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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Clarke

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Clarke.

tionalistischen Strömung in der englischen Theologie, durch das dritte der Vorläufer der auf den Ausspruch der Vernunft als eines innern Sinnes für das Gute und Schöne sich stützenden englischen (und schottischen) Moralistenschule geworden. Da er jedoch den Satz aufstellte, daß die Heilige Schrift nichts der Vernunft Widersprechendes enthalte, so geriet er als bald bei der orthodoxen englischen Geistlichkeit in den Verdacht der Ketzerei und wurde infolge seines vorgeblich arianisch gefärbten Buches "The scripture doctrine of the trinity" (Lond. 1712, 1719) sogar aus der Zahl der königlichen Kabinettsgeistlichen gestrichen. Am berühmtesten ist er durch seinen unbeendigten Streit mit Leibniz geworden, in welchem dieser seine und C. Newtons Philosophie verteidigte. Die Aktenstücke desselben erschienen unter dem Titel: "A collection of papers, which passed between Leibniz and C." (zuerst Lond. 1717; franz., Amsterd. 1719 u. 1740; deutsch, Frankf. a. M. 1720). C. starb 17. Mai 1729. Eine Ausgabe seiner philosophischen Werke erschien zu London 1732-42 in 4 Bänden. Vgl. R. Zimmermann, Samuel Clarkes Leben und Lehre (Wien 1870).

2) Henri Jacques Guillaume, Graf von Hüneburg und Herzog von Feltre, Marschall und Pair von Frankreich, irländischer Abkunft, geb. 17. Okt. 1765 zu Landrecies im Hennegau, ward 1782 Militär, stieg nach der Schlacht bei Landau 1793 zum Brigadegeneral, befehligte darauf die Vorhut der Rheinarmee und wurde Stabschef bei derselben, 1795 aber als verdächtig abgesetzt und verhaftet. Nach erlangter Freiheit lebte er im Elsaß, wurde aber bald durch Carnot Chef des topographischen Büreaus, später vom Direktorium als Divisionsgeneral mit geheimen Aufträgen nach Wien und Italien gesandt, zugleich um Bonaparte zu beobachten. Beide aber verständigten sich, und C. sandte nur Berichte ab, die der General gelesen hatte. Nach längerer Unthätigkeit wurde er zum Abschluß einer Allianz nach Sardinien geschickt. Nach dem 18. Brumaire machte ihn Bonaparte wieder zum Chef des topographischen Büreaus, sandte ihn während des Kongresses als Kommandanten nach Lunéville und dann zur Auswechselung der russischen Kriegsgefangenen nach Lille. Drei Jahre war er Gesandter am Hof des Königs von Etrurien und wurde dann Staatsrat und Kabinettssekretär des Kaisers für das Kriegs- und Seewesen. Im Feldzug gegen Österreich 1805 wurde er Gouverneur von Wien, 1806 Gouverneur in Erfurt, dann in Berlin. 1807 kehrte er nach Paris zurück und wurde Kriegsminister. Er verwaltete dieses schwierige Amt mit großem Geschick und seltener Uneigennützigkeit, aber auch mit rücksichtsloser Strenge. Die glückliche Vereitelung der Unternehmung der Engländer gegen Vlissingen verschaffte ihm 1809 den Titel eines Herzogs von Feltre, nachdem er bereits zum Grafen von Hüneburg erhoben worden war. Bei Napoleons Sturze zeigte er sich unzuverlässig und gewissenlos, stimmte für die Absetzung des Kaisers und wurde dafür von Ludwig XVIII. zum Pair ernannt; nach Napoleons Landung bei Cannes wurde er an Soults Stelle Kriegsminister, floh mit dem König nach Gent, übernahm eine Sendung an den Prinz-Regenten von Großbritannien und ward 1815 aufs neue zur Verwaltung des Kriegsministeriums an die Stelle Gouvion Saint-Cyrs berufen, mußte es aber 1817 an diesen zurückgeben und wurde zum Marsch all des Reichs und zum Gouverneur der 15. Militärdivision ernannt. Er starb 28. Okt. 1818.

