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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Condotta - Conestabile della Staffa.

beständiger Sekretär er 1777 ward. Er schloß sich mit Leidenschaft den Encyklopädisten und später der Revolution an, gab mit Cerutti die Zeitschrift "Feuille villageoise" heraus, worin er die Grundzüge des Staatshaushalts und der Staatsverhältnisse in populärer Weise vortrug, hielt bei der Nachricht von der Flucht des Königs seine berühmte Rede über die Königswürde als eine antisoziale Einrichtung, wurde 1791 zum Kommissar der Schatzkammer ernannt, dann von der Stadt Paris in die Gesetzgebende Versammlung gewählt und im Februar 1792 deren Präsident. Er bekämpfte die Emigration, verfaßte nach dem 10. Aug. die Adresse an die Franzosen und an Europa über die Abschaffung der Königswürde und stimmte im Prozeß des Königs für die härteste Strafe, welche nicht die Todesstrafe sei. Als Deputierter des Departements Aisne im Nationalkonvent stimmte er meist mit den Girondisten. Nach dem Sturz dieser Partei als Brissots Mitschuldiger in Anklagestand versetzt, floh er, ward geächtet, fand aber bei einer Freundin, Madame Verney in Paris, acht Monate lang ein Asyl und verfaßte in dieser Zeit mehrere schriftstellerische Arbeiten, unter andern sein berühmtes Werkchen "Esquisse d'un tableau historique des progrès de l'esprit humain" (Par. 1794, neue Ausg. 1864; deutsch von Posselt, Tübing. 1796), worin er die unbegrenzte Vervollkommnungsfähigkeit des Menschen darlegt. Nachdem er endlich sein Asyl verlassen und eine Zeitlang umhergeirrt war, wurde er im Wirtshaus zu Clamart bei Bourg la Reine als verdächtig verhaftet und tags darauf (6. April 1794) tot (durch Gift) im Kerker gefunden. Vollständige Sammlungen seiner Schriften besorgten Garat und Cabanis (Par. 1804, 21 Bde.) und F. Arago unter Mitwirkung von A. Condorcet und O'Connor (das. 1847-49, 12 Bde.). Condorcets Briefwechsel mit Turgot gab Henry heraus (Par. 1883).

Condotta (ital.), Führung, Anführung (auch im Kriege), Geleit; Transport; Fracht (per c. di N., durch den Frachtfuhrmann N.).

Condottieri (ital.), Anführer von Söldnerscharen während der Kriege des 14. und 15. Jahrh. in Italien, die für die Aussicht auf Sold und Beute jeder Partei dienten, oft auch auf eigne Hand, nur um zu plündern und zu brandschatzen, Krieg begannen. Zu den berühmtesten gehörten Franz von Carmagnola im Anfang des 15. Jahrh. und Franz Sforza, welcher sich mit Hilfe seiner Banden zum Herzog von Mailand aufschwang. Eine ähnliche Erscheinung waren im 14. Jahrh. in Frankreich die sogen. Compagnies grandes, die, hervorgerufen durch die langen, verheerenden Kriege zwischen Frankreich und England, selbst einem königlichen Heer erfolgreich Widerstand leisteten und erst verschwanden, als der Connetable Duguesclin sie zur Unterstützung Heinrich Trastamares gegen dessen Bruder Peter den Grausamen nach Spanien führte.

Condrieu (Condrieux, spr. kongdriö), Stadt im franz. Departement Rhône, Arrondissement Lyon, an dem Rhône und der Lyoner Eisenbahn, hat 3 Kirchen und (1876) 1346 Einw., welche Fabrikation von Hüten, Seidenwaren und Spitzen treiben und guten weißen Wein bauen.

Condroz (spr. kongdroh), Landschaft in Belgien, im Altertum von den Kondrusen (s. d.) bewohnt, umfaßt den östlichen Teil der Provinz Namur und den südwestlichen der Provinz Lüttich, durch die Maas von der Landschaft Hesbaye getrennt, mit üppigen Getreide- und Futterfeldern und der Hauptstadt Ciney.

Condrusi, Volk, s. Kondrusen.

