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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Cheiránthus; Cheiron; Cheiroptera; Cheirospásmus; Cheky; Chelae; Chelard; Chelath; Chelcicky

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Cheiranthus - Chelcicky.

mähliche Vertiefung der Atmung folgt, der sich eine Reihe immer oberflächlicher werdender Einatmungen mit der schließlichen Atempause anschließt. Dies Phänomen kommt durch Herabsetzung der Erregbarkeit des respiratorischen Zentrums zu stande, so daß das vasomotorische Zentrum früher als jenes durch die Bereicherung des Bluts an Kohlensäure, resp. die Verarmung an Sauerstoff erregt wird. Am Schluß der Atempause tritt eine Verengerung der Arterien ein und infolgedessen zunehmende Anämie des respiratorischen Zentrums, durch welche der Patient zu tiefer Atmung angeregt wird. Hierdurch bereichert sich aber das Blut an Sauerstoff und verliert seine Kohlensäure, und so löst sich der Gefäßkrampf, die Anämie des respiratorischen Zentrums nimmt ab, und der Reiz zur tiefern Atmung verschwindet.

Cheiránthus R. Brown (Lack, Goldlack), Gattung aus der Familie der Kruciferen, zweijährige oder ausdauernde Kräuter oder Halbsträucher mit einfachen, lanzettförmigen oder linealen Blättern, in langen Trauben stehenden, gelben oder orangeroten Blüten und zusammengedrücktem, vierkantigem, an der Spitze zweizähnigem Schötchen, finden sich besonders in den Mittelmeerländern und eignen sich größtenteils zu Zierpflanzen. C. cheiri L. (gemeiner Goldlack, gelbe Viole, Lackviole, Gelbveigelein), mit wohlriechenden, gelben, auch braunen und violetten Blüten, wächst an steinigen Stellen und alten Mauern im südlichen, hier und da auch im mittlern Europa wild und blüht fast den ganzen Sommer hindurch. Die bitter und kressenartig schmeckenden Blüten wurden früher arzneilich benutzt. Man kultiviert von dieser allbeliebten Zierpflanze, deren Blumen Schönheit und Wohlgeruch vereinigen, in Deutschland eine Menge Varietäten mit verschieden gefärbten, auch gefüllten Blüten. Auch im Altertum war der Goldlack neben Rosen und Lilien eine beliebte Zierpflanze, und neben den dunkeln Veilchen (Viola) werden stets auch die hellen, farbigen genannt, unter welchen Levkoje und Goldlack zu verstehen sind.

Cheiron (Chiron), bei Homer der gerechteste der Kentauren, heilkundig, Erzieher und Lehrer des Achilleus, Theseus, Polydeukes, Diomedes und andrer Heroen, war ein Sohn des Kronos und der Okeanide Philyra und bewohnte eine Höhle des Pelion. Spätere Mythographen versetzen ihn, als die Kentauren durch die Lapithen vom Pelion vertrieben waren, auf das Vorgebirge Malea. Schon seine Herkunft stellt ihn in einen Gegensatz zu den wilden "Roßkentauren", die Ixion (s. d.) mit einer Wolke erzeugt haben sollte, ein Gegensatz, den man auf die Doppelnatur eines Gebirges wie der Pelion zurückführen will: oben reich an freier Luft, reinem Wasser und heilkräftigem Kraut, weiter unten alle Schrecknisse der im Gebirge in verstärkter Wildheit tobenden Elemente zeigend. Vorzüglich treten in den alten Sagen seine Verdienste um die Wundheilung, namentlich um die Erforschung der Heilkräfte der Pflanzen, sowie um den Unterricht in der Gymnastik und Tonkunst hervor. Als Lehrer des Achilleus ist er schon in die Geschichte von dessen Vater Peleus vermochten. Diesen rettete er aus den Händen der Kentauren, lehrte ihn, wie er sich der Thetis bemächtigen könnte, und schenkte ihm an seinem Hochzeitstag auf dem Pelion die unfehlbare Lanze. Dem blinden Phönix gab er sein Gesicht wieder und segnete die ihn auf ihrer Fahrt besuchenden Argonauten. Als er seines Gastes Herakles Waffen untersuchte und ihm ein vergifteter Pfeil auf den Fuß fiel, heilte er sich mit dem Safte des nach ihm genannten Tausendgüldenkrauts (Centaurium); als ihn hingegen bei der Verfolgung der vom Pholos zu ihm nach Malea sich flüchtenden Kentauren ein im Blute der lernäischen Hydra getränkter Giftpfeil traf, litt er Qualen, fand aber den Tod erst, als Zeus seine Unsterblichkeit auf Prometheus übertragen. Sein Bild ward als Schütze unter die Gestirne versetzt. Seine Gemahlin ist Chariklo, seine Tochter Endeis, Mutter des Peleus. Dargestellt wird C. von der antiken Kunst gern als Lehrer des Achilleus im Leierspiel (Wandbilder in Pompeji); er trägt seinen Schüler wohl auch auf dem Rücken, ihn zur Jagd anfeuernd.

