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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Császár; Csatád; Csengery; Csepel; Csik; Csik-Szereda; Csikos; Csiky

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Császár - Csiky.

zur äußersten Lebhaftigkeit, bis er im Wirbeltanz endet. Zum Vortrag der eigentümlich rhythmischen Csárdásmelodien, die meist auch mit dem Text eines Volksliedes verbunden sind, ist durchaus Zigeunermusik erforderlich.

Császár (spr. tscháhssar), Franz, ungar. Schriftsteller und Dichter, geb. 1807 zu Zala-Egerszeg im Komitat Zala, wurde 1830 in Fiume als Lehrer der ungarischen Sprache, 1836 als Notar beim Wechselgericht angestellt und 1840 als Beisitzer des Wechselgerichts nach Pest berufen. Seit 1846 Referent bei der Septemviraltafel, verlor er diesen Posten später, weil er nach der Unabhängigkeitserklärung vom 14. April 1849 von der revolutionären Regierung das Amt angenommen. Er gründete im März 1850 das liberale "Pesti Napló" ("Pester Tageblatt") und starb 17. Aug. 1859. Als Schriftsteller trat er zunächst mit juristischen Schriften auf, wie: "Ungarisches Wechselrecht" (3. Aufl., Pest 1846); "Wechselrechtliches Lexikon" (1841); "Ungarische Bankrottgesetze" (1847) etc. Außerdem veröffentlichte er: "Italienische Reisen" (1843); ein "Mythologisches Wörterbuch" (1844) "Der Fiumer Hafen" (1842-43, 2 Bde.) und "Gedichte" (2. Aufl. 1846), die sich durch korrekte Form und Gefühlsinnigkeit auszeichnen, und unter denen namentlich die in italienischer Manier geschriebenen Sonette und Matrosenlieder hervorzuheben sind. Auch übersetzte er mehrere italienische Meisterwerke, z. B. von Alfieri, Beccaria, Silvio Pellico und Dante, ins Ungarische.

Csatád (spr. tschatahd), Marktflecken im ungar. Komitat Torontál, mit (1880) 3165 Einw., Geburtsort des Dichters Lenau.

Csengery (spr. tschénngeri), ungar. Publizist und Politiker, geb. 2. Juni 1822 zu Großwardein, studierte die Rechte, trat 1845 in die Redaktion des liberalen "Pesti Hirlap", folgte 1848 der Regierung nach Debreczin und war einige Zeit Ministerialrat. 1857 gründete er die "Budapesti Szemle" ("Budapester Revue"), die er bis 1869 redigierte. Eifrig war er für die wirtschaftliche Entwickelung bemüht und hatte einen wesentlichen Anteil an der Errichtung des ungarischen Bodenkreditinstituts, als dessen Direktor er bis an seinen Tod wirkte. Seit 1861 Mitglied des Reichstags, war er eins der einflußreichsten Mitglieder der Deák-Partei. Er starb 13. Juli 1880. Von seinen glänzend geschriebenen historischen Schriften, wegen deren er Mitglied und zweiter Präsident der Akademie wurde, sind zu nennen: "Ungarns Orden" (Leipz. 1852); "Historische Studien und Charakteristiken" (Pest 1870, 2 Bde.); "Geschichtschreibung und Geschichtschreiber" (das. 1874); "Denkrede auf Deák" (das. 1877); auch übersetzte er Macaulays "Geschichte Englands" (neue Aufl. 1874).

Csepel (spr. tsche-), fruchtbare Donauinsel unterhalb Budapest, 330 qkm (6 QM.) groß, mit Obst- und Weinbau und mehreren Ortschaften, war in alten Zeiten Sommeraufenthalt der ungarischen Könige. Kaiser Karl VI. schenkte sie 1721 dem Prinzen Eugen von Savoyen, der in dem Hauptort Ráczkeve (1881: 5643 Einw.) ein prächtiges Schloß aufführen ließ. Seit 1825 ist sie wieder königliches Familiengut.

