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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Chèvecier - Chézy.

nischen Frankreich die Partei der hitzigsten Vorkämpfer der legitimen Dynastie den Beinamen C.

Chèvecier (franz., spr. schäw'ssjeh), in der kathol. Kirche der oberste Domherr, welcher die Wachslichte besorgt und die Kirchenornate verwahrt.

Chevelure (franz., spr. schow'lühr), Haarwuchs.

Chevet (franz., spr. sch'wäh), Kopfkissen; bei der Artillerie s. v. w. Richtpolster, Richtkeil.

Cheville, Pas de (spr. pa d' schwihj), ein Bergpfad auf dem Wallis (Sion-Conthey) in das waadtländische Thal des Avencon (Bex), 2036 m. Der Weg bietet eine ergreifende Ansicht der Bergstürze der Diablerets dar, grausige Trümmerfelder, in welche der See von Derborence eingebettet liegt.

Chevillieren, s. Färberei.

Cheviot, 1) die Wolle von den im Cheviotgebirge gezüchteten Schafen der Cheviotrasse. -

2) Ein Gewebe aus gröberer Wolle, geköpert (diagonal) gewebt, sowohl nach Art der Kammgarnstoffe als der tuchartigen Stoffe erzeugt und appretiert, also im letztern Fall gewalkt, gerauht, aber nur wenig geschoren. Es gehört zu den dunkel gefärbten Modeartikeln und dient zu Damenkleidern sowie zu Herrenkleidern an Stelle der leichten Buckskins.

Cheviots (spr. tschewjots, Cheviot Hills), ein Gebirgszug, welcher die Grenze zwischen England und Schottland bildet und bis 816 m Höhe erreicht. Den Kern des Gebirges bildet Porphyr. Die höchsten Erhebungen sind mit Moor bedeckt, aber die Thäler sind fruchtbar und reich an Weiden, und die Schafzucht blüht. Zahlreiche Zuflüsse von Tyne, Tweed und Esk entspringen auf ihm.

Cheviter, kanaanit. Volk in Palästina, wohnten in den Gebirgsthälern um Gibeon und Sichem nordwärts bis zu den Quellen des Orontes und schlossen sich bei der Eroberung des Landes durch die Israeliten diesen freiwillig an; sie wurden daher verschont und nur zum Frondienst gezwungen.

Chèvremont (spr. schäwr'móng), im Mittelalter berühmtes Kloster im SO. von Lüttich, an der Vesdre. In der Nähe lag auf steilem Felsen die Burg C., welche den lothringischen Herzögen in ihren Kämpfen mit den sächsischen Kaisern, besonders mit Otto d. Gr., öfters als Zufluchtsort diente und 980 zerstört ward. An ihrer Stelle steht jetzt eine Marienkapelle (Wallfahrtsort).

Chevreul (spr. schowröl), Michel Eugène, Chemiker, geb. 31. Aug. 1786 zu Angers im Departement Maine-et-Loire, studierte zu Paris, wurde 1809 Assistent seines Lehrers Vauquelin, 1813 Professor der physikalischen Wissenschaften am Lyceum Charlemagne, 1820 Examinator an der polytechnischen Schule, 1824 Direktor der Färberei in der königlichen Manufaktur der Gobelins und 1830 Professor der Chemie am Collège de France. Er trat 1879 in den Ruhestand. C. schrieb: "Recherches chimiques sur les corps gras d'origine animale" (Par. 1823); "Considérations générales sur l'analyse organique et sur ses applications" (das. 1824; deutsch von Trommsdorff, Gotha 1826). Sein "Mémoire sur les teintures" (1826) enthielt die Resultate seiner ausgezeichneten Untersuchungen über die Farben. Von seinen übrigen Schriften sind noch namhaft zu machen: "Leçons de la chimie appliquée à la teinture" (Par. 1831, 2 Bde.); "De la loi du contraste simultané des couleurs et de l'assortiment des objets coloriés" (Straßb. u. Par. 1839); "Théorie des effets optiques que présentent les étoffes de soie" (Lyon 1846); "Recherches chimiques sur la teinture" (Par. 1862 ff.); "Des couleurs et de leurs applications aux arts industriels à raide des cercles chromatiques" (das. 1864); "Histoires des connaissances chimiques" (das. 1866, Bd. 1); "Histoire des principales opinions de la nature chimique des corps" (das. 1869); "Résumé d'une histoire de la matière" (das. 1878). Auch über Wünschelrute und Tischrücken hat C. geschrieben: "De la baguette divinatoire, du pendule explorateur et des tables tournantes" (Par. 1854).