Cheiroptera (Chiroptera), Ordnung der Säugetiere, s. v. w. Handflügler.

Cheirospásmus (griech.), s. Schreibkrampf.

Cheky, türk. Gewicht, s. Tscheki.

Chelae (lat.), Scheren, besonders die Scheren der Krebse und Skorpione.

Chelard (spr. scholar), André Hippolyte Jean Baptiste, franz. Komponist, geb. 1. Febr. 1789 zu Paris, trat 1803 ins Konservatorium ein und studierte neben dem Violinspiel die Komposition unter Gossecs Leitung. 1811 mit dem sogen. römischen Preis gekrönt, begab er sich nach Rom, wo er unter Baini und Zingarelli seine Studien fortsetzte. In Neapel schrieb er seine komische Oper "La casa da vendere" (1815) als ersten dramatischen Versuch, der beifällige Aufnahme fand. Nach seiner Rückkehr (1816) wurde er Violinist bei der Oper; erst nach langer Unterbrechung brachte er 1827 seine tragische Oper "Macbeth" in der Großen Oper mit Glück zur Aufführung. Kabalen vertrieben ihn nach Deutschland, wo sein "Macbeth", zum Teil umgearbeitet, 1828 in München über die Bühne ging und ihm den Titel eines Hofkapellmeisters eintrug. Noch einmal begab sich C. jedoch nach Paris und schrieb dort die komische Oper "La table et le logement"; 1830 kehrte er nach München zurück und brachte die komischen Opern: "Minuit" und "L'étudiant" in deutscher Bearbeitung dort auf die Bühne. In den Jahren 1832 und 1833 war er als Kapellmeister an der Deutschen Oper in London, am königlichen, am Drurylane- und Coventgarden-Theater thätig, kehrte aber dann wieder nach Deutschland zurück, führte 1835 zu München die große Oper "Die Hermannsschlacht" auf und wurde 1836 zum Musikdirektor der großherzoglichen Kapelle zu Weimar ernannt, wo er 1842 die Opern: "Die Seekadetten" und "Scheibentoni" zur Aufführung brachte. Er starb 12. Febr. 1861 daselbst. Außer Opern schrieb C. auch Messen, Kantaten und Lieder. Das französisch-nationale Element ist in seinen Werken nicht zu verkennen; doch sucht er sich, besonders in der "Hermannsschlacht", deutscher Weise zu nähern.

Chelath, Stadt, s. Achlat ^[richtig: Achlath].

Chelcicky (spr. cheltschitzki), Petr, böhm. Denker und Schriftsteller der hussitischen Periode, trat 1419-20 in Prag als Gegner der Taboriten auf und ließ sich dann in seinem Geburtsort Cheltschitzky nieder, wo er, obwohl ohne gelehrte Bildung, eine Reihe von Traktaten und Streitschriften verfaßte, in denen er gegen die Anwendung jeglicher Gewalt in Glaubenssachen protestierte und unter Verwerfung alles staatlichen und kirchlichen Zwanges dem wahren Wesen des Christentums, als aus voller Gleichheit und Brüderlichkeit, aus der Liebe zum Nächsten und gegenseitiger Duldung beruhend, das Wort redete. Als die wichtigsten seiner (in tschechischer Sprache abgefaßten) Schriften sind die "Postille" (verfaßt um 1435, gedruckt 1522 u. öfter) und das "Netz des Glaubens"

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]