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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Conradi; Conrart; Conring; Consacramentales; Consalvi; Consanguinei; Conscience

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Conradi - Conscience.

des Kolorits hervorragenden Bilde: Tilly in der Totengräberwohnung zu Leipzig 7. Sept. 1631, auf (Kunsthalle in Hamburg). 1860 nahm er einen Ruf nach Weimar an und schuf dort außer einem Tasso im Gefängnis ein großes Bild: die Zerstörung Karthagos, für das Maximilianeum in München. Nach zwei Jahren kehrte er zu bleibendem Aufenthalt nach München zurück und malte im Nationalmuseum das Freskobild: die Stiftung der Akademie der Wissenschaften zu München. Zu den besten seiner spätern Werke gehören: Maria Stuart und Riccio, Charlotte Corday, die sich vor ihrem Tod malen läßt (1869), das Ende Kaiser Josephs II. (1874) und 1876 die Zusammenkunft desselben Kaisers mit Papst Pius VI. im Schloß zu Neiße im April 1782.

Conradi, August, Komponist, geb. 27. Juni 1821 zu Berlin, Schüler von Rungenhagen, war eine Zeitlang Organist in seiner Vaterstadt, von 1849 ab Theaterkapellmeister in Stettin, Köln, Düsseldorf und seit 1856 Kapellmeister am Wallner-Theater in Berlin, wo er 25. Mai 1873 starb. Er komponierte mehrere Opern, z. B. "Die Deserteure", "Musa, die letzte Maurenfürstin", "Rübezahl" etc., ferner zahlreiche zu Possen und Singspielen für die kleinern Berliner Theater nötige Musikstücke, daneben Klaviersachen im leichten und eleganten Genre, mehrere Symphonien, Ouvertüren, Streichquartette u. a.

Conrart (spr. kong-rár), Valentin, franz. Schriftsteller, geb. 1603 zu Paris, erwarb sich als Kenner der italienischen, spanischen und besonders der französischen Sprache in ihren Feinheiten einen bedeutenden Namen und machte sein Haus zum wöchentlichen Sammelplatz einer Anzahl litterarisch gebildeter Männer, wie Chapelain, Godeau, Ph. Habert, Maleville, Serizay, Boisrobert u. a., die sich gegenseitig daselbst ihre Arbeiten vorlasen und besprachen. Aus dieser Vereinigung ging 1634 durch Richelieus Eingreifen die französische Akademie hervor, deren ständiger Sekretär C. wurde. Er starb 23. Sept. 1675. C. genoß infolge der Reinheit seines Geschmacks und der Sicherheit seines Urteils hohes Ansehen; geschrieben hat er selbst nur wenig, daher der oft angeführte Vers Boileaus: "J'imite de C. le silence prudent". Außer einigen Gedichten hat man von ihm nur Briefe und "Mémoires sur l'histoire de son temps" (abgedruckt in den "Mémoires pour servir à l'histoire de France" von Petitot und Monmerqué). Vgl. Kerviler und Barthélemy, C., sa vie et sa correspondance (Par. 1881).

Conring, Hermann, ostfries. Gelehrter, geb. 9. Nov. 1606 zu Norden in Ostfriesland, studierte zu Helmstedt und Leiden besonders Theologie und Medizin, ward 1632 Professor der Philosophie, 1636 Professor der Medizin zu Helmstedt. 1650 von der Königin Christine von Schweden zum Leibarzt ernannt, erhielt er noch die Professur der Politik in Helmstedt und wurde 1661 Geheimrat des Herzogs von Braunschweig. König Ludwig XIV. von Frankreich setzte ihm 1664 eine Pension aus, der König von Dänemark ernannte ihn 1669 zum Etatsrat. Er starb 12. Dez. 1681 in Helmstedt. Durch sein Hauptwerk: "De origine juris germanici" (Helmstedt 1643), begründete C. die deutsche Rechtsgeschichte. Dem deutschen Staatsrecht brach er durch die "Exercitationes de republica Imperii Germanici" (Helmstedt 1674) eine neue Bahn. Auch um die Medizin erwarb er sich Verdienste, namentlich durch Verbreitung der Harveyschen Lehre vom Blutkreislauf und durch die Bestimmung des Nutzens der Chemie für die Pharmazie. In der theoretischen Philosophie war er strenger Aristoteliker. Eine vollständige Ausgabe seiner Werke besorgte Göbel (Braunschw. 1730, 6 Bde. nebst Registerband). Seine geistige Begabung wird durch seine charakterlose Servilität gegen den französischen Hof in den Schatten gestellt. Vgl. Stobbe, Hermann C., der Begründer der deutschen Rechtsgeschichte (Berl. 1870), und Goldschlag, Beiträge zur politischen und publizistischen Thätigkeit H. Conrings (das. 1884). -

