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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Charette de la Contrie - Charilaos.

ten, kehrte er nach Frankreich zurück, bildete aus den ihm treu gebliebenen päpstlichen Zuaven und neuen Elementen die "Legion der Freiwilligen des Westens", schloß sich an die Loirearmee an und zeichnete sich 9. Nov. bei Coulmiers aus. Bei Loigny 2. Dez. schwerverwundet, rettete er sich über die Loire und begab sich nach Bourges. Nach Abschluß des Waffenstillstandes verweigerte er beharrlich die Annahme einer Kandidatur für die Nationalversammlung, nahm auch, nachdem er wider seinen Willen mit großer Mehrheit gewählt worden war, das Mandat nicht an und zog sich ganz ins Privatleben zurück, aus welchem er nur hervortrat, um legitimistische Wallfahrten zu organisieren und durch Adressen oder Besuche dem Grafen von Chambord seine Ergebenheit zu bezeigen.

Charette de la Contrie (spr. scharett d' la kongtrih), François Athanase, Führer der Vendéer im Kampf gegen die französische Republik, geb. 17. April 1763 zu Couffé bei Ancenis, trat in den Marinedienst und ward 1789 Schiffsleutnant, verließ aber bei den Fortschritten der Revolution Frankreich und ging nach Koblenz. Infolge von Verlusten im Spiel nach der Bretagne zurückgekehrt, wurde er Chef der Nationalgarde, versuchte in Paris den König zu retten, entging glücklich den Verfolgungen vom 10. Aug. 1792 und lebte eine Zeitlang auf seinem Schloß Fonteclause. Von den Insurgenten des untern Poitou 1793 zum Führer erwählt, organisierte er die bewaffneten Scharen, erlitt zwar erst durch den republikanischen General Boulard mehrere Niederlagen, machte sich aber dann zum Herrn der ganzen untern Vendée. Da er nach Vereinigung mit den Insurgenten der obern Bretagne nicht zum Oberkommandanten gewählt ward, focht er fortan auf eigne Faust und ward durch Sengen und Brennen und schonungsloses Morden ein Schrecken der Republikaner, ohne aber etwas Bedeutenderes ausrichten zu können. Er verband sich mit Stofflet, dem Führer in der obern Bretagne, schloß jedoch 15. Febr. 1795 mit dem Konvent Frieden und versprach, auch Stofflets Unterwerfung zu bewirken. Weil aber General Hoche mehrere Vendéerchefs hatte verhaften lassen, brach C. alle friedlichen Verhandlungen ab und nahm den Krieg wieder auf. Er mußte nach einem blutigen Gefecht bei St.-Cyr in den Wald von Aizenay fliehen, von wo aus er einen Guerillakrieg begann. In demselben schwerverwundet, wurde er gefangen und 29. März 1796 in Nantes erschossen. Vgl. Le Bouviers, Vie du général C. (Nantes 1823).

Charfreitag, s. Karfreitag.

Charge (franz., spr. schärsch), Last, Gewicht, Ladung; Amt, Stelle, besonders eine höhere, beim Militär der Rang, die Dienststellung und zwar Offiziers- und Unteroffiziers charge, deren jede mehrere Unterabteilungen hat und durch besondere Rangabzeichen (s. Abzeichen) gekennzeichnet ist; dann der Angriff mit blanker Waffe, besonders bei der Kavallerie; Ladung zum Schuß; beim Schauspiel Rolle, welche, ohne Hauptrolle zu sein, doch einen bestimmt ausgeprägten, stark aufgetragenen Charakter hat; in der Maler- und Dichtkunst das Überladene, Übertriebene im Ausdruck.

Chargé d'affaires (franz., spr. scharscheh daffähr), Geschäftsträger, diplomatischer Agent, welcher nicht bei einem Souverän, sondern nur bei einem auswärtigen Amt akkreditiert ist und seine Vollmacht lediglich vom Minister hat. Vgl. Gesandte.

