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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Chevalier; Chevalier d'Eon; Chevallier; Chevandier de Valdrôme; Chevau-légers

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Chevalier - Chevau-légers.

Chevalier (spr. schwaljeh), 1) Michel, franz. Nationalökonom, geb. 13. Jan. 1806 zu Limoges, besuchte das dortige Collège, sodann die polytechnische Schule in Paris und von 1825 an eine bergmännische Bildungsanstalt und erhielt kurz vor der Julirevolution eine Anstellung als Ingenieur im Norddepartement. Dem Saint-Simonismus zuneigend, schrieb er, nachdem er aus Gesundheitsrücksichten sein Amt niedergelegt hatte, mehrere Artikel in die Saint-Simonistischen Blätter: "Organisateur" und "Globe". Nach dem Ausbruch des Zerwürfnisses zwischen Bazard und Enfantin folgte er dem letztern 1832 nach dessen Niederlassung ("la Retraite") zu Ménilmontant und lieferte für das "Livre nouveau", eine Art Simonistischen Testaments, eine "Esquisse de géologie poétique". Als die Gesellschaft Enfantins wegen Gefährdung der öffentlichen Sittlichkeit unter Anklage gestellt wurde, ward auch C. zu einjähriger Haft verurteilt. Noch vor Beendigung derselben wieder freigelassen, wandte sich C. vom Saint-Simonismus praktischen Studien zu und erhielt von der Regierung den Auftrag, das Kanal- und Straßenbauwesen Nordamerikas einzusehen. Von dieser Reise, die von 1833 bis 1835 dauerte und auch nach Mexiko und Cuba ausgedehnt wurde, lieferte er in das "Journal des Débats" interessante Berichte, die 1836 gesammelt unter dem Titel: "Lettres sur l'Amérique du Nord" (4. Aufl., Par. 1842, 2 Bde.; deutsch, Leipz. 1837, 4 Bde.) erschienen. Im Frühjahr 1837 nach England gesandt, um über die ausgebrochene Handelskrisis zu berichten, erhielt er durch einen Sturz aus dem Wagen eine Kopfwunde, zu deren Heilung er die Pyrenäenbäder besuchen mußte. Sein Augenmerk war fortan vornehmlich auf Hebung des Eisenbahnwesens wie überhaupt auf Hebung der wirtschaftlichen Interessen seines Vaterlandes gerichtet. Im J. 1838 wurde er zum Staatsrat im außerordentlichen Dienst, 1840 zum Professor der Nationalökonomie am Collège de France und 1841 zum Oberingenieur des Bergbaues ernannt. Vom Departement Aveyron 1845 in die Kammer abgeordnet, zeigte er sich hier dem Freihandel günstig und wurde deshalb nicht wieder gewählt. Nach dem Staatsstreich vom 2. Dez. 1851 wurde er Staatsrat im ordentlichen Dienst, 1860 Senator. An dem Abschluß des englisch-französischen Handelsvertrags von 1860, welchen er mit seinen britischen Gesinnungsgenossen Cobden und Bright vorbereitete, nahm er einen hervorragenden Anteil, wie er überhaupt im Senat wie in der Presse nachdrücklich für den Freihandel eintrat. Demgemäß befand er sich denn auch nach dem Sturz des Kaiserreichs auf seiten der Freihändlerischen Opposition und bekämpfte die von Thiers angebahnte Handelspolitik. Von seinen frühern Schriften sind noch hervorzuheben: "Des intérèts matériels en France" (1837, 7. Aufl. 1843; deutsch, Stuttg. 1838); "Histoire et description des voies de communication aux États-Unis" (1840-42, 2 Bde.); die "Essais de politique industrielle" (1843); "Cours d'économie politique" (Bd. 1 u. 2, 1842-44; Bd. 3: "La monnaie", 1850 u. öfter; deutsch von Horn, Leipz. 1856); "L'isthme de Panama, suivi d'un apercu sur l'isthme de Suez" (1844). Nach der Revolution von 1848 trat er besonders gegen die sozialistischen Theorien von Louis Blanc in die Schranken in den "Questions de travailleurs" (deutsch von Hauser, Aachen 1848) sowie in der "Revue des Deux Mondes" und im "Journal des Débats". Eine Reihe von in diesen Zeitschriften veröffentlichten Artikeln erschien gesammelt unter den Titeln: "Lettres sur l'organisation du travail" (1848) und "Questions politiques et sociales" (1852). Besondere Hervorhebung verdient seine offizielle Mitwirkung bei den Weltausstellungen in London (1862) und Paris (1867). Er leitete die Veröffentlichung der umfangreichen über die letztere herausgegebenen Berichte und schrieb zu denselben eine vortreffliche Einleitung, welche von Horn unter dem Titel: "Die Weltindustrie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts" (Leipz. 1869) ins Deutsche übersetzt wurde. Er starb 28. Nov. 1879 in Montpellier.