Condurango, Name mehrerer Pflanzen des nördlichen Südamerika, welche gegen Schlangenbiß, Krebs und Syphilis benutzt werden. Die C. aus Ecuador, Gonolobus C. Triana, ist eine noch wenig bekannte Schlingpflanze aus der Familie der Asklepiadeen, wächst besonders an den Westabhängen der Kordilleren, hat herzförmige, ganzrandige Blätter und Blüten, Früchte und Samen von den der Familie eigentümlichen Formen. Von dieser Pflanze kommt die Rinde als Cortex C. in meist gekrümmten, weniger als 10 cm langen, rinnenförmigen, grauen Stücken in den Handel. Sie riecht in frischem Zustand aromatisch und schmeckt bitter. Die Ärzte Caesares und Eguiguren in der Provinz Loxa machten 1871 nachdrücklich auf diese Drogue aufmerksam, und noch in demselben Jahr erhielt Antisell in Washington die erste Probe, deren Wirksamkeit er alsbald bezeugen konnte. Jetzt ist die Rinde auch bei uns offizinell. Eine C. aus Neugranada stammt von Macroscepis Trianae Dec. aus der Familie der Asklepiadeen, und die C. aus Guancabamba (C. blanco) besteht aus dicht behaarten Stengeln der Marsdenia C. Reichbch. aus derselben Familie.

Condyloma (griech.), s. v. w. Feigwarze.

Condylus (lat.), Gelenkknorren, z. B. C. externus humeri, der äußere Gelenkknorren des Oberarms.

Condys Liquid, eine Lösung von übermangansaurem Natron.

Conegliano (spr. -neljano), Distriktshauptstadt in der ital. Provinz Treviso, am Fuß eines Hügels, der die Trümmer eines Kastells (Rocca) und die Stiftskirche trägt, am Flüßchen Monticano und an der Eisenbahn Venedig-Udine gelegen, ist von Mauern umgeben, hat mehrere Kirchen und Paläste mit bemerkenswerten Gemälden und (1881) 4682 Einw., welche Seidenindustrie betreiben und trefflichen Wein bauen. C. war Wohnort des Malers Giambattista Cima, der nach der Stadt genannt wird. Auch erhielt hiernach der Marschall Moncey von Napoleon I. den Titel eines Herzogs von C.

Conejera (spr. -chera), span. Insel, s. Balearen.

Con espressione (ital.), musikal. Vortragsbezeichnung, s. v. w. espressivo, mit Ausdruck, gewöhnlich bei Solostellen in Orchesterstimmen angewendet.

Conestabile della Staffa, Gian Carlo, Graf, ital. Archäolog, geb. 2. Jan. 1824 zu Perugia, studierte auf der dortigen Universität und widmete sich historischen, Altertums- und Kunststudien. Seine ersten Werke waren die "Memorie di Alfano Alfani, illustre Perugino" (Perugia 1848) und eine Biographie Paganinis (1851). Das eigentliche Gebiet seines Wissens betrat er jedoch erst mit dem Sammelwerk "Monumenti di Perugia etrusca e romana" (1855-56, Bd. 1-3), welchem seine in Etrurien gemachten Entdeckungen zu Grunde liegen. Sein nächstes Werk waren die "Iscrizioni etrusche e etrusco-latine in monumenti che si conservano nell' I. e R. Galleria degli Uffizi di Firenze" (Flor. 1858). Im J. 1859 übernahm er eine Professur an der Universität Perugia, ging aber, durch die politischen Verhältnisse veranlaßt, 1860 nach Orléans in Frankreich, von wo er 1863 nach Perugia zurückkehrte. Er setzte seine Forschungen in Etrurien fort und gab heraus: "Pitture murali a fresco e suppellettili etrusche etc. scoperte in una necropoli presso Orvieto" (Flor. 1865), dann den 4. Band der "Monumenti di Perugia etrusca e romana" (1870). Er starb 21. Juli 1877 in Perugia. Sein älterer Bruder besaß eine Madonna Raffaels, welche den Beinamen C. erhielt; sie gehört seit 1871 der Eremitage zu Petersburg.

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]