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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Chessylith - Chevalier.

of Prussia and France" (mit Reeve, 1870) und die gehaltvollen "Essays in modern military biography" (1873).

Chessylith, s. v. w. Kupferlasur.

Chester (spr. tscheßter), 1) Hauptstadt von Cheshire (England), auf felsiger Anhöhe am schiffbaren Dee, 12 km oberhalb dessen Einmündung in sein seichtes Ästuarium. C. war römisches Castrum (Deva), und nirgends sonst in England trifft man auf so viele Zeugen der Anwesenheit der alten Römer. Der alte römische Wall aus rotem Sandstein bildet jetzt einen 2350 m langen Spaziergang, der rings um die Stadt führt. Die sich rechtwinkelig durchschneidenden Straßen sind in den Felsen eingehauen und haben teilweise auf beiden Seiten Lauben oder "rows", zu denen man auf Stufen hinaufsteigt. Viele der Häuser sind aus Holz und Fachwerk errichtet und kehren ihren Giebel der Straße zu. Über den Fluß führen eine alte Brücke von sieben Bogen (wohl älter als die normännische Eroberung) und die neue Grosvenorbrücke in einem Bogen von 60 m Spannung. Von merkwürdigen Gebäuden sind zu erwähnen: die gotische Kathedrale, teilweise noch aus dem 12. Jahrh., 1876 restauriert; die danebenstehende Werburghabtei, die schon vor 700 Jahren eine der reichsten Englands war; die Kirche Johannis des Täufers aus dem 11. Jahrh., außerhalb der Stadtmauern, mit frei stehendem Glockenturm. Von dem alten, von Wilhelm dem Eroberer erbauten Schlosse sind nur noch geringe Reste vorhanden. An seiner Stelle steht jetzt eine Gruppe neuer Gebäude, die als Gerichtshof, Gefängnis und Kasernen dienen. Die Bevölkerung zählte 1881: 36,788 Seelen. C. ist allerdings noch Seehafen, aber nur Küstenfahrer gelangen den Fluß aufwärts bis in seinen Hafen, und auch der Ellesmerekanal, der es mit Ellesmere Port am Mersey verbindet, ist nur für kleine Fahrzeuge zugänglich. Sein Handel mit dem Ausland ist daher gering, wohl aber ist der Küstenhandel von Bedeutung. Käse, Salz, Kohlen, Blei und irische Leinwand sind die wichtigsten Handelsartikel. C. ist Sitz eines anglikanischen Bischofs, hat ein Lehrerseminar und eine Lateinschule (King's School). Außerhalb der Mauern liegt die berühmte Rennbahn Roodee, 4 km südlich von der Stadt Eaton Hall, der prächtige Landsitz des Herzogs von Westminster. Rowton Moor (Schlacht 1645) liegt südöstlich. - C. ist eine der ältesten Städte Englands. Zur Zeit der Römer hieß sie Deva oder Colonia Devana (von dem Deefluß) und war Standquartier der 20. Legion der Römer (Valeria Victrix). An das römische Castrum erinnert auch der heutige Name der Stadt, und Spuren der alten Befestigungen, Münzen, Säulen etc., die man daselbst gefunden, zeugen von ihrer einstigen Bedeutung. Hernach war C. Hauptfestung gegen Wales. Während des Bürgerkriegs war C. Hauptstützpunkt der Royalisten und ergab sich erst nach langer Belagerung 1646 der Parlamentsarmee. Vgl. Hemingway, History of the city of C. (Chester 1831, 2 Bde.). -

2) Stadt im nordamerikan. Staat Pennsylvanien, am Delaware, 15 km unterhalb Philadelphia, mit Schiffswerften, zahlreichen Fabriken und (1880) 14,997 Einw.; ist die älteste Ansiedelung in Pennsylvanien, 1643 von Schweden gegründet und Upland geheißen. Unter William Penn ward hier 1682 die Provinzialversammlung gehalten.

Chesterfield (spr. tscheßterfihld), Stadt im nordöstlichen Derbyshire (England), am Rother, hat eine alte Kirche mit 70 m hohem "hängenden" (crooked) Turm, ein katholisches College (Mount St. Mary's), eine alte Freischule und (1881) 12,221 Einw. Die Stadt hat Gießereien, Spitzen-, Baumwoll- und Seidenmanufaktur, Maschinenbauwerkstätten und Töpfereien. In der Nähe ergiebige Kohlengruben.

