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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Danilo; Danilo-Orden; Danilovgrad; Danilow; Dänische Litteratur

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Danilo - Dänische Litteratur.

charakterisiert sind, und seine historischen Romane. Wir nennen von seinen Werken: "Die Freiheit. Zwei Romane aus dem Leben der Flüchtlinge" (1864); "Das ukrainische Altertum. Materialien zur Geschichte der Litteratur und Kultur der Ukraine" (1866, von der Akademie der Wissenschaften mit dem Uwarowschen Preis gekrönt); die Romane: "Die neunte Welle" (1874) und "Mirowitsch" (1879) und die kleinern Erzählungen: "Großmütterchens Paradies" (1874), "Das Dorf Sorokopanowka", "Potemkin an der Donau" (1878) u. a. Mehreres von D. ist auch in deutscher Sprache (in Reclams "Universalbibliothek") erschienen, z. B. "Die Nonnenklöster in Rußland" (Übersetzung von "Die neunte Welle"), "Mirowitsch" u. a.

Danilo, Pietrowitsch Njegosch, Fürst von Montenegro, geb. 25. Mai 1826 in einem Dorf bei Cattaro, wurde, nachdem er sich in Wien einige Zeit aufgehalten hatte, nach dem Tod seines Oheims, des Vladika Peter II. Petrowitsch, 31. Okt. 1851 Fürst. Um die bisher vereinigte geistliche und weltliche Würde zu trennen, ließ er mit russischer Zustimmung und Subvention die geistliche Metropolitanwürde an einen Verwandten übertragen, sich selbst aber 21. März 1852 vom Volk als Fürst der ganzen Tschernagora anerkennen. 1855 vermählte er sich mit Darinka Kvckitscheva, der Tochter eines reichen Großhändlers in Triest. Seine Regierung war, wie die seiner Vorgänger, eine äußerst bewegte. Ein Versuch der Pforte, Montenegro, das 1852 einen Krieg mit den Türken begonnen, durch Omer Pascha zu unterjochen, scheiterte 1853 an der Intervention Österreichs, das an dem Fortbestand dieses Hinterlandes der dalmatischen Küste ein Interesse hatte. D. begann nun seine Regierung im Innern zu befestigen und das, was er unter Kultur verstand, einzuführen. Er unterdrückte das frühere System der kleinen Tyrannen, welche für willkürliche Taxen einzelne Distrikte verwalteten, sorgte für die Sicherheit des Landes, richtete Schulen ein und suchte auch die Beziehungen der Kirche zum Staat zu regeln. Als Rußland die zugesagten Subsidien nicht mehr zahlte, suchte D. durch persönliche Anwesenheit am französischen Hof 1857 Frankreichs Sympathien für sich zu gewinnen, was ihm auch gelang; zugleich aber gedachte er auch von der Pforte gegen Anerkennung der Oberhoheit derselben über sein Land Vergrößerungen und Handelserleichterungen zu erreichen. Dies erschütterte sein Ansehen beim Volk und veranlaßte die Bildung mehrerer Verschwörungen gegen D., an denen selbst Verwandte desselben teilhatten, die aber entdeckt wurden. Am 12. Aug. 1860 ward D. zu Cattaro, im Begriff, in einen Kahn zu steigen, von Todoro Kaditsch aus Lorana, welcher als der Teilnahme an einer Verschwörung verdächtig aus Montenegro hatte fliehen müssen, durch eine Kugel meuchlerisch getroffen, infolgedessen er am folgenden Tag starb. Ihm folgte auf dem Thron der von ihm adoptierte älteste Sohn seines Bruders Mirko, Nikolaus Pietrowitsch Njegosch.