Chevreuse (spr. schowröhs), Stadt im franz. Departement Seine-et-Oise, Arrondissement Rambouillet, an der Yvette, mit Schloßruinen, alter Kirche (12. Jahrh.), Gerberei und (1876) 1900 Einw. Früher Baronie, wurde C. 1545 von König Franz I. zu einem Herzogtum, 1612 von Ludwig XIII. zu einer Pairie erhoben und 1692 von Ludwig XIV. gegen die Grafschaft Montfort l'Amaury eingetauscht.

Chevreuse (spr. schowröhs'), Marie von Rohan-Montbazon, Herzogin von, geb. 1600, Tochter des Herzogs Herkules von Rohan-Montbazon, vermählte sich 1617 mit dem Connetable von Luynes und nach dessen frühem Tod 1622 mit Claude de Lorraine, Herzog von C. Schön und geistig hochbegabt, dabei ehrgeizig und leidenschaftlich, stürzte sich C. in die Intrigen des Hofs und wirkte für das Interesse der Königin Anna. Deshalb wurde sie von Richelieu verbannt und kehrte erst nach dessen Tod aus England nach Frankreich zurück. Doch sah sie sich bald durch Mazarin beiseite geschoben und spielte erst wieder zur Zeit der Fronde (1650-51) eine politische Rolle an der Spitze der Gegner Mazarins. Nach dessen Tod zog sie sich von der Politik zurück und starb 1679.

Chevron (franz., spr. schowróng), in der Heraldik "Sparren" im Wappen; beim französischen Militär Dienstauszeichnung, welche aus einem oder mehreren winkelförmigen Tressenstreifen auf dem Ärmel der Montierung besteht und sowohl Rang als Dienstalter bei Unteroffizieren und Soldaten anzeigt. Bei den Obermatrosen der deutschen Marine ist ein C. von gelbem Tuch Rangabzeichen.

Cheyenne City (spr. schejenu ssitti), aufblühender Ort im nordamerikan. Territorium Wyoming, 1851 m ü. M., an der Union-Pacificbahn, mit Eisenbahnwerkstätte, Achatschleiferei und (1880) 3456 Einw. Ihr Spitzname ist "Magic City", weil sie seit ihrer Gründung 1867 so fabelhaft schnell gewachsen sein will.

Chézy (spr. schesi), 1) Antoine Léonard de, franz. Orientalist, geb. 15. Jan. 1773 zu Neuilly, war anfangs Zögling der polytechnischen Schule, wandte sich aber später unter Sacys und Langlès' Leitung ausschließlich orientalischen Sprachstudien zu. 1798 im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten angestellt, sollte er Bonaparte auf der Expedition nach Ägypten begleiten, erkrankte aber in Toulon und mußte zurückbleiben. Als Konservator der orientalischen Handschriften bei der Nationalbibliothek studierte er sodann Sanskrit und erhielt den eigens für ihn geschaffenen Lehrstuhl dieser Sprache am Collège de France, die erste Sanskritprofessur, welche in Europa begründet wurde. Fr. Bopp, W. v. Humboldt, Fr. v. Schlegel, Kosegarten, Mitscherlich, Burnouf, Langlois u. a. waren seine Schüler und Freunde. Aus der Sanskritlitteratur gab er im Original mit Übersetzung und Anmerkungen verschiedene Schriften und Teile davon heraus und schrieb über die Metrik des Sanskrits und die indischen Kasten. Sein Hauptwerk ist die von einer französischen Übersetzung begleitete Ausgabe von Kalidâsas Drama "Sakuntala" (Par. 1830), der erste Druck dieses berühmten Sanskrittextes. C. starb 31. Aug. 1832 an der Cholera.

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]