Chesterfield (spr. tscheßterfild), Philip Dormer Stanhope, Graf von, engl. Staatsmann und Schriftsteller, geb. 22. Sept. 1694 zu London, studierte in Cambridge, ging 1714 auf das Festland und lebte längere Zeit in Paris. Nach Georgs I. Thronbesteigung wurde er Kammerherr bei dem Prinzen von Wales und Parlamentsmitglied, nach seines Vaters Tod 1726 Mitglied des Oberhauses und zeichnete sich stets durch liberale Ansichten aus; 1728 ging er als außerordentlicher Gesandter nach Holland und wandte hier den drohenden Krieg von dem Kurfürstentum Hannover ab. Er ward Oberhofmeister Georgs II., dann Vizekönig von Irland und 1747 Staatssekretär, zog sich aber bald von den Geschäften zurück und widmete sich seinen Studien und seinen Freunden. Er starb 24. März 1773. Großes Aufsehen machten seine "Letters to his son" (Lond. 1774, 2 Bde.; 1810-12, 3 Bde.; neueste Ausg. von Carey, 1879; deutsch, Leipz. 1774-77, 6 Bde.). Sie sind in feiner, eleganter Sprache geschrieben, voll witziger und geistreicher Gedanken, enthalten eine genaue Kenntnis des wirklichen Lebens und der Menschen, zumal zu jener Zeit; aber die Lehren, welche der Vater dem Sohn gibt, konzentrieren sich in einer moralisch laxen Nützlichkeitslehre und einem durch feine Form und einschmeichelndes Betragen sich empfehlenden Egoismus. Von Chesterfields übrigen Schriften sind zu erwähnen: "Miscellaneous works" (Lond. 1777, 2 Bde.; deutsch, Leipz. 1778-80, 3 Bde.) und "Posthumous pieces" (Lond. 1778). Vgl. Browning, The wit and wisdom of Lord C. (Lond. 1874).

Chesterfieldinseln (spr. tscheßtersihld-), eine westlich von der Nordspitze von Neukaledonien gelegene Gruppe von Riffinseln, welche die Franzosen wegen ihres Guanoreichtums 1878 in Besitz nahmen.

Chesterkäse, bekannter, in der englischen Grafschaft Cheshire (s. d.) bereiteter Käse.

Chesterrennen (Glockenrennen), s. Wettrennen.

Chesterton (spr. tscheßtert'n), Stadt, dicht bei Cambridge (England), mit (1881) 5705 Einw.

Chetib, s. K'tib.

Chetiter (Hethiter, Chetäer), in den ältesten Urkunden Hauptname der Bevölkerung Syriens; dann insbesondere Name einer Völkerschaft Kanaans, die sich tapfer gegen die Ägypter verteidigte, deren Macht aber von den Amoritern gebrochen wurde. Die C. wohnten in der Berglandschaft um Hebron, nach der Unterwerfung Kanaans durch die Israeliten weiter nördlich in der Gegend von Bethel und wurden von Salomo dienstpflichtig gemacht.

Chetubim (richtiger Ketubim, hebr.), s. v. w. Hagiographa; s. Bibel, S. 879.

Chev., bei zoolog. Namen Abkürzung für Aug. Chevrolat (Entomolog in Paris).

Chevaleresk (franz. chevaleresque, spr. schwal-), ritterlich.

Chevalerie (franz., spr. schwäl'rih), Ritterschaft, Rittertum. C. de lecture (lat. milites clerici), im Mittelalter s. v. w. Doktoren der Theologie auf Universitäten, die mit dem Doktordiplom zugleich die ritterliche Würde in Anspruch nahmen.

Chevalier (franz., spr. schwäljeh), Ritter, in Frankreich früher Titel des mittlern Adels. C. d'honneur, Hofkavalier, Ehrenbegleiter einer fürstlichen Person; C. d'industrie, Industrie- oder Glücksritter; C. sans peur et sans reproche, Ritter ohne Furcht und Tadel (Ehrentitel Bayards u. a.).

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]