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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Chor; Chora; Chorag; Choragium; Choral

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Chor - Choral.

men (Tonreihen) komponiert ist. Nach der Anzahl dieser Stimmen sind die Chöre weniger- oder mehrstimmig; dieselben können vom einstimmigen bis zum achtstimmigen, ja zuweilen noch weiter fortschreiten. Sind die vielstimmigen Chöre so eingerichtet, daß dieselben in selbständigen Gruppen sich darstellen, so entstehen die Doppelchöre, die dreifachen, vierfachen etc. Chöre. Am gewöhnlichsten sind die vierstimmigen Chöre, weil der vierstimmige Satz den vier Gattungen der menschlichen Stimme am natürlichsten entspricht, und weil er für die Vollständigkeit der Harmonie der geeignetste ist. Zu den Chören kann Instrumentalbegleitung hinzutreten, welche entweder eine bloß die einzelnen Stimmen verstärkende oder eine selbständige ist; doch muß auch im letztern Fall die Begleitung als dem Gesang untergeordnet betrachtet werden. Beethoven führt in seiner 9. Symphonie (Op. 125) den C. (mit Soli) als Steigerung der Orchesterwirkung ein. Da ein C. immer in Massen, im Gegensatz zu der im Sologesang mehr hervortretenden Individualität, wirkt, so verlangt er darum auch weniger fein detaillierte Züge und möglichst wenig Schwierigkeiten für die Ausführung, weshalb feinere Züge da, wo sie in einen C. eingewebt werden sollen, am füglichsten durch Zwischensätze von Solostimmen ausgesprochen werden. - Von dem kirchlichen Sängerchor ging der Name C. auch auf den Platz vor der Orgel über, wo derselbe aufgestellt wurde. Ebenso heißt eine Vereinigung von Instrumentenspielern ein C., wie man z. B. ein kleines Orchester ein Musikchor (oder Musikkorps) nennt. Innerhalb des Orchesters werden wieder die Hauptabteilungen der Instrumente nach ihren Gattungsbegriffen Chöre genannt, und man spricht z. B. vom C. der Streich- und dem der Blasinstrumente, welch letztere wieder in den C. der Holz- und den der Blechinstrumente zerfallen. Bei Militärmusikchören (-korps) spricht man von Hoboistenchören, wenn die Zusammensetzung zumeist aus Holzblasinstrumenten besteht, und von Trompeter- und Hornistenchören, wenn ausschließlich Blechinstrumente zusammengestellt sind. Ferner heißt C. bei Klavierinstrumenten der Inbegriff gleichgestimmter Saiten, welche durch eine einzige Taste angeschlagen werden. Man nennt solche Instrumente zwei-, drei- oder mehrchörig, je nachdem zwei, drei oder mehr Saiten zur Hervorbringung eines und desselben Tons bestimmt sind und mit einem Hammer angeschlagen werden. In demselben Sinne nennt man auch im allgemeinen sämtliche zu einer und derselben Taste gehörende Pfeifen der Orgelregister ein C. (Pfeifenchor); insbesondere werden die zu einer Taste gehörenden Pfeifen der Orgelmixturen Chöre genannt.

Chor (das oder der), in der kirchlichen Baukunst derjenige Teil eines Kirchengebäudes, wo der Hauptaltar steht, und der für die Priester bestimmt ist, im Gegensatz zum Schiff, das der Gemeinde zur Versammlung dient und von jenem durch den sogen. Triumphbogen und eine aufsteigende Stufenreihe (daher auch hohes C. genannt), bisweilen auch durch Schranken (Kanzellen) abgesondert ist (s. Chorschranken). Ein bedeutend erhöhtes C. läßt stets auf das Vorhandensein einer darunter befindlichen Krypte (s. d.) schließen. Mit der Anlage des Chors begannen in der Regel die mittelalterlichen Kirchenbauten. In Dom- und Stiftskirchen sind an den Seiten des Chors die meist aus Holz geschnitzten Sitze für die vornehme Geistlichkeit (s. Chorstühle) angebracht. An allen Kirchenbauten aus dem Mittelalter erscheint das C. als ein besonderer, an der östlichen Seite des Hauptbaues angebrachter, bei romanischen Kirchen gewöhnlich halbrunder, bei gotischen Kirchen fünf-, sieben- oder mehreckiger, bisweilen noch mit einem Chorumgang oder Kapellenkranz umgebener Anbau, der sich meist schon äußerlich durch reichere Formen auszeichnet. Den Namen C. führt außerdem in katholischen wie in protestantischen Kirchen auch der für Sänger und Musiker bestimmte Raum vor der Orgel, welcher gewöhnlich dem Altar gegenüberliegt.

