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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Comino - Commelina.

Doch trat er nach einiger Zeit, nachdem er seine Unschuld bewiesen, in seine frühere Stellung zurück und wurde Gesandter in Venedig, wo er das Interesse Frankreichs aufs beste vertrat. Auch bei Ludwig XII., dem er als Herzog von Orléans Dienste erwiesen hatte, stand er in hohem Ansehen. C. starb 17. Okt. 1509 in Argenton. Seine "Memoiren über die Regierung und das Leben Ludwigs XI. und Karls VIII. von 1464 bis 1498" (1. Ausg., Par. 1524; die besten Ausgaben von Lenglet Dufresnoy, Lond. u. Par. 1747, 4 Bde., und Dupont, Par. 1840-47, 3 Bde.; fast in alle Sprachen übersetzt) sind die wichtigste Geschichtsquelle über die letzten Jahrzehnte des 15. Jahrh. Seine Darstellung ist kühl und ruhig, aber wahrheitsgetreu, obwohl seine Sympathien für Ludwig XI., dessen staatsmännische Bedeutung er bewundert, sehr deutlich hervortreten. In seinen politischen Anschauungen ist C. ein Vorgänger und Gesinnungsgenosse Machiavellis: Vorteil und Erfolg sind das erste, die Moral muß zurücktreten. Vgl. Kervyn de Lettenhove: Lettres et négociations de Philippe de C. (Brüssel 1867).

Comino (Cumino), Inselchen im Mittelländischen Meer, zwischen Malta und Gozzo gelegen, 2 qkm groß, hat ein starkes Fort, welches dem Kastell Rosso auf Malta gegenüberliegt. C. hieß im Altertum Ephästia.

Comiso, Stadt in der ital. Provinz Siracusa (Sizilien), Kreis Modica, hat eine schöne Fontäne ("Bad der Diana"), ein Theater, Baumwollkultur, Fabrikation von Seife und Töpferwaren u. (1881) 19,333 Einw.

Comissatio (lat.), bei den alten Römern ein bacchantischer Aufzug vor oder nach Gelagen, vorzugsweise aber das Trinkgelage selbst. Die C. fand nach der Cena statt oder noch später am Abend und dauerte oft bis zum Morgen. Die ursprünglich griechische Sitte der C. artete bei den Römern auf das äußerste aus und wurde für die Sitten um so verderblicher, als außer den Hetären auch die Frauen des Hauses sich daran beteiligten. Vor Beginn der C. wurden Kränze und Salben verabreicht, dann durch Würfel ein Zechkönig (magister bibendi, rex) bestimmt, welcher die Mischung, in welcher der Wein mit Wasser getrunken werden sollte, sowie das Maß, welches jedesmal zu trinken war, vorschrieb. Besonders kam es darauf an, daß die bestimmte, zuweilen auf zehn gesteigerte Anzahl von Bechern (lat. Cyathus) aus den Pokalen bis auf den letzten Tropfen geleert wurde. Zur weitern Unterhaltung der Gäste waren Vorstellungen von Possenreißern, Sängerinnen und Tänzerinnen beliebt.

Comitan (San Domingo C.), Stadt im mexikan. Staat Chiapas, an der Grenze von Guatemala, mit Dominikanerkloster, Schmuggelhandel und (1881) 6963 Einw.

Comitatus (lat.), Begleitung, Gefolge; auch Würde eines Comes (s. d. und Komitat).

Comité, s. Komitee.

Comites (lat.), Mehrzahl von Comes (s. d.).

Comitia (lat.), s. Komitien.

Comitialis morbus (lat.), bei den alten Römern Name der Epilepsie, weil, wenn jemand von derselben in den Komitien (s. d.) befallen wurde, dies für eine unglückliche Vorbedeutung galt und die Versammlung sofort geschlossen wurde.

Comitium (lat.), der nordwestliche Teil des röm. Forums, welcher zu Volksversammlungen bestimmt war. Er erstreckte sich vom Südfuß des kapitolinischen Bergs bis zur Velia, einer geringen Erhöhung, die sich vom palatinischen zum esquilinischen Berg hinzog. Vgl. Rom.