2) Sulpice, franz. Zeichner, s. Gavarni.

Chevalier d'Eon (spr. schwaljeh deóng), Günstling Ludwigs XV., s. Eon de Beaumont.

Chevallier (spr. schwaljeh), Jean Baptiste Alphonse, Pharmazeut und Chemiker, geb. 19. Juli 1793 zu Langres, eröffnete in Paris eine Apotheke, wurde später Professor der Chemie an der École de pharmacie und starb 30. Nov. 1879 in Paris. Er schrieb: "Traité des rèactifschimiques" (mit Payen, Par. 1824, 3. Ausg. 1829-30); "Dictionnaire des drogues simples et composées" (mit Richard und Guillemain, 1826-29, 5 Bde.); "Dictionnaire des altérations et falsifications des substances alimentaires, médicamenteuses et commerciaes" (1850-52, 2 Bde.; 4. Aufl. 1875; deutsch von Westrumb, Götting. 1856-57, 2 Bde.); "Recherches sur les moyens appliqués à la conservation des substances alimentaires" (1858); "Du café, son histoire, son usage, etc." (1862); "Traité des désinfectants sous le rapport de l'hygiène publique" (1862). Auch redigierte er das "Journal de chimie médicale" seit 1825.

Chevandier de Valdrôme (spr. schwangdjeh d'wal-drohm), Jean Pierre Napoléon Eugène, franz. Politiker, geb. 17. Aug. 1810, besuchte die Zentralschule für Künste und Manufakturen, wurde Direktor der großen Spiegelmanufaktur in Cirey bei Saarburg und Mitglied des Generalrats für den Kanton Lorquin. 1859 trat er als offizieller Kandidat in den Gesetzgebenden Körper, dem er bis 1870 angehörte. Bei Eröffnung der Session vom Juni 1869 beteiligte er sich an der Interpellation der 116 von der Mittelpartei, wodurch der Rouherschen Diktatur ein Ende gemacht werden sollte, trat 2. Jan. 1870 in das neugebildete liberale Ministerium Ollivier und übernahm das Ministerium des Innern. Bei dem Plebiszit vom 8. Mai 1870 entwickelte C. eine außerordentliche Thätigkeit, um die Masse des Volkes zur Abstimmung zu treiben und eine ungeheure Mehrheit zustande zu bringen. Am 10. Aug. 1870 gab er mit den übrigen Mitgliedern des Ministeriums Ollivier seine Entlassung, zog sich ins Privatleben zurück und starb 2. Dez. 1878 in Paris. C. ist auch Verfasser einiger geschätzter Schriften über Waldkultur.

Chevau-légers (franz., spr. schwo-lescheh, oft unrichtig Chevaux-légers geschrieben), leichte Reiter gleich den jetzigen Dragonern, entstanden in Frankreich ursprünglich als Haustruppe Heinrichs IV., eine Kompanie aus 240 Edelleuten, zuletzt unter Ludwig XVI. sechs Regimenter. Österreich, Italien und einige deutsche Staaten nahmen die Bezeichnung ebenfalls an. In Frankreich wurden aus den C. unter Napoleon I. Chasseurs à cheval und Lanciers, Österreich, das 1767 C. formiert hatte, wandelte sie 1852 in Ulanen um, das Großherzogtum Hessen die seinigen in Dragoner. Jetzt besteht der Name C. nur noch in Bayern (sechs Regimenter; vgl. Deutschland, Heerwesen) und als Cavalleggieri in Italien. In der französischen Nationalversammlung von 1871 bis 1876 erhielt nach jener Truppengattung des alten bourbon-^[folgende Seite]

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