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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Cisium - Cissey.

Cisium (lat.), bei den Römern ein leichter, zweiräderiger Wagen, unserm Kabriolett ähnlich.

Ciskaukasien, der nördlich von der Hauptkette des Kaukasus gelegene Teil von Kaukasien (s. d.), im Gegensatz zu Transkaukasien, umfaßt das jetzige Gouvernement Stawropol nebst dem kubanschen und terschen Gebiet.

Cisleithanien, seit der Zweiteilung Österreichs 1867 im Gegensatz zu Transleithanien (oder "Länder der ungarischen Krone") gebräuchliche (nicht offizielle) Bezeichnung der (von Wien aus) diesseit der Leitha gelegenen Reichshälfte, umfaßt die im österreichischen Reichsrat vertretenen Kronländer der österreichisch-ungarischen Monarchie, d. h. außer den früher zum Deutschen Bund gehörigen Kronländern (Österreich unter der Enns und ob der Enns, Salzburg, Steiermark, Kärnten, Krain, österreichisch-illyrisches Küstenland, Tirol mit Vorarlberg, Böhmen, Mähren und Schlesien) noch Dalmatien, Galizien und die Bukowina, insgesamt 299,984 qkm (5448 QM.) mit (1880) 22,144,244 Einw.

Cismar (ehedem Cycismore), Dorf in der preuß. Provinz Schleswig-Holstein, Kreis Oldenburg, unweit der Ostsee an dem jetzt ausgetrockneten Klostersee, mit 120 Einw. und einem ehemaligen Cistercienserkloster, das 1231 von Lübeck aus gegründet ward und im 16. Jahrh. aufgehoben wurde.

Cispadanisch, in Bezug auf Rom diesseit des Padus (Po).

Cispadanische Republik, der am 20. Sept. 1796 vom General Bonaparte diesseit des Po (von Italien aus) gebildete Staat, der, anfangs aus Modena, Reggio, Ferrara und Bologna bestehend und von der Transpadanischen Schwesterrepublik durch den Po getrennt, ganz nach dem Muster der Republik Frankreich konstituiert ward. Neben einem Direktorium von 3 Mitgliedern standen ein Großer Rat von 60 und ein Rat der Alten von 30 Mitgliedern. Das Gebiet zerfiel in zehn Departements mit etwa 1 Mill. Einw. Infolge der demokratischen Agitation erklärten sich Modena und Reggio für Anschluß an die Cisalpinische Republik (s. d.); zum Ersatz verhieß Bonaparte der Cispadanischen die im Frieden von Tolentino 19. Febr. 1797 vom Papst abgetretene Delegation der Romagna und das Gebiet Mesola. Da aber die Romagna ebenfalls Einverleibung in die Cisalpinische Republik verlangte, so mußten sich auch Bologna und Ferrara im Juli 1797 mit derselben vereinigen lassen. So verschwand die Republik, welche ihr Präsident Facci schmeichlerisch die ältere Tochter der Siege Bonapartes genannt hatte, schon im Entstehen wieder.

Cispadanisches Gallien, s. Gallien.

Cisrhenanisch, diesseit des Rheins (liegend).

Cisrhenanische Republik, ein Staat, der sich, als 1797 infolge der Operationen der französischen Armee auf dem linken Rheinufer die deutschen Regierungen aufgelöst wurden, aus den Städten Köln, Bonn und Aachen bilden und unter den Schutz der französischen Republik stellen wollte, dessen Organisation aber nicht zu stande kam, da im Frieden zu Campo Formio Österreich laut eines geheimen Artikels in die Abtretung des linken Rheinufers an die französische Republik willigte.

