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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Cistineen - Cito, citissime.

durch meist fünfzählige, mit Kelch und Krone versehene Blüten, fünf bis viele öfters durch Spaltung aus wenigen Grundanlagen hervorgehende Staubblätter und drei oder mehr zu einem oberständigen, gefächerten oder ungefächerten Fruchtknoten verwachsene Fruchtblätter. Oft kommen bei ihnen mit Klappen aufspringende Früchte vor. Die Ordnung umfaßt nach Eichler die Familien der Resedaceen, Violaceen, Droseraceen, Sarraceniaceen, Nepenthaceen, Cistaceen, Hyperikaceen, Frankoniaceen, Elatinaceen, Tamarikaceen, Ternströmiaceen, Dilleniaceen, Klusiaceen, Ochnaceen, Chlänaceen u. Dipterokarpaceen.

Cistineen (Cistusgewächse), dikotyle Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Parietalen, Kräuter, Halbsträucher und Sträucher mit ganzen Blättern und meist ansehnlichen, bunten Blüten, die aus fünf Kelchblättern, fünf in der Knospenlage gedrehten Blumenblättern, zahlreichen Staubblättern und einem drei- bis fünfzähligen, in der Regel einfächerigen Ovar mit randständigen Placenten bestehen. Vgl. Dunal, Cistaceae, in De Candolles "Prodromus". Von den ca. 60 Arten dieser Familie gehören die meisten den Ländern um das Mittelländische Meer, wenige Nordamerika, noch weniger dem mittlern Europa an. Verschiedene Cistus-Arten liefern das Ladanumharz.

Cistole (Citole), s. Zither.

Cistophoren (griech.), die gangbarste kleinasiat. Silbermünze aus spätgriechischer Zeit, namentlich häufig in Ephesus, Pergamon (jedoch niemals unter den pergamenischen Königen), Laodikeia, Tralles etc. ausgeprägt. Es ist ein Tetradrachmon, welches drei Viertel des athenischen Vierdrachmenstückes wiegt; auch die Teilstücke wurden ausgeprägt. Das Gepräge war die auf den Dionysosdienst bezügliche Ciste (s. d.), aus welcher sich eine Schlange erhebt, auf der Rückseite zwei sich um das Futteral eines Bogens oder um einen Dreifuß oder Tempel windende Schlangen. Merkwürdig sind die C. durch ihre Jahreszahlen und die auf ihnen genannten römischen Beamten, darunter auch (z. B. in Apameia) der Redner Cicero als Prokonsul. Die letzten wirklichen C. schlug M. Antonius; doch wurden Silberstücke desselben Gewichts noch vielfach unter den Kaisern in Kleinasien geprägt. Vgl. Pinder, Über die C. (Berl. 1856).

Cistrose, s. Cistus.

Cistudo, s. Schildkröten.

Cistus L. (Zistrose, Zistenröschen), Gattung aus der Familie der Cistaceen, immergrüne, schön blühende, ästige Sträucher oder Halbsträucher mit ganzen, gegenständigen Blättern, schönen, hinfälligen Blüten und vielsamigen Kapseln. Mehrere Arten liefern ein zähes, wohlriechendes Harz, welches als Ladanum (s. d.) in den Handel kommt, namentlich C. creticus L. (C. vulgaris Spach), ein 0,5-1,5 m hoher, sehr ästiger Strauch mit großen, purpurroten Blüten, auf Kreta, Sizilien, in Griechenland, Kalabrien, Syrien, dessen Blätter, wie die von C. salvifolius, in Griechenland als Theesurrogat dienen. Auch C. cyprius Lam., ein auf Cypern und anderwärts im Orient einheimischer, bis 2 m hoher Strauch mit großen, weißen Blüten und aufrecht stehenden, stark klebrigen Ästen, und C. ladaniferus L., ein ziemlich hoher, auf Hügeln in Spanien, Portugal und Südfrankreich wachsender Strauch, welcher z. B. in der Sierra Morena große Strecken bedeckt, mit großen, ganz weißen oder am Grunde der Kronblätter mit schwarzroten Flecken gezierten Blüten, liefern Ladanum. Die letztere Art ist die Wappenblume Spaniens. Manche Arten werden bei uns als Ziersträucher in Kalthäusern kultiviert.

