich am 4. Okt. stattfand. Am reinsten erhielt sich wohl der einheimische Kult der C. auf dem Land. Hier opferte ihr der Landmann vor dem Beginn der Ernte eine Sau (porca praecidanea) und weihte ihr den ersten Schnitt des Getreides (praemetium). Weiteres (auch über die bildlichen Darstellungen der C.) s. Demeter.

Ceresin (Cerosin, Cerin, Erdwachs, Mineralwachs, Ozocerotin, künstliches Wachs), aus Ozokerit dargestelltes Präparat, welches in mancher Hinsicht dem Bienenwachs ähnlich ist, wird erhalten, indem man Ozokerit mit 6-10 Proz. Schwefelsäure erhitzt und dann behufs der Entfärbung mit Kohle behandelt. Das so erhaltene hellgelbe Naturwachs wird durch weitere Behandlung mit Schwefelsäure und Natronlauge völlig entfärbt. Man hat auch versucht, die Chemikalien vollständig zu vermeiden, den Ozokerit nur mit sehr viel Kohle gemischt und die Masse mit Benzin oder Schwefelkohlenstoff extrahiert. Wenn man dann filtriert, das Lösungsmittel abdestilliert und den Rückstand noch einmal filtriert, erhält man ebenfalls reines C. Die Ausbeute beträgt 70-90 Proz. Gewöhnlich schmelzt man das C. mit Bienenwachs, japanischem oder Karnaubawachs zusammen. Es ist schön weiß, geruchlos, verändert sich noch nicht bei 250° und schmilzt bei 62-80°. Man benutzt es zu Wachskerzen, in der Parfümerie und Pharmazie als Ersatz des Bienenwachses, zur Appretur leinener und baumwollener Stoffe, in der Wäsche-, Kragen- und Manschettenmanufaktur und besonders in Militärwerkstätten. Vgl. Perutz, Die Industrie der Mineralöle etc., Bd. 2 (Wien 1879).

Céret (spr. sserä, das Ceredisium des Mittelalters), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Ostpyrenäen, südwestlich von Perpignan, am Nordabhang der Monts Albères, nahe dem Tech, über welchen nördlich der Stadt eine kühne Brücke mit einem Bogen führt, ist mit alten Mauern und Türmen umgeben, hat eine Kirche mit schönem Portal, einen Springbrunnen von weißem Marmor und (1881) 3104 Einw., welche von Stöpselfabrikation, Wein- und Obstbau leben. In C. kamen 1660 spanische und französische Bevollmächtigte zur Regulierung der spanischen und französischen Grenzen zusammen. Am 25. April 1793 schlug Ricardes hier die Franzosen und 20. April 1794 Dugommier die Spanier unter dem Grafen de la Union.

