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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: De Castro; Decandrus; Decatur; Decazes

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Decandrus - Decazes.

dromus" seines Vaters fort (s. oben), gab dessen "Mémoires et souvenirs" (Genf 1862) heraus und veröffentlichte zahlreiche naturwissenschaftliche Untersuchungen in Fachjournalen. Mit seinem Sohn Casimir Pyrame (geb. 1836), welcher auch verschiedene Monographien im "Prodromus" bearbeitet hat, gab er heraus: "Monographiae phanerogamarum prodromi nunc continuatio nunc revisio" (Par. 1878 bis 1881, 4 Bde.).

Decandrus (griech.), zehnmännig, eine Blüte mit zehn Staubgefäßen. Davon Decandria, die zehnte Klasse im Linnéschen Pflanzensystem, welche die Pflanzen mit zehn freien Staubgefäßen enthält.

De Castro, Giovanni, ital. Schriftsteller, geb. 1835 zu Padua, betrieb in Mailand klassisch-philologische und rechtswissenschaftliche Studien, wandte sich dann aber der journalistischen Thätigkeit zu. Nachdem er die Zeitschriften: "Il Caffè" und "Il Panorama" redigiert hatte, die wiederholt Konfiskationen erlebten, bethätigte er sich von 1861 an in hervorragender Weise am Mailänder "Politecnico" und half 1863 den "Circolo della Libreria italiana" gründen. Seit 1866 vorzugsweise der Lehrthätigkeit zugewendet, erhielt er schließlich eine Professur an der königlichen Akademie der Künste in Mailand, die er noch jetzt bekleidet. Von seinen zahlreichen und mannigfaltigen Schriften seien erwähnt: "Ugo Foscolo" (1861); "I processi di Mantova" (1864); "L'Europa contemporanea" (1865); "Storia di un cannone" (1866); die Erzählungen: "Anime sorelle" (unter dem Pseudonym Aldo, 1866) und "Tempeste del cuore" (1869); "Ora giovanili" (1871) u. a. Eine erziehende Tendenz haben: "Il libro del soldato" (1861); "I benefattori dell' umanità" (1871) und "La morale dell' operaio" (1873). Die spätern Werke sind meist geschichtlichen Inhalts: "Storia di nostra casa" (1873); "Arnaldo da Brescia e la rivoluzione del XII. secolo" (1875); "Fulvio Testi e le corti italiane nella prima metà del XVII. secolo" (1875); "I popoli dell' antico Oriente" (1878, 2 Bde.); "La storia nella poesia popolare milanese" (1879); "Milano e la Repubblica cisalpina giusta le poesie, le caricature ed altre testimonianze dei tempi" (1879); "Fratellanze secrete" (1880); "Cento anni fa" (1881); "Storia d'Italia dal 1799 al 1814" (1881) u. a.

Decatur (spr. dihkätor), Stadt im nordamerikan. Staat Illinois, am Sangamon River, 60 km östlich von Springfield, in fruchtbarer Gegend, mit Fabriken und (1880) 9547 Einw.

