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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: D'Arrest; Daroca; Darondeau; Darre; Darren; Darro; Darrsucht

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Daroca - Darrsucht.

fremdete sich D. seine Gemahlin. Aus Eifersucht auf den steigenden Einfluß des Italieners Riccio, des Geheimschreibers der Königin, und auf die Gunst, in der er bei ihr stand, drang D. am Abend des 9. März 1566 mit andern schottischen Großen im Schloß zu Edinburg durch einen geheimen Eingang in das Zimmer der Königin, in deren Gegenwart Riccio, der sich nebst einigen andern Vertrauten daselbst befand, von den Verschwornen ermordet wurde. Maria, anfangs als Gefangene bewacht, söhnte sich scheinbar mit D. aus, verließ mit diesem die Hauptstadt, bot Moray und andern Großen die Hand zur Versöhnung und zwang mit deren Hilfe die Mörder zur Flucht. Darnleys schwächliches und unwürdiges Benehmen während dieser Vorgänge ließ ihn die Zuneigung seiner Gemahlin vollends verlieren, und ihr Verhältnis wurde auch durch die Geburt des spätern Jakob VI. (I.) 19. Juni 1566 nicht besser. Man sprach schon von Scheidung und von andern Mitteln, wodurch Maria ihres Gemahls entledigt werden sollte. Als D. im Dezember 1566 in Glasgow, wohin er sich zu seinem Vater begeben hatte, an den Pocken erkrankte, stattete ihm Maria hier einen Besuch ab, versöhnte sich dem Anschein nach mit ihm, bewog ihn, ihr nach Edinburg zu folgen, und ließ ihm vor der Stadt ein kleines Landhaus als Wohnung herrichten, wo sie ihn häufig besuchte, bisweilen sogar übernachtete. Die Nacht vom 9. auf den 10. Febr. 1567 brachte Maria aber in Edinburg zu, um der Hochzeit einer ihrer Dienerinnen beizuwohnen. In derselben Nacht gegen 3 Uhr ward des Königs Haus durch Pulver in die Luft gesprengt, er selbst erdrosselt; seinen Leichnam fand man in einem benachbarten Garten. Als seine Mörder bezeichnete die öffentliche Stimme Bothwell und die Königin; während die Schuld jenes feststeht, sind über die Frage nach Marias Mitwissenschaft und Teilnahme an dem Verbrechen die Meinungen der Geschichtsforscher noch heute ebenso geteilt wie vor 300 Jahren. Nach Darnleys Tod ging der Titel eines Lords D. auf den jüngern Zweig der Lennox über, der 1672 mit Charles Stuart ausstarb, worauf König Karl II. als nächster männlicher Verwandter seinen natürlichen Sohn von der Herzogin von Portsmouth zum Herzog von Richmond und Lennox, Grafen von March und D. in Schottland erhob, den seine Nachkommen noch führen. Den Titel Graf von D. in Irland hat seit 1725 die Familie Bligh inne, die in weiblicher Linie von dem Hause Stuart stammt.

Daroca, Bezirksstadt in der span. Provinz Saragossa, liegt malerisch in dem wohlbebauten Thal des Jiloca, hat alte Ringmauern mit Türmen, ein prachtvolles Felsenschloß und (1878) 3247 Einw. Bemerkenswert ist der im 16. Jahrh. erbaute, 700 m lange Tunnel, welcher bei Regen das Hochwasser zum Jiloca ableitet und sonst als Weg dient. Hier 1121 Sieg Alfons' I. über die Mauren. Im S. der Stadt liegt der salzhaltige See Gallocanta.

Darondeau (spr. -rongdoh), Benoît Henri, ausgezeichneter franz. Hydrograph, geb. 8. April 1805 zu Paris, wurde auf der polytechnischen Schule daselbst gebildet, nahm 1828-35 an der französischen Küstenaufnahme teil, machte 1835-37 zu hydrographischen und physikalischen Studien eine Reise um die Welt und leitete seitdem die verschiedensten Küstenaufnahmen im Mittelmeer, z. B. 1840 bei Sizilien, 1841 bei Sardinien, 1851 und 1853-57 an den italienischen Küsten. 1865 wurde er an die Spitze des Korps der Ingenieur-Hydrographen der französischen Marine gestellt und zum Mitglied des Bureau des longitudes ernannt. Er starb 1. März 1869 in Paris. D. veröffentlichte 4 Bände physikalischer Beobachtungen über seine Weltreise, eine Karte der Magelhaensstraße, nautische Instruktionen über die verschiedensten Teile der Welt, eine Beschreibung des Nadelkaps u. a. Auch gab er 1845-47 die "Mémoires hydrographiques". 1848-53 die "Annales hydrographiques" heraus, gründete das "Livre des phares de toutes les côtes du globe" und zeichnete eine große Anzahl Karten für die Marine.