Cissampelos L. (Grieswurzel), Gattung aus der Familie der Menispermaceen, krautige oder holzige Schlingpflanzen mit unscheinbaren, diözischen, in Trauben oder Doldentrauben stehenden Blüten und fast kugeliger Steinfrucht. 18 tropische Arten, meist in Amerika. C. Pareira L., Schlingstrauch in Westindien, Mexiko und Indien, mit rundlichen, samtartig behaarten Blättern, in gestielten, haarigen Trugdolden stehenden männlichen und in Büscheln stehenden weiblichen Blüten, aus welchen sich rundliche, rote Beeren entwickeln. Diese Pflanze galt lange als Stammpflanze der Grieswurzel (Rad. Pareirae), welche indes von der nahe verwandten Botryopsis platyphylla St. Hil. stammt. Wie diese, enthalten auch die Wurzel und Rinde von C. Pareira Pelosin.

Cis-Satledschstaaten (Cis-Sutlej-Hill-States) nennt man in Britisch-Indien 21 kleine Fürstentümer im westlichen Himalaja, am linken Ufer des Satledsch, die zum Ressort der Provinz Pandschab gehören und ein Areal von 17,050 qkm (309 QM.) mit (1881) 502,683 Einw. haben. Das größte Fürstentum hat 8598, das kleinste kaum 8 qkm Areal.

Cissey (spr. ssissä), Erneste Louis Octave Courtot de, franz. General, geb. 23. Dez. 1810 zu Paris aus einer adligen Familie der Bourgogne, trat 1830 in die Militärschule von St.-Cyr ein, wurde 1835 Leutnant, diente mehrere Jahre in Afrika mit Auszeichnung, nahm an der Eroberung von Konstantine, an dem Sieg von Isly und andern Unternehmungen teil, machte dann den Krimkrieg mit und wurde wegen seines tapfern Verhaltens in der Schlacht von Inkjerman 1854 zum Brigadegeneral ernannt. 1863 zum Divisionsgeneral befördert, erhielt er das Kommando der 11. Division in Rennes. Bei Ausbruch des Kriegs von 1870 wurde er dem 4. Armeekorps (Ladmirault) als Befehlshaber der 1. Division zugeteilt. In dieser Stellung nahm er an den Kämpfen vor Metz 14., 16. und 18. Aug. und an der Schlacht von Noisseville teil und drängte vergeblich zu Durchbruchsversuchen. Er führte darauf 25. und 26. Okt. mit dem preußischen General v. Stiehle im Schloß Frescaty die Verhandlungen über die Kapitulation von Metz, infolge deren er als Kriegsgefangener nach Deutschland kam. Nach Unterzeichnung der Friedenspräliminarien kehrte er nach Frankreich zurück, trat in die unter Mac Mahon stehende Versailler Armee, welche den Aufstand der Kommune zu bekämpfen hatte, leitete die Angriffe auf die Südseite von Paris, drang 22. Mai 1871 in die Stadt ein und bemächtigte sich des ganzen linken Seineufers. Durch die Wahlen vom 8. Febr. zum Mitglied der Nationalversammlung gewählt, wurde er 6. Juni zum Kriegsminister ernannt und arbeitete aufs eifrigste an der Reorganisation der Armee, an der Vervollkommnung der Defensivkraft des Landes, an der Verbesserung der Artillerie und des Gewehrs, an Herstellung der Disziplin unter Offizieren und Soldaten und an soliderer Ausbildung der erstern. Als Thiers abdankte, trat C. 24. Mai 1873 ebenfalls zurück und wurde zum Kommandeur des 9. Korps in Tours ernannt. Am 22. Mai 1874, nach dem Sturz des Ministeriums Broglie, wurde C. mit der Bildung eines neuen Kabinetts beauftragt und übernahm in demselben die Vizepräsidentschaft des Konseils und das Kriegsministerium. Erstere trat er im März 1875 an Buffet ab, blieb aber Kriegsminister bis zum 16. Aug. 1876, um die Heeresorganisation durchzuführen. 1876 wurde er in den Senat gewählt und 1878 zum Kommandeur des 11. Armeekorps in Nantes ernannt. 1880 ward er durch einen Preßprozeß, der seine intimen Beziehungen zu einer Abenteuerin, v. Kaulla, enthüllte, arg bloßgestellt, wenngleich ihm keine wirklichen Pflichtverletzungen bewiesen werden konnten, und seines Kommandos enthoben. Er starb 15. Juni 1882 in Paris.

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]