Cistusgewächse, s. Cistineen.

Citadelle, eine kleine Festung neben oder innerhalb einer größern. Die C. soll der Besatzung als Zufluchtsort dienen, von wo aus sie nach Eroberung der Festung die Verteidigung noch fortsetzen, zugleich aber in volkreichen Städten die Bürgerschaft bei vorkommenden Unruhen im Zaum halten kann. Damit sie die Stadt gehörig zu beherrschen vermag, legt man sie auf die dominierendste Stelle des Festungsterrains und trennt sie durch eine Esplanade von den Häusern der Stadt. In der neuern Befestigungsweise, große Plätze mit einem Gürtel detachierter Forts zu umgeben, hat die C. ihre Bedeutung verloren.

Citadellschiff, s. Panzerschiff.

Citadine (franz., spr. ssi-), ehemals eine Art (einspänniger) Omnibusse in Paris.

Citara (ital.), Zither.

Citat (lat.), eine wörtlich angeführte Stelle aus einem Schriftsteller, welche irgend einen Ausspruch bestätigen, erläutern oder weiter ausführen soll. Die betreffenden Worte werden im Druck in der Regel durch Anführungszeichen (s. d.) hervorgehoben. Gewisse (meist kurze) Citate, welche in die allgemeine Verkehrssprache übergegangen sind und hier (oft merkwürdig verändert) wie Sprichwörter angewendet werden, heißen "Geflügelte Worte" (s. d.). Vgl. Zeuschner, Citatenschatz (3. Aufl., Leipz. 1885). Citatenjäger, einer, der mit Citaten prunkt, um seine Belesenheit zu zeigen.

Citation (lat.), Ladung, namentlich gerichtliche (s. Ladung); daher Ediktalcitation, öffentliche Ladung oder Aufgebot (s. d.); Realcitation, Vorführung des auf schriftliche oder mündliche Ladung nicht Erschienenen vor die zuständige Behörde.

Citato loco (lat.), an der citierten Stelle, am angeführten Ort (meist abgekürzt: c. l., a. a. O.).

Cité (franz., spr. ssite), Stadt, besonders Altstadt im Gegensatz zu den neuen Anbauten und Vorstädten; bisweilen auch s. v. w. Bürgerschaft. La C., die Seineinsel in Paris. C. ouvrière, Arbeiterstadt, z. B. ein Teil von Mülhausen, in welchem sich die für die Arbeiter erbauten Wohnhäuser befinden.

Cîteaux (spr. ssitoh), Ort im franz. Departement Côte d'Or, Arrondissement Beaune, mit einer Ackerbaukolonie von jungen Sträflingen mit durchschnittlicher Bevölkerung von 500 Personen. Dabei eine alte Cistercienserabtei, Begräbnisort mehrerer burgundischer Herzöge. Vgl. Michel, La colonie de C. (Par. 1874). S. Cistercienser.

Citerior (lat.), im Altertum Beiname von Ländern, welche in Beziehung auf Rom diesseit eines Gebirges (z. B. der Alpen, daher Gallia c.) oder eines Flusses (z. B. des Iberus, daher Hispania c.) lagen.

Citharexylon L. (Geigenholzbaum), Gattung aus der Familie der Verbenaceen, große Bäume in Brasilien und Westindien, von denen C. quadrangulare Jacq., in den Wäldern von Jamaica, ein 20 m hoher Baum mit gräulicher Rinde, die in Fetzen wie Hanf herunterhängt, und in aufrechten Trauben vereinigten, weißen, wohlriechenden Blüten, gelbe, bei der Reife schwarze Pflaumenfrüchte mit wenig Fleisch und großem Stein trägt. Das Holz (weißes Eisenholz) dient zum Bauen, namentlich auch zur Verfertigung der Geigen. Auch wird der Baum seiner Schönheit wegen häufig angepflanzt.

Cither, s. Zither.

Citieren (lat.), anführen; vorladen (s. Citation).

Citlaltépetl, s. v. w. Orizaba.

Cito, citissime (lat.), "schnell", "aufs schnellste" zu besorgen (veraltete Aufschrift auf Briefen).

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]