Darre, Anstalt zum Trocknen oder schwachen Rösten vegetabilischer Stoffe (Obst, Getreide, Flachs, Holz, Malz etc.), um dieselben entweder zum längern Aufbewahren oder zu weiterer technischer Verwendung geeignet zu machen. Vgl. die betreffenden Artikel. D. beim Geflügel auch s. v. w. Darrsucht.

Darren, im Hüttenwesen ein Oxydationsprozeß, bei welchem blei- und silberhaltiges Kupfer unter Luftzutritt durchgeglüht wird, so daß das Blei mit dem Silber ausseigert, sich oxydiert und als leicht flüssiges Gemisch von Metalloxyden (Darrschlacke) in die Darrgassen des Darrofens abfließt, während das gereinigte Kupfer (Darrlinge) ungeschmolzen zurückbleibt.

D'Arrest, Astronom, s. Arrest.

Darro, Nebenfluß des Jenil (zum Guadalquivir) in Spanien, mündet bei Granada.

Darrsucht, veralteter Name für schleichende, mit Abmagerung und allgemeinem Kräfteverfall verbundene Leiden, z. B. Altersschwäche, Rückenmarksschwindsucht, Pädatrophie (D. der Kinder), Krebskachexie, Bleivergiftung (chronische Form und Ausgänge) etc. D. heißt auch die auffallende Abmagerung, welcher mehrere Arten der Haustiere, namentlich die größern Säugetiere, ausgesetzt sind, und deren Charakter darin besteht, daß, obwohl die Tiere fressen, doch eine immer größere Abmagerung entsteht. Ursache des Übels ist die Erkrankung irgend eines für die Ernährung wichtigen Organs, z. B. der Lunge, der Leber, des Magens, des Darms und namentlich der Lymphdrüsen. Die hauptsächlichsten Symptome sind: Abmagerung, unreine, trockne, welke oder auch steife, harte Haut; trocknes, glanzloses, struppiges Haar; zusammengefallener oder (bei jüngern) aufgetriebener, dicker, aber schlaff herabhängender Bauch, Freßgier oder Gelüste; dann Bleichsucht, Blutarmut, Erschöpfung, Zehrfieber. Der Erfolg der Behandlung ist zweifelhaft; man bemühe sich daher, die Verdauung und Assimilation zu befördern. Man schone vor allen Dingen die Tiere, gebe ihnen ein gutes, nahrhaftes, aber leichtverdauliches Futter, z. B. Hafer- und Gerstenschrot, gewürzhaftes, gutes Heu oder Grünfutter, Mohrrüben, Disteln, und lasse sie, wenn es die Jahreszeit erlaubt, auf gute, vorzüglich mit gewürzhaften Kräutern bewachsene Weiden gehen. Die Hautthätigkeit ist durch tägliches Putzen anzuregen, bei langem Haar ist das Scheren vorteilhaft. Bei Durchfall sind trocknes Futter und warme Bedeckung des Körpers angezeigt. Bei sauer riechendem Kot setze man etwas Kreide zum Futter oder Natron oder Magnesia zum Getränk. Auch beim Hausgeflügel zeigt sich bisweilen infolge Mangels an gutem und hinreichendem Futter und Getränk ein ähnliches Leiden, welches sich aber durch gutes Körnerfutter, Grünfutter und frisches Trinkwasser meist rasch beseitigen läßt. Stubenvögel leiden an einer andern Art D. (Darre). Die Patienten lassen die Flügel hängen, werden traurig und verlieren die Federn oder reißen sich dieselben aus. Zur Beseitigung des Übels ist namentlich öfters wiederholte gründliche Reinigung des Käfigs durch Abbrühen oder Abwaschen mit nachfolgender