Comm., bei botan. Namen Abkürzung für P. Commerson (s. d.).

Commagene, Landschaft, s. Kommagene.

Commeatus (lat.), bei den alten Römern der Urlaub, den die Soldaten auf gewisse Zeiten erhielten; dann auch die Sendung von Lebensmitteln, Zufuhr.

Commedia (ital.), in Italien ursprünglich Bezeichnung für jedes in der Volkssprache, d. h. italienisch (nicht lateinisch), abgefaßte Gedicht mit tragischem Anfang und fröhlichem Ausgang, daher auch Dante seiner großen Dichtung den einfachen Titel C. gab (dem erst die Nachwelt das "divina" hinzufügte); später Bezeichnung für das Drama im allgemeinen und das Lustspiel im besondern.

Commedia dell' arte (ital.), das einheimische Volkslustspiel der Italiener (Stegreifkomödie) mit improvisierten Scherzen und stehenden Masken (Arlecchino, Pulcinello, Pantalone, Scaramuzzo, Colombina etc.), im Gegensatz zur C. erudita, dem akademischen Lustspiel, das sich unter dem Einfluß des altrömischen Lustspiels entwickelt hatte und teils Charakter-, teils Intrigenstück war. Als Erfinder der Stegreifkomödie wird Francesco Cherea, der Lieblingskomiker Leos X., genannt (s. Komödie). Vgl. Scherillo, La C. in Italia (Turin 1884); Bartoli, Scenari inediti della C. (1884).

Comme il faut (franz., spr. kommilfoh), wie es sich gebührt, gehört; stattlich, tüchtig.

Commelin (spr. komm'läng, Commelinus), 1) Hieronymus, Buchdrucker, geb. 1560 zu Douai in Flandern, übte seine Kunst zuerst in Frankreich, dann in Genf, von wo ihn der Kurfürst von der Pfalz nach Heidelberg berief; starb 1598. Er lieferte sehr korrekte, von ihm mit gelehrten Anmerkungen versehene Ausgaben griechischer und römischer Klassiker.

2) Isaak, ebenfalls Buchdrucker und Neffe des vorigen, geb. 19. Okt. 1598 zu Amsterdam, gest. 13. Jan. 1676, lieferte mehrere die holländische Geschichte betreffende Werke, darunter eine "Beschrijvinge van Amsterdam" (mit Urkunden von seinem Sohn herausgegeben, Amsterd. 1693; 2. Aufl. 1726, 2 Bde.).

3) Jan, Botaniker, Sohn des vorigen, geb. 23. Juli 1629 zu Amsterdam, war Senator und Professor der Botanik in seiner Vaterstadt, deren botanischen Garten er zum berühmtesten Europas machte; starb 19. Jan. 1692. Der Beschreibung der Schätze desselben sind seine meisten Werke gewidmet, besonders: "Horti medici Amstelodamensis rariorum tam orientalis quam occidentalis Indiae plantarum descriptio et icones" (1697, Bd. 1).

4) Kaspar, Neffe des vorigen, Botaniker, geb. 1667 zu Amsterdam, folgte seinem Oheim im Amt, war mit Ruysch Demonstrator am botanischen Garten und starb 25. Dez. 1731. Er schrieb: "Horti medici Amstelodamensis plantae rariores et exoticae" (Leiden 1706, mit Abbildungen); "Flora malabarica s. horti malabarici catalogus" (das. 1696).

Commelina Dill. (Kommeline), Gattung aus der Familie der Kommelinaceen, meist ausdauernde Kräuter mit ganzen, am Grund scheidigen Blättern, meist blauen, dreiblätterigen Blüten und dreifächeriger, mehrsamiger Kapsel, gehören den tropischen und subtropischen Gegenden beider Hemisphären an. C. Rumphii Kostel., ein Sommergewächs auf den Molukken, mit langgestielten, blauen Blüten, gibt ein wohlschmeckendes Gemüse und wirkt gelind abführend. Ebenso C. polygama Roth, ein Sommergewächs in Ostindien, Kochinchina und Japan, mit blaßblauen Blüten. C. tuberosa L. ist eine ausdauernde Pflanze in Mexiko, mit rauhen Blättern,

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]