Cereus Mill. et Haw., (Fackeldistel, Schlangenfackeldistel, Säulenkaktus), Gattung aus der Familie der Kakteen, lange, säulen- oder schlangenförmige, drei- bis vieleckige oder runde Stämme, bis 9 und 10 m hoch, einfach (ohne Äste) oder ästig, auch kriechend, größtenteils mit Borsten und Stacheln versehen, selten unbewehrt. Die jungen Triebe und Blüten treten stets aus den Stachelbündeln oder den deren Stellen vertretenden Kerben hervor und zwar die oft 18-20 cm langen und sehr reichlich erscheinenden Blüten stets nur aus den ältern seitlichen, die vollkommen ausgewachsen sind. Die Blumenkrone hält 5-30 cm im Durchmesser, ist in der Regel weiß oder gelblichweiß (vorzüglich bei den nächtlich blühenden Arten), bisweilen prächtig karmin-, feuer- oder rosenrot; die Kelche sind oft anders gefärbt. Die Cereen blühen teils mehrere Tage, ohne sich zu schließen, teils nur eine Nacht oder nur einige Stunden des Mittags, sind meist geruchlos, manche aber auch von starkem, durchdringendem Wohlgeruch. Ihr Vaterland ist Mexiko, Westindien, Südamerika, vorzüglich aber Brasilien, und in öden Landstrichen, wo andre Vegetation fehlt, treten ihre zum Teil mächtigen Formen in charakteristischer Weise hervor. C. giganteus Engelm. (s. Tafel "Kakteen"), die größte Art, wird 12-16 m hoch, einige Fuß dick, hat weißliche Blüten von 10-13 cm Durchmesser, welche oft ungemein reichlich erscheinen, und 15-30 cm im Durchmesser haltende Früchte, welche ein Hauptnahrungsmittel der Kalifornier bilden, die mit deren Ernte besondere Festlichkeiten verbinden; die Stämme entfalten ein leichtes, zähes Holz, welches zu mancherlei Zwecken benutzt wird. Viele andre Arten gehören wegen ihrer auffallenden Formen und meist prachtvollen Blüten zu den geschätztesten Zierpflanzen. C. fimbriatus Dec., aufrecht, mit acht stumpfen Ecken und langen, weißen Stacheln, hat sehr schöne rosenrote Blüten und rundliche, glänzend rote Früchte von der Größe einer Pomeranze mit stachligen Warzen und feuerrotem Fleisch, die recht angenehm säuerlich schmecken und in Westindien sehr häufig gegessen, auch in Fiebern als Kühlungsmittel gegeben werden, während der brennende Saft des Stengels zum Blasenziehen, gegen Warzen und Hautkrankheiten, auch innerlich bei Verhärtungen angewendet wird. C. senilis Dec. ist mit langen, weißen, gekräuselten Haaren so dicht bekleidet, daß die Pflanze, ganz davon eingehüllt, einem Greisenbart gleicht. C. moniliformis Dec., ein niederliegender Strauch, dessen Äste sich nach allen Seiten hin ausbreiten, wächst auf den Antillen zwischen den Felsen am Meer. Man gebraucht die von den Stacheln befreiten, zerquetschten Glieder zu Breiumschlägen und zu Bähungen. C. flagelliformis Mill. (Peitschenkaktus), mit herabhängenden oder kriechenden, dünnen, schlanken Ästen, kurzen Stacheln, bläulich-rosenfarbenen oder hell purpurroten, bis 8 cm langen Blüten und kugeligen, dunkel purpurrötlichen, mit borstigen Knötchen besetzten Früchten von pflaumenähnlichem Geschmack, ist in Westindien und Südamerika einheimisch, wird sehr häufig im Zimmer gezogen. C. grandiflorus Haw. (Königin der Nacht), von den Kariben- und Antilleninseln, mit mattgrünem, fünf- bis siebenkantigem Stamm und ebensolchen langen, sich untereinander windenden und mit vielen Luftwurzeln anheftenden Ästen, sehr großen, prachtvollen, stark nach Vanille duftenden Blüten, die 16-20 cm im Durchmesser sowie goldgelbe, glänzende Kelchblätter und lanzettliche, schneeweiße Kronblätter haben, sich des Abends öffnen und bis zum Morgen dauern, wird in Südamerika wegen seiner heilkräftigen Wirkungen und in Europa zur Zierde kultiviert und trägt orangegelbe, säuerlich schmeckende Früchte; der scharfe Saft des Stammes und der Äste wird äußerlich als blasenziehendes Mittel und zu reizenden Einreibungen, auch als Wurmmittel angewendet. C. triangularis Haw., mit fast aufrechtem, wurzelndem, gegliederten, hellgrünem Stamm und sehr großen, schönen weißen Blüten, die gegen Abend aufblühen und bis gegen 11 Uhr am andern Morgen dauern, auf den Antillen, Kariben und in Mexiko, steigt an Felsen und Bäumen hoch hinauf, indem er sich mit den Wurzeln der zahlreichen Äste festhält, wird auch häufig an Häusern gezogen. Die Früchte, von der Größe eines Gänseeies, nackt, unbewehrt, außen und

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