Csik (spr. tsch-), ungar. Komitat in Siebenbürgen, grenzt an die Komitate Háromszék, Udvarhely, Maros-Torda und an Rumänien, umfaßt 4493 qkm (81,6 QM.), ist gebirgig und hat im Innern zwei von der Maros und Aluta durchströmte Thäler. C., durch seine Naturschönheiten berühmt, ist das rauheste siebenbürgische Komitat und zählt (1881) 110,940 Einw.; daselbst gedeihen nur Erdäpfel, Roggen, Hafer und Flachs; desto prächtiger sind aber die wildreichen Waldungen, deren Eichen-, Buchen- und Nadelholz einen bedeutenden Handelsartikel bildet. Sitz des Komitats, das 65 Ortschaften enthält ist die Stadt C.-Szereda (röm. Sicoloburgum) an der Aluta und am Fuß der Hargitta; sie hat ein altes Schloß, (1881) 1597 Einw. und ist Sitz eines Gerichtshofs. Zu Csik-Szent-Domekos (1881: 3318 Einw.) befindet sich ein Kupferbergwerk.

Csikos (ungar., spr. tschíckosch), der ungar. Roßhirt, eine der originellsten Gestalten des ungarischen Volkslebens. Der C. ist von Jugend auf beständiger Begleiter des Viehs auf den Weideflächen der großen ungarischen Güter oder Gestüte, führt ein höchst eigentümliches Leben und weiß die wilden, frei weidenden Pferde mit seltener Stärke, Behendigkeit und Geistesgegenwart einzufangen und zu bändigen. Sein Anzug besteht aus einem kurzen Hemd und langen, weißen Hosen von grober Leinwand, Gatija genannt; beide wie auch sein runder Hut und sein langes, schwarzes Kopfhaar sind der vielen Mücken wegen mit Fett eingerieben. Außerdem trägt er einen mit Knöpfen gezierten Ledergurt und Zischmen (Schnürstiefel) mit stark klirrenden Sporen. Zur Waffe dient ihm ein leichter, mit einem Hammer oder scharfem Beil am Ende versehener Stock; den er mit Sicherheit zu schleudern versteht. Die romantische, verwegene Gestalt des C. ist nicht selten von Dichtern poetisch dargestellt worden, z. B. von Lenau in mehreren Gedichten, von Petöfi und besonders von Karl Beck in seinem "Jankó, der ungarische Roßhirt". Mit dem immer weiter um sich greifenden Ackerbau in der ungarischen Tiefebene hat übrigens die Romantik des Csikoslebens schon mannigfache Einschränkungen erlitten; der halbwilde Roßhirt sank denn auch bereits in vielen Gegenden zum gewöhnlichen Acker- und Viehknecht der Grundbesitzer herab.

Csik-Szereda, Stadt, s. Csik.

Csiky (spr. tschicki), Gregor, der bedeutendste lebende Dramatiker Ungarns, geb. 8. Dez. 1842 zu Pankota, widmete sich dem katholischen Priesterberuf, wurde nach Beendigung seiner Seminarstudien zuerst Kaplan, dann (1870) Professor der Theologie am katholischen Seminar zu Temesvár, gab 1878 diese Stellung auf und siedelte nach Pest über, wo er seither ausschließlich der Litteratur lebt. 1871 trat er zuerst mit zwei Bänden Erzählungen ("Aus dem Leben" und "Photographien") vor die Öffentlichkeit. 1875 gewann er mit dem Lustspiel "A Jóslat" ("Das Orakel") den Teleky-Preis (100 Dukaten) der ungarischen Akademie. Sein nächstes Stück, die Tragödie "Janus", gewann wieder einen Preis von 100 Dukaten, das Lustspiel "Der Unwiderstehliche" sogar 400 Dukaten, da der Karácsonyi-Preis vier Jahre lang nicht zur Verteilung gelangt war; und das Lustspiel "Der Mißtrauische" wieder den Teleky-Preis. "Die Proletarier", die im Winter 1879-80 zuerst im Pester Nationaltheater aufgeführt wurden, errangen den größten Erfolg, den ein ungarisches Originalstück bisher erlebte. Mit mehr oder weniger gleichem Beifall gingen die neuern Stücke des fruchtbaren Dichters über die Bühne, so das Drama "Glänzendes Elend", die Lustspiele: "Herr Mukányi", "Kariar" und "Die schönen Mädchen", die Tragödie "Der Magus" und das einaktige Schauspiel "Anna". Außer seiner poetischen entwickelt C. auch eine bedeutende Übersetzerthätigkeit; er hat die Tragödien des Sophokles, ebenso den Plautus und zahlreiche französische wie englische Bühnenstücke meisterhaft ins Ungarische übertragen. C. ist ein ursprüngliches Bühnentalent, welches durch

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