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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Chelidon - Chelmsford.

(geschrieben um 1450, gedruckt 1521) zu bezeichnen. Seine Lehren fanden, namentlich nach der Niederlage der Taboriten, zahlreiche Anhänger und bildeten die Grundlage der Kunwalder Vereinigung (1453), aus welcher die Böhmische Brüdergemeinde hervorging. C. starb um 1460. Vgl. F. Schulz, Petr C. (tschech., Prag 1882); Goll, Peter C. u. seine Lehre (Prag 1882).

Chelidon, s. Schwalbe.

Chelidoniae Insulae (Schwalbeninseln), im Altertum Name einer Gruppe von fünf Felseneilanden, dem Promontorium Sacrum (jetzt Kavo Chelidonia) in Lykien gegenüber.

Chelidonin C19H17N3O3 ^[C_{19}H_{17}N_{3}O_{3}], ein Alkaloid, welches sich im Schöllkraut (Chelidonium majus L.), besonders in der Wurzel, findet, bildet farb- und geruchlose Kristalle, schmeckt bitter, dann kratzend, löst sich schwer in Alkohol, nicht in Wasser, bildet mit Säuren Salze und ist nicht giftig. Neben C. findet sich im Schöllkraut Chelerythrin (Chelin, Sanguinarin, Pyrrhopin) C19H17NO4 ^[C_{19}H_{17}NO_{4}], welches auch in der Wurzel von Glaucium luteum Scop. vorkommt, feine, farblose Kristalle bildet, unlöslich in Wasser, aber löslich in Alkohol ist und brennend scharf schmeckt. Der Staub erregt heftiges Niesen; es bildet orangerote Salze und ist giftig. Außerdem enthält Schöllkraut noch Chelidonsäure C7H4O6 ^[C_{7}H_{4}O_{6}], welche farblose, an der Luft verwitternde, in heißem Wasser leicht lösliche Kristalle bildet und meist gelbe Salze liefert.

Chelidonisma (griech.), Schwalbenlied, Name alter Volkslieder auf die Rückkehr der Schwalben, welche bei den alten Griechen (namentlich auf Rhodus) herumziehende Kinder vor den Thüren fangen, worauf sie mit Eßwaren beschenkt wurden. Die Sitte hat sich bis heute in Griechenland erhalten.

Chelidonium L. (Schöllkraut), Gattung aus der Familie der Papaveraceen, mit der einzigen Art C. majus L. (Schwalbenkraut, Gilbkraut, Schöll- oder Goldwurz), ein zartes, bis 1 m hohes Kraut mit ansehnlicher, ausdauernder Wurzel, behaartem Stengel, abwechselnd stehenden, gefiedert-fiederspaltigen Blättern mit doppelt lappig gekerbten, oberseits hell-, unterseits bläulichgrünen Blättchen. Die gelben Blüten stehen in einfachen Dolden, die Kapsel ist lang schotenförmig, vielsamig. Es wächst an schattigen Stellen in Europa und Nordasien und ist in Nordamerika eingewandert. Die ganze Pflanze ist mit einem scharfen, rotgelben Milchsaft erfüllt, welchem sie den bittern, brennenden Geschmack verdankt. Der widerliche Geruch verschwindet beim Trocknen fast vollständig. Sie enthält an eigentümlichen Stoffen Chelerythrin, Chelidonin, Chelidonsäure und einen nicht näher untersuchten Farbstoff, das Chelidoxanthin. Das C. ist schon seit dem Altertum in medizinischem Gebrauch, doch wird es gegenwärtig kaum noch angewandt. Der gelbe Milchsaft wirkt in kleinen Gaben reizend, in größern Gaben narkotisch-scharf und sogar lebensgefährlich. Er wird häufig zum Vertreiben der Warzen, auch gegen Sommersprosse und Hautausschläge benutzt. Die Alten hielten ihn für ein Spezifikum gegen die Milzsucht.

Chelidromia (Halonnisos), griech. Insel nördlich von Euböa, mit einem Ort gleichen Namens, ist 72 qkm (1,30 QM.) groß, bergig (457 m hoch) und bewaldet und hat ein ergiebiges Braunkohlenlager sowie 400 Einw. Im Altertum hieß die Insel Ikos und hatte zwei Städte, von deren einer noch Trümmer sichtbar sind. Man zeigte dort das Grab des Peleus.

Chelifer, Bücherskorpion.

