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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dampfpferd; Dampfpflug

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Dampfpferd - Dampfpflug.

stand der Rand einer Glocke, und indem der Dampf sich an dem scharfen Glockenrand stößt und sich nach innen und außen zerteilt, gerät er in der Glocke in Vibrationen und erzeugt den bekannten durchdringenden Ton. Dampfpfeifen sind an Dampfmaschinen und als Warnungsapparate an Dampfkesseln im Gebrauch.

Dampfpferd, s. v. w. Pferdekraft.

Dampfpflug (hierzu die Tafel "Dampfpflug"), mechan. Vorrichtung zur Beackerung des Bodens mit Hilfe der Dampfkraft. Die Ausbildung der Dampfpflüge bis zur praktischen Brauchbarkeit datiert aus der Zeit von 1880 an, wenn man sich auch schon lange Zeit vordem um die Konstruktion des Dampfpflugs bemüht hatte. Selbst vor Erfindung der Dampfmaschine beschäftigten sich einzelne mit der Herstellung von Bodenbearbeitungsgeräten, welche ohne Spannvieh, wahrscheinlich durch die Kraft des Windes, in Bewegung gesetzt werden sollten. So ließen sich z. B. David Ramsey u. Thomas Wildgoose 1618 in England eine Maschine patentieren, welche ohne Spannvieh pflügen, düngen und säen sollte. Der Erfinder der Dampfmaschine, James Watt, kam sofort auf den Gedanken, einen D. zu konstruieren, der freilich in damaliger Zeit keinen Erfolg erringen konnte. Ebensowenig gelang dies zahlreichen spätern Konstrukteuren bis in die neueste Zeit.

Alle bisher konstruierten Dampfpflüge lassen sich im wesentlichen in zwei Gruppen teilen: 1) in solche, bei welchen die Betriebsmaschine mit den Bodenbearbeitungsinstrumenten über den Acker fährt, und 2) in solche, bei welchen der Motor während der Bearbeitung des Bodens stillsteht und die Kulturinstrumente durch eine geeignete Seiltransmission in Bewegung setzt. Die erste dieser Gruppen hat manches Bestechende, namentlich die große Einfachheit und Billigkeit, dagegen den erheblichen Übelstand, daß stets die schwere Masse der Zugmaschine mit bewegt werden muß. Auch ist es bisher nicht gelungen, dieselbe derartig zu konstruieren, daß sie gegen das Einsinken vollständig gesichert ist. Aus diesem Grund hat man heutigestags dieses System, welches noch im J. 1860 mit entschiedenem Beifall aufgenommen wurde, zu gunsten des zweiten Systems gänzlich aufgegeben. Es läßt sich jedoch die Vermutung aussprechen, daß bei weiterer Vervollkommnung der Straßenlokomotiven das direkte Dampfpflugsystem wieder in Aufnahme kommen wird. Die bekanntesten Ausführungen desselben waren die rotierenden Kultivatoren von Romaine und Usher; bei ersterm befanden sich die Grubberzinken auf einer von der Maschine in Umdrehung versetzten Trommel angeordnet. Die Arbeit des Romaineschen Dampfpflugs war eine vortreffliche, der Boden wurde in vollkommener Weise bis zu beträchtlicher Tiefe gelockert. Andre, und zu diesen gehörte auch Usher, brachten komplette Pflugsätze mit Kolter, Schar und Streichbrett am Umfang der rotierenden Trommel an, womit sie jedoch keine Erfolge erzielen konnten. -

Die zweite Gruppe von Dampfpflügen, bei welcher die Bewegung durch eine Drahtseiltransmission erfolgt, hat in der Praxis bessern Erfolg errungen. Wer der Erfinder derselben ist, möchte heutigestags schwer festzustellen sein. Bereits 1833 versuchte ein gewisser Heathcoat und nach ihm Lord Tweeddale und Lord Willoughby d'Eresby die Konstruktion derartiger Dampfpflüge, jedoch mit gänzlicher Erfolglosigkeit, und in gleicher Weise scheiterten viele spätere Versuche, welche sich eine ähnliche Aufgabe stellten. Erst zu Anfang der 50er Jahre nahm das System eine praktischere Gestaltung an und zwar, als sich John Fowler, Smith-Woolston und James Howard mit der weitern Ausbildung des Dampfpflugs beschäftigten. Fowler führte auf der ersten Londoner Ausstellung 1851 seinen Drainpflug vor. Dieser originelle Apparat wurde durch ein starkes Hanfseil von einem Göpel aus in Bewegung gesetzt. Statt des Pferdegöpels wurde dann bald eine Lokomobile, statt des Hanfseils ein Drahtseil benutzt, und nun war es nur noch erforderlich, die Disposition und Anordnung der einzelnen Teile für den praktischen Gebrauch auszubilden.

Man muß berücksichtigen, daß auch in dieser Zeit, unmittelbar nach der ersten Londoner Ausstellung, die transportable Dampfmaschine, die Lokomobile, bis zur praktischen Brauchbarkeit vervollkommt wurde, ein Umstand, welcher den Konstrukteuren der Dampfpflüge außerordentlich zu statten kam; denn sicherlich hat der Mangel einer gut konstruierten Lokomobile viel zum Scheitern der frühern Versuche beigetragen. Bis vor einigen Jahren konnte man die Dampfpflüge noch einteilen in solche, deren Motor eine einfache landwirschaftliche ^[richtig: landwirtschaftliche] Lokomobile war, und in solche mit selbstbeweglichen Motoren (Straßenlokomotiven, Feldmaschinen). In neuester Zeit sind jedoch die erstern vollständig durch die zweite Gruppe verdrängt worden, da diese infolge der leichten Versetzbarkeit

^[Abb.: Fig. 1. Howards Umkreisungssystem.]