3) Edward Daniel, engl. Reisender und Reiseschriftsteller, geb. 5. Juni 1769 zu Willington in Essex, studierte zu Cambridge und bereiste 1791-1802 einen großen Teil Europas sowie Kleinasien, Syrien und Ägypten. Nach seiner Rückkehr ließ er sich 1805 ordinieren und erhielt das Vikariat zu Harlton; 1807 hielt er in Cambridge Vorlesungen über Mineralogie und fand so außerordentlichen Beifall, daß ihm zu Ehren eine eigne Professur der Oryktognosie errichtet wurde. Seine chemischen Versuche führten ihn auf die Erfindung des Glaslötrohrs. Im J. 1817 ward er Unterbibliothekar in Cambridge und bewies bei der Stiftung der Philosophical Society große Thätigkeit. Seine griechischen und orientalischen Manuskripte, darunter ein von ihm auf Patmos entdeckter, berühmter Kodex des Platon, kaufte die Bodleysche Bibliothek zu Oxford für 1000 Pfd. Sterl. C. starb 9. März 1822. Eine Beschreibung seiner Reisen erschien unter dem Titel: "Travels in various countries of Europe, Asia and Africa" (Lond. 1819-24, 11 Bde.).

4) Mary Cowden, engl. Schriftstellerin, geboren im Juni 1809 zu London als die Tochter des Musikalienhändlers Novello und Schwester der Sängerin Clara Novello, heiratete 1828 den Vorleser und Schriftsteller Charles Cowden C. (gest. 13. März 1877 in Genua), den Freund von Lamb, Keats, Hazlitt und Leigh Hunt, und hat sich in der Litteratur als Hilfsarbeiterin einen ehrenwerten Platz erworben. 16 Jahre verwendete sie auf die "Complete concordance of Shakespeare", die 1845 erschien und, dem Shakespeare-Forscher unentbehrlich, seitdem oft aufgelegt wurde (zuletzt Lond. 1881). Aus ihrer Feder gingen ferner hervor: "The adventures of Kit Bam, or the yarns of an old mariner" (1848); "The girlhood of Shakespeare's heroines" (neue Ausg. 1879); die Novelle "The iron cousin" (1854); "Worldnoted women" (1857); "Trust and remittance", Liebesgeschichten (1873); "A rambling story" (1874). In Gemeinschaft mit ihrem Gatten gab sie "Many happy returns of the day: a birthday book" (1847, neue Ausg. 1869) und "The Shakespeare key" (1879), einen Nachtrag zu der erwähnten Shakespeare-Konkordanz, heraus. Ferner veröffentlichte sie eine Parodie von Longfellows "Hiawatha" und Ausgaben von Shakespeares Dramen und Gedichten (1869).

5) James Freeman, nordamerikan. Unitarier, geb. 4. April 1810 zu Hanover in New Hampshire, war sieben Jahre Prediger zu Louisville in Kentucky, woselbst er die Zeitschrift "Western Messenger" herausgab. 1840 gründete er in Boston eine eigne Gemeinde, deren Prediger er noch jetzt ist. Er veröffentlichte: "Christian doctrine of forgiveness" (5. Aufl. 1879); "Christian doctine of prayer" (8. Aufl. 1874); "Orthodoxy, its truths and errors" (1856, 12. Aufl. 1878); "Steps of belief" (1870, 6. Aufl. 1876); "Ten great religions" (1871-81, 2 Bde.); "Common sense in religion" (1873); "Essentials and non-essentials in religion" (1878); "Exotics" (1875); "Memorial and biographical sketches" (Bost. 1878), interessante Aufsätze über Shakespeare, Rousseau, W. E. Channing etc.

6) Hyde, vielseitiger engl. Schriftsteller, geb. 1815 zu London, wurde 1836 als Zivilingenieur daselbst angestellt und war dann als Diplomat, zugleich als Ingenieur, Sprachforscher, Etholog und Nationalökonom thätig. Er starb 22. Dez. 1878 in London. Von seinen Schriften seien erwähnt: "Theory of railway-investment"; "Engineering of Holland" (1849); "Colonization in our Indian empire" (1857); "Comparative philology" (1858); "Sove-^[folgende Seite]

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