Chora, Stadt auf der türk. Insel Samos, Sitz eines Bischofs, mit ca. 1000 Einw. Unweit östlich davon die Stätte der antiken Stadt Samos.

Chorag (griech.), s. v. w. Choreg.

Choragium (lat.), s. Choregeion.

Choral (Cantus choralis, lat.), der beim christlichen Gottesdienst übliche "Chorgesang". Derselbe besteht in der katholischen Kirche ursprünglich indem aus den ersten Jahrhunderten des Christentums stammenden sogen. Gregorianischen Gesang (s. d.) und wird als Concentus unterschieden von dem mehr bloß rentierenden Accentus (s. d.) der von einem einzelnen Priester vorgetragenen Lektionen etc. Der Choralgesang begreift die Hallelujagesänge, Antiphonien, Responsorien, Hymnen, Sequenzen etc.; er entbehrt des Rhythmus (daher auch Cantus non mensuratus oder Cantus planus genannt) und ist, wie er heute geübt wird, eine Folge gleichlanger Töne von ermüdender Monotonie; doch ist er dies erst im Lauf der Zeit, besonders seit Aufkommen des Discantus im 12. Jahrh., geworden. Ursprünglich war er sogar sehr lebendig bewegt, und besonders der Halleluja- und Psalmengesang wird von den frühmittelalterlichen Schriftstellern einem Jauchzen und Jubilieren verglichen. Leider ist der Schlüssel für die Rhythmik der alten Notierungen (Neumen) verloren gegangen, und es scheint keine Hoffnung vorhanden zu sein, daß man den Choralgesang in seiner ursprünglichen Gestalt wiederherstellen könnte. Mit dem Aufkommen der mehrstimmigen Musik gesellte sich zu dem als Cantus firmus oder Tenor unantastbaren Choralgesang zunächst eine parallel in Oktaven oder Quinten (Quarten) mitgehende Stimme (Organum), der man in der Folge die stete Gegenbewegung zur Norm machte (Discantus), und die bald freier gestaltet wurde und einen verzierten Gesang über den C. ausführte (Cantus figuratus). So gewöhnte man sich allmählich, den C. als ein starres Gerippe zu behandeln, welches die Kontrapunktisten mit dem Fleisch und Blut belebter Stimmen umkleideten. Der größte Teil der reichen Musiklitteratur des 12.-16. Jahrh. (Motetten, Magnifikats, Messen) ist auf Tenore aus dem Cantus planus aufgebaut, und noch heute legen die Kirchenkomponisten vielfach ihren Werken Choralmotive zu Grunde.

Die ältesten Bestandteile des katholischen Choralgesangs sind der von den Juden übernommene Halleluja- und Psalmengesang, sodann kam zuerst in der griechischen Kirche der Antiphonengesang, der von Ambrosius (gest. 397) in die abendländische Kirche eingeführt wurde; eine Abart desselben, der Gradualgesang, entwickelte sich in der römischen Kirche wohl nur wenig später. Der Hymnengesang ist wahrscheinlich heidnischen Ursprungs und wurde besonders von Ambrosius kultiviert, die Sequenzen brachte das 9. Jahrh. (vgl. Kirchenmusik). Der neuere Kirchengesang bewahrt den Gregorianischen C. im Gesang der Priester, während der Chor mehrstimmig gesetzte, ausgeführte Kompositionen derselben Texte mit oder ohne Zugrundelegung alter Choralmotive

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]