Danilo-Orden, montenegrin. Militär- und Zivilorden, erhielt 1855 seine jetzige Gestalt zum Gedächtnis der "czernagorischen Unabhängigkeit". Er hat vier Klassen: Großkreuze, Kommandeure erster und zweiter Klasse und Ritter. Das Großkreuz, welches nur Fürsten verliehen wird, besteht in einem blauen, rot eingefaßten Goldkreuz, in dessen Mittelschild die gekrönte russische Chiffer Δ I (Danilo I.) von Gold steht. Dasselbe umgibt ein blauer, weiß eingefaßter Reif mit der Umschrift: "Fürst der Schwarzen Berge". Der Revers des Mittelschildes trägt die Zahlen 1852-53 und die Umschrift: "Für Unabhängigkeit der Schwarzen Berge". Über dem Kreuz befindet sich die Fürstenkrone in Gold mit flatterndem Bande. Die Großkreuze tragen dazu auf der linken Brust einen silbernen Stern mit acht Strahlen, zwischen welchen glatte Silberstrahlen hervorgehen. Auf dem Stern liegt obiges Kreuz ohne Krone. Die Kommandeure erster Klasse tragen das gleiche Kreuz und den gleichen Stern, nur kleiner, ersteres um den Hals, letztern auf der rechten Brust, die Kommandeure zweiter Klasse das Kreuz ohne Stern. Die Ritter tragen ein silbernes, schwarz emailliertes Kreuz mit demselben roten Mittelschild.

Danilovgrad, Stadt in Montenegro, an der Zeta, mit 2000 Einw., erst 1871 angelegt. In der Umgegend fanden 8.-10. Okt. 1876 und 17.-25. Juni 1877 siegreiche Gefechte der Montenegriner gegen die Türken statt.

Danilow, 1) Kreisstadt im russ. Gouvernement Jaroslaw, am Fluß Pelanda und an der Eisenbahn Jaroslaw-Wologda, hat 2 Kirchen, ein Kreisgericht, eine Kreisschule und (1881) 5040 Einw., die Handel mit Seidenwaren, Leinwand und Cerealien treiben. - 2) (Danila) Kloster im russ. Gouvernement Olonez, am Wigosee, berühmter Wallfahrtsort.

Dänische Litteratur. Als die ältesten Erzeugnisse einer spezifisch dänischen Nationallitteratur betrachtet man gewöhnlich die Volks- und Heldenlieder (Kæmpeviser) des Mittelalters. Dieselben sollen sich bis zum Ende des 11. Jahrh. zurückverfolgen lassen. Da sie indes erst ein halbes Jahrtausend später aufgezeichnet wurden und infolge der langen mündlichen Überlieferung von Geschlecht zu Geschlecht erheblich umgestaltet sein dürften, wird sich die Frage, ob sie ursprünglich dänisch oder altnordisch gewesen sind, niemals mit Sicherheit entscheiden lassen. Ihrem Stoff nach knüpfen sie in der Regel an die alten skandinavischen Helden- und Natursagen an, berichten von dem Leben, den Thaten und Bitten des Ritterstandes, von den Nixen, Kobolden und sonstigen Zauberwesen sowie endlich von historischen Persönlichkeiten und Vorgängen der damaligen Geschichtsepoche. Allem Anschein nach haben wir die Urheber dieser Poesien nicht im eigentlichen Volk, sondern vielmehr im Ritterstand zu suchen; doch läßt sich nachweisen, daß sie sehr bald Gemeingut weiterer Kreise geworden und bei den Tanzfestlichkeiten des Volkes zur Verwendung gekommen sind. Gesammelt wurden sie erst gegen Ende des 16. Jahrh. von Vedel ("Hundrede Viser med oplysende Anmærkninger", 1591); später sind dann von Peder Syv, Abrahamson, Rahbäk, Nyerup und Rasmussen Nachträge geliefert worden, so daß uns jetzt im ganzen etwa 450 dieser alten Lieder aufbewahrt sind.

Ungleich wichtiger als Sprach- wie als Kulturdenkmäler sind die mittelalterlichen Gesetzsammlungen. Besonders die wachsende Macht der Kirche und die dadurch bedingten erhöhten Ansprüche der Geistlichkeit machten schon früh eine Fixierung des kanonischen Rechts notwendig, wie die fortwährenden Streitigkeiten zwischen den staatlichen Behörden einerseits und Adel und Klerus anderseits die Feststellung der weltlichen Gesetzesnormen bedingten. Dazu kam, daß seit Anfang des 12. Jahrh. viele junge Adlige sich an den Universitäten von Paris und Bologna mit dem eben wieder erwachten Studium des kanonischen und altrömischen Rechts beschäftigten und nach ihrer Rückkehr für die Reorganisation der dänischen Gesetzgebung thätig waren. So entstanden 1162 das schonensche und 1170 das seeländische Kirchenrecht, beide in dänischer Sprache. Dieselben