Chelius, Maximilian Joseph von, Mediziner, geb. 16. Jan. 1794 zu Mannheim, studierte hier und in Heidelberg, ward, nachdem er in München und Landshut einige Zeit praktiziert hatte, 1813 Hospitalarzt in Ingolstadt, machte als Regimentsarzt bei den badischen Truppen die beiden Feldzüge nach Frankreich mit und ging 1817 als außerordentlicher Professor der Chirurgie nach Heidelberg, wo er 1819 zum ordentlichen Professor ernannt wurde. Er errichtete daselbst die chirurgisch-ophthalmiatrische Klinik, aus der eine Menge tüchtiger Wundärzte hervorgegangen sind. 1864 legte er sein Lehramt nieder und starb 17. Aug. 1876 in Heidelberg. Sein Hauptwerk ist sein "Handbuch der Chirurgie" (Heidelb. 1822; 8. Aufl. 1858, 2 Bde.). Außerdem schrieb er: "Handbuch der Augenheilkunde", deutsch und französisch (Bd. 1, Stuttg. 1844; Bd. 2, das. 1839); "Über die Heilung der Blasenscheidenfisteln durch Kauterisation" (Heidelberg 1845). Auch gab er seit 1835 mit Puchelt und Nägeli die "Medizinischen Annalen" heraus. - Sein Sohn Franz, geb. 6. Sept. 1822 zu Heidelberg, ebenfalls Chirurg, war bis 1873 Professor daselbst, lebte dann in Dresden und leitet seit 1877 eine Privatklinik für chirurgische und Frauenkrankheiten. Er schrieb: "Amputation am Fußgelenk" (Heidelb. 1846); "Staphylom der Hornhaut" (das. 1847).

Chelles (spr. schähl), Flecken im franz. Departement Seine-et-Marne, Arrondissement Meaux, an der Marne und der Ostbahn, mit einer Kirche aus dem 13. Jahrh., den Resten einer alten Abtei und (1876) 2351 Einw. C. war in der Merowingerzeit eine der Residenzen der fränkischen Könige. In der Nähe siegreiches Gefecht des 12. Korps (Sachsen) gegen die Franzosen unter Trochu (21. Dez. 1870).

Chelm (spr. cholm), Stadt im polnisch-russ. Gouvernement Lublin, an der Uker, die dem Bug zufließt, in getreidereicher Gegend, hat ein Schloß, mehrere griechische und kath. Kirchen, ein Gymnasium und (1879) 5595 Einw., welche bedeutenden Handel mit Vieh und Cerealien treiben. C. ist der Sitz eines unmittelbar unter dem Papste stehenden unierten Bischofs.

Chelmsford (spr. tschelmsförd oder tschems-), Hauptstadt der engl. Grafschaft Essex, am schiffbaren Chelmer, mit Grafschaftshalle (Shire Hall), alter Kirche, Museum und Freischule, lebhaftem Handel mit Vieh und Korn, Fabrikation landwirtschaftlicher Maschinen und (1881) 9985 Einw.

Chelmsford (spr. tschelmsförd oder tschems-), 1) Frederick Thesiger, Lord, brit. Staatsmann, geb. 15. Juli 1794 zu London, diente erst in der Marine, wandte sich aber dann dem Studium des Rechts zu, ward im Februar 1844 Mitglied des Unterhauses und unter Peels Ministerium im Mai 1844 Solicitor general, im Juli 1845 Attorney general. Nach Peels Rücktritt war er im Parlament eine Hauptstütze der Tories. Bei der Bildung des Ministeriums Derby im Februar 1853 ward ihm abermals der Posten eines Attorney general anvertraut, den er jedoch schon im Dezember durch den Sturz des Torykabinetts wieder verlor. Im Februar 1858 ward er nach dem Wiedereintritt Derbys ins Ministerium zum Lordkanzler und zum Peer mit dem Titel Baron C. ernannt, trat aber im Juni 1859 zurück. In Lord Derbys dritter Verwaltung, 9. Juli 1866, bekleidete er bis zum Februar 1868 denselben Posten. Er hielt sich seitdem vom politischen Leben fern und starb 5. Okt. 1878 in London.

2) Frederick Augustus Thesiger, Lord, Sohn des vorigen, geb. 31. Mai 1827, betrat die militärische Laufbahn und diente längere Zeit als Oberst und Generaladjutant der Armee von Bengalen in Indien. Zum Generalmajor befördert, wurde er 9. Febr. 1878

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]