Seine Tochter Elise Sophie, zum zweitenmal mit dem holstein-gottorpschen Kanzler v. Reichenbach vermählt, machte sich als Dichterin bekannt und starb 11. April 1718.

Consacramentales (Compurgatores, lat.), die Eideshelfer im altdeutschen Prozeßverfahren.

Consalvi, Ercole, Kardinal, geb. 8. Juni 1757 zu Rom, widmete sich theologischen, politischen und litterarischen Studien und erwarb sich durch seine Bekämpfung der revolutionären Ideen 1792 eine Stelle als Auditor der Rota bei der römischen Kurie. Die Franzosen verbannten ihn zwar bei Besetzung des Kirchenstaats (1798); aber Pius VII., der seine Wahl bei dem Konklave in Venedig 1799 hauptsächlich C. zu danken hatte, erhob ihn 1800 zum Kardinal und bald darauf zum Staatssekretär, in welcher Eigenschaft er 1801 in Paris mit Napoleon I. wegen des Konkordats unterhandelte, wobei er sich geschickt und zugleich schmiegsam und nachgiebig zeigte. Als 1809 der Streit zwischen dem Papst und Napoleon ausbrach, billigte er zwar die Exkommunikationsbulle des erstern nicht, blieb ihm aber doch treu und ward daher vom Kaiser abgesetzt und interniert. Als päpstlicher Gesandter beim Kongreß zu Wien erwarb er sich durch Mäßigung und Schlauheit die Gunst der Monarchen, auch der nichtkatholischen, bewirkte die völlige Wiederherstellung des Kirchenstaats und übernahm nun als Staatssekretär wieder die Regierung desselben. Er regelte die innere Verwaltung der päpstlichen Staaten durch das die Uniformität des Polizeistaats herstellende Motu proprio vom 6. Juli 1816; auch führte er eine neue Zivilprozeßordnung und einen neuen Handelskodex ein, vereinfachte die Finanzverwaltung und suchte auch dem Räuberunwesen in den Provinzen nach Kräften zu steuern. Er unterstützte die Wissenschaften, namentlich aber die Künste. Die Konkordate der Kurie mit Rußland, Polen, Preußen, Bayern, Württemberg, Sardinien, Spanien und Genf waren sein Werk. Nach Pius' VII. Tod 1823 zog sich C. von den Geschäften zurück und starb 24. Jan. 1824 in Rom. Seine Memoiren gab Crétineau-Joly (Par. 1864, 2 Bde.) heraus; doch ist deren Echtheit angezweifelt worden. Vgl. Bartholdy, Züge aus dem Leben des Kardinals C. (Stuttg. 1824); Daudet, Le cardinal C. (Par. 1866); Crétineau-Joly, Bonaparte, le concordat de 1801 et le cardinal C. (das. 1869); Ranke, Die Staatsverwaltung des Kardinals C. (in den "Historisch-biographischen Studien", Leipz. 1877).

Consanguinei, s. Geschwister.

Conscience (spr. kongßjangs, vläm. konszienz gesprochen), Hendrik, vläm. Novellist und Mitbegründer der neuvlämischen Litteratur, geb. 3. Dez. 1812 als Sohn eines aus Besançon stammenden Marinebeamten und einer vlämischen Mutter, ergriff zuerst den Lehrerberuf, trat dann (1830) als Freiwilliger ins Heer, wo er es bis zum Sergeantmajor brachte, und schloß sich nach beendigter Dienstzeit 1836 mit aller Energie der vlämischen Sprachbewegung an, die seinem Wirken wesentliche Förderung verdankt. Er schrieb 1837 seinen ersten Roman: "In't wonderjaer, 1566", der als der erste der neuen vlämischen Litteraturperiode

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]