Decazes (spr. dökahs'), 1) Elie, Herzog D. und von Glücksbjerg, franz. Staatsmann, geb. 28. Sept. 1780 zu St.-Martin de Laye (Gironde), studierte auf dem Collège zu Vendôme die Rechte, praktizierte in Libourne als Advokat, ward 1805 Richter am Tribunal der Seine und 1806 vom König Ludwig von Holland nach dem Haag berufen. Nachdem er sich durch freimütige Verteidigung der Interessen Hollands die Ungnade Napoleons I. zugezogen und den zurückgetretenen König Ludwig nach Böhmen und Österreich begleitet hatte, ward er 1811 Rat der Kaiserin-Mutter und beim obersten Gerichtshof des Reichs. Nach Napoleons I. Sturz schloß er sich den zurückgekehrten Bourbonen an, weigerte sich 1815, den Kaiser nach seiner Rückkehr von Elba zu beglückwünschen, und ward deshalb aus Paris verwiesen. Nach der zweiten Rückkehr Ludwigs XVIII. ward er von diesem sofort zum Polizeipräfekten von Paris und im September 1815 zum Staatsrat und Minister-Staatssekretär der Polizei ernannt und zum Grafen erhoben, während er infolge seiner Vermählung mit der reichen Erbin de Sainte-Aulaire, der Großnichte des vorletzten Fürsten von Nassau-Saarbrücken, von dem König von Dänemark zum Herzog von Glücksbjerg ernannt wurde. Durch sein liebenswürdiges Wesen und seine geistvolle Unterhaltung gewann er die Gunst Ludwigs XVIII. in hohem Grad und stimmte mit diesem in dem Streben überein, den Ausschreitungen der Ultraroyalisten entgegenzutreten. Er bewirkte daher die Auflösung der Chambre introuvable, die Aufhebung der Ausnahmegesetze und die Verminderung des Wahlzensus. 1818 wurde er an die Spitze eines neuen gemäßigt-liberalen Ministeriums gestellt und übernahm selbst das Innere. Den Widerstand der Ersten Kammer gegen das neue Wahlgesetz beseitigte er 1819 durch einen Pairsschub von 60 Mitgliedern und milderte die Preßgesetze. Als aber die Royalisten ihn heftig angriffen und die Liberalen nur immer größere Forderungen stellten, entschloß er sich zu einer Schaukelpolitik und ersetzte 19. Nov. die liberalen Mitglieder des Kabinetts durch konservative. Indes die unversöhnlichen Ultraroyalisten benutzten die Ermordung des Herzogs von Berri (13. Febr. 1820) zu einer Anklage gegen D., dessen revolutionäre Politik die That veranlaßt haben sollte. Diesem Sturm war er nicht gewachsen, und als er in der Kammer sogar persönlich beleidigt und von einem wütenden Deputierten der Teilnahme am Mord geziehen wurde, endlich selbst die Familie des Königs seine Entlassung forderte, legte er 17. Febr. das Portefeuille nieder. Der König ernannte ihn zum Zeichen seiner fortdauernden Freundschaft zum Herzog und schickte ihn als Gesandten nach London, von wo er aber schon im Mai 1821 von Villèle zurückberufen wurde. D. ging nun auf seine Güter in Südfrankreich und begründete hier große Kohlen- und Eisenwerke bei dem von ihm erbauten Flecken Decazeville (Aveyron). Als Mitglied der Pairskammer schloß er sich der gemäßigt-liberalen Partei, nach der Julirevolution 1830 dem König Ludwig Philipp an und ward 1834 zum Großreferendar der Pairskammer ernannt. 1848 zog er sich ganz von den Staatsgeschäften zurück und widmete sich ausschließlich der Verwaltung seiner Güter. Er starb 24. Okt. 1860.

2) Louis Charles Elie Armanieu, Herzog D. und von Glücksbjerg, geb. 29. Mai 1819 zu Paris, ältester Sohn des vorigen, betrat die diplomatische Laufbahn und ward 1843 französischer Geschäftsträger in Madrid, dann Gesandter hier und in Lissabon, schied aber 1848 wie sein Vater aus dem öffentlichen Leben aus. Erst 1871 trat er wieder in die öffentliche Thätigkeit als Mitglied der Nationalversammlung, in welcher er sich dem rechten Zentrum anschloß und einer der Führer der Monarchisten war, wurde im Juni 1873 Nachfolger des Herzogs von Broglie auf dem Botschafterposten in London und 26. Nov. 1873 bei der Neubildung des Broglieschen Ministeriums Minister des Auswärtigen. Dies blieb er auch unter den folgenden Ministerien, da Mac Mahon aus politischen Rücksichten das Auswärtige Amt nicht zu oft seinen Inhaber wechseln lassen wollte. Äußerlich hielt D. die guten Beziehungen zu allen Mächten, auch zu Deutschland, aufrecht. Im geheimen aber suchte er eine Koalition gegen dieses, namentlich mit Rußland, zu stande zu bringen und spann während der orientalischen Krisis allerlei Ränke, um sich den Russen zu nähern. Daß er auch nach dem reaktionären Staatsstreich vom 16. Mai 1877 Minister blieb, wurde ihm von den Liberalen sehr verdacht, und er fiel daher, nachdem er 24. Okt. seine Entlassung genommen, bei allen fernern Wahlen durch.