Chargeh, El (Große Oase), langer, östlich von 30° 40' östl. L. v. Gr. zwischen 25° 30' und 26° 30' nördl. Br. sich erstreckender Oasenzug in der Libyschen Wüste, der 1874 von Schweinfurth gründlich durchforscht wurde; 1875 besuchte ihn Brugsch. Nach dem erstern (vgl. "Petermanns Mitteilungen" 1875, mit Karte) ist die Oase reich an Quellen, noch mehr aber an Brunnen, von denen heute noch 220 sichtbar, aber nur 70 benutzbar sind; die übrigen sind verschüttet. Die Dumpalme bildet stellenweise förmliche Wälder, die zum Teil herrenlos sind. Das Kulturland beträgt heute 836 Hektar, muß aber früher weit größer gewesen sein, wie die zahlreichen aus altägyptischer, griechischer, römischer und christlicher Zeit stammenden Bauten beweisen. Unter ihnen ist am bemerkenswertesten der Tempel von Hibe, der, 50 m lang und 20 m breit, im reichsten Schmuck farbiger Hieroglyphenbildwerke prangt. Er wurde von Darius dem thebaischen Ammon zu Ehren erbaut. An ihn schließen sich Tempel aus Trajans, Domitians und Hadrians Zeit, fünf große römische Kastelle aus ungebrannten Ziegeln, eine christliche Nekropolis mit 200 gut erhaltenen Mausoleen und byzantischen Kuppelbauten, Klosterruinen, in denen einst Athanasius und Nestorius weilten. Die meisten und bedeutendsten dieser Ruinen befinden sich bei der größten, insbesondere El C. genannten Oase mit 3500 Einw.; die südlichste, Mex, ist Sammelplatz der Dar Fur-Karawanen zur Erhebung des ägyptischen Zolles. Der ganze Oasenkomplex zählt nach Schweinfurth (1874) 5740 Einw., muß aber in früherer Zeit eine weit größere Zahl von Menschen beherbergt haben.

Chargenpferde, die im deutschen Heer den Leutnants der Kavallerie, reitenden Artillerie und den Adjutanten, vom Brigadeadjutanten aufwärts, in Österreich den Offizieren der Kavallerie vom Oberstleutnant, bei der Feldartillerie vom Hauptmann abwärts vom Staat "zum dienstliche Gebrauch" überwiesenen Pferde, welche nach fünf, resp. acht Jahren Eigentum des Öffiziers werden.

Chargieren (franz., spr. scharsch-), belasten; jemand mit etwas beauftragen; ein Gewehr oder Geschütz laden; einen Kavallerieangriff (Charge oder Chok) ausführen.

Chargierschritt, s. v. w. Sturmschritt.

Chargierter, ein mit einem militärischen Grad, einem Amt, einer Würde Bekleideter, besonders bei Studentenkorps der Senior, Subsenior etc.

Charibert I., fränk. König aus der Dynastie der Merowinger, der älteste von den vier Söhnen Chlotars I. (gest. 561), verband sich, als Chilperich I. das ganze Reich begehrte, mit seinen Brüdern Guntram und Sigbert und erzwang so die Teilung des Reichs, bei der ihm Aquitanien und Paris zufielen. Wegen seines unkeuschen Lebens, namentlich wegen Verführung einer Klosterjungfrau, traf ihn von seiten des Bischofs Germanus des Heiligen von Paris der Bann. Er starb 567 ohne männliche Erben. - C. II., Sohn Chlotars II., regierte 628-631 über Aquitanien.

Charientismus (griech.), Benehmen und Redeweise, in welcher sich die Charis (Grazie) zeigt; auch s. v. w. euphemistische Ausdrucksweise.

Charikles, Athener, Sohn des Apollodoros, ein Anhänger der oligarchischen Partei, befehligte 413 v. Chr. im Peloponnesischen Krieg die athenische Flotte und war nach Athens Sturz 404-403 einer der Dreißig Tyrannen.

Charilaos, König von Sparta, nachgeborner Sohn des spartanischen Königs Polydektes, Neffe und Mündel des Lykurgos, dessen Staatsreform um 880 v. Chr. in seine Regierungszeit fiel. C. zerstörte in Gemeinschaft mit seinem Mitkönig Archelaos die Stadt Agis an der arkadischen Grenze und